Artikel von: Nicole Kolisch

Personalities

Nani Marquina, Església 10 3º Planta, 08024 Barcelona

Wer künstlerisch arbeitet, muss sich den kindlichen Blick bewahren, das Spielerische, die Neugierde, die unbändige Freude am Entdecken – und dann einfach drauf los zeichnen!
Erwachsene können das nicht. Zu stark sind die Zensoren im Kopf: Ein Stück Orangenschale, selbst wenn rüsselförmig, ist für uns eben doch kein Elefant. Und wir zeichnen nicht, weil man könnte ja die perspektivische Verkürzung falsch berechnen – wie sieht denn das dann aus? Kurz: Wer Künstler ist, ist Kind. Zumindest im Herzen.


Außer man steht an der Spitze einer Firma! Dann sollte man das mit dem Kind-Sein rasch wieder vergessen. Da herrschen Excel-Tabellen vor, Verhandlungen mit Manufakturen und Vertrieb, kurz: jede Menge Realitäten, die es nötig machen, eine Orangenschale als Orangenschale zu sehen, nicht als Elefant. Und Perspektiven sollten – zumal in wirtschaftlich unsicheren Zeiten – tunlichst richtig berechnet werden.

Seit 1987 leitet die katalanische Künstlerin Nani Marquina das nach ihr benannte Textilunternehmen. Mit dem Spagat zwischen den Welten ist sie täglich konfrontiert. Wir haben nachgefragt, wie sie das macht.


Gibt es einen Ort, an dem Sie besonders gerne arbeiten?
Ich habe ein kleines Haus in den Bergen. Wenn ich designe, ziehe ich mich dorthin zurück. Da muss ich ganz alleine sein. Dabei geht es nicht um den tatsächlich handwerklichen Design-Prozess, sondern ums Ideen-Sammeln. Der Arbeitsprozess findet dann im Team statt, aber ich brauche davor diese Zeit zum Entspannen, um Visionen zu entwickeln, zu denken. Dafür suche ich immer die Stille. Wenn ich selbst ruhiger werde, kommt die Inspiration.

Personalities

Barbara Riedl-Wiesinger, Salztorgasse 2, 1010 Wien

Monster - so der Claim des Recruiting-Portals - unterstützt Menschen dabei, ihre Lebensziele zu verwirklichen. Sitzt man Barbara Riedl-Wiesinger gegenüber, so wird sehr rasch klar: Das gilt auch für die eigenen MitarbeiterInnen. Sie sei jetzt schon sehr lange ein Monster, sagt die österreichische Country Managerin, und sie könne sich gar nichts anderes vorstellen. Das violette Halstuch, entsprechend der Firmenfarbe, hat sie extra fürs Interview umgelegt. Sehr hübsch und dennoch vollkommen unnötig: Es braucht längst keine äußere Symbolik mehr, um zu sehen, dass hier ein Mensch am Ziel angekommen ist.
 
Riedl-Wiesinger, geboren 1972 in Horn, begann ihre Karriere im Bereich Marketing und Sales bei Czak Führungstraining. Ab 2002 arbeitete sie als Key Account Manager (für Branchen wie unter anderem Handel, IT und Pharma) bei der jobpilot Austria GmbH. 2004 wechselte sie zur atms GmbH, wo sie für den Verkauf an Mediaagenturen mit Projektschwerpunkt virales Marketing zuständig war. Als Monster lebt sie seit 2004 eine Art Bilderbuchkarriere vor: Vom Sales Manager zum Sales Director und letztlich 2008 zum Country Manager des Unternehmens.
 
 
Das Büro als Ort: welche Bedeutung messen Sie ihm bei?
Büro ist für mich nicht nur ein Arbeitsplatz, sondern in erster Linie ein Kommunikationsplatz. Deswegen könnte ich auch nicht zu 100 Prozent in einem Home Office arbeiten. Da würden mir die sozialen Kontakte fehlen. Ich glaub´, nach wie vor unterschätzen viele Menschen etwas extrem Wichtiges: das persönliche Miteinander. Es wird sehr viel gesprochen über Teleworking. Meetings werden vielfach ersetzt durch Videokonferenzen, auch bei uns, weil es natürlich billiger ist und Reisekosten spart. Aber das "zwischen den Zeilen" geht dabei vielfach verloren. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich schätze Videokonferenzen sehr, schon auf Grund der großen Zeitersparnis, aber ich möchte auf keinen Fall persönliche Meetings komplett dadurch substituieren.
 
 
Gibt es für Sie so etwas wie einen "Hauptarbeitsplatz" – und wenn ja, wo befindet er sich? 
Das Büro ist der Mittelpunkt meines Arbeitslebens, das ginge in meiner Position gar nicht anders. Es ist wichtig, dass ich hier bin und angreifbar für die Leute. Sie müssen jederzeit mit mir reden können. Meine Tür ist auch meistens offen, und wenn jemand etwas braucht, kommt er einfach vorbei und fragt.

Architektur & Design

Ei, Ei

Symbol der Fruchtbarkeit und der Urschöpfung – das Ei spielt in jeder Kultur eine besondere Rolle. Und fasziniert im Design. Klar, dass Nicole Kolisch und Désirée Schellerer sich auf die Eiersuche machten. Und allerl-ei Skurilles fanden rund um dieses ei-genwillige Objekt, das weder rund noch oval und doch beides zugleich ist.

"Wenn man eine Kugel in ihrer absoluten, geometrischen Form zusammendrückt, entsteht in der Deformation die Gestalt eines Eies. Aus der absoluten Ruhe ist so Bewegung und Ausdruck entstanden, das erste Lebenszeichen in der abstrakten Formenwelt der Geometrie."

Ein Zitat des italo-österreichischen Bildhauers Wander Bertoni, der im Ei ein gutes Beispiel für die Gestaltungslehre fand. Es mag kein Zufall sein, dass just die außergewöhnliche Form des Eies die Künstler und Gestalter zu faszinieren vermochte und vermag: Vollkommen in seiner Form, gleicht dennoch kein Ei dem anderen. Berühmtheit erlangten die abstrakten eierförmigen Köpfe von Constantin Brâncuși, dem rumänisch-französischer Bildhauer der klassischen Moderne.

Personalities

Kris Kringle, Nordpol, DK-3900 Nuuk

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir regelmäßig Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Jetzt wird es Zeit, sich auch mit jenem Arbeitsplatz auseinander zu setzen, der seit vielen Generationen als globale Projektionsfläche dient. Nicole Kolisch und Harald Havas statteten dem Weihnachtsmann in seiner Werkstatt einen Besuch ab.

Kris Kringle ist der lebende Beweis dafür, wie eine Berufung zum Beruf werden kann. Als Weihnachtsmann hat er einen sehr ungewöhnlichen Arbeitsrhythmus, dennoch ist es ihm wichtig, nicht als Saisonarbeiter abgestempelt zu werden: "Der logistische Aufwand nimmt im Vorfeld des 24. Dezember meist ein ganzes Jahr in Anspruch, auch bekommen wir massiv den Bevölkerungszuwachs zu spüren." Kringle ist bemüht, sein Angebot niederschwellig zu halten: Brief oder Email genügt, um ihn zu verpflichten; religiöse Präferenzen hat er keine. "Ich weiß, dass ich oft mit dem Heiligen Nikolaus verwechselt werde", schmunzelt er, "Ich selber fühle mich aber einem ökumenischen Gedanken verpflichtet: der Glaube an mich ist sicherlich die Grundlage meines Geschäfts. An was sonst noch geglaubt wird, halte ich für Privatsache."


Mr. Kringle, gibt es für Sie so etwas wie einen "Hauptarbeitsplatz" – und wenn ja, wo befindet er sich?
Nun, mein Büro hab ich zwar am nördlichen Polarkreis, aber mein tatsächlicher Arbeitsplatz ist die ganze Welt! Insofern wechsle ich die Szenerie sehr, sehr schnell – und das in nur einer Nacht! Ho, ho, ho!


Das Büro als Ort: Was mögen Sie daran, was nicht?
Ich schätze einen eher rustikalen, heimeligen Stil. Da bei mir Wohnung, Büro und Werkstatt eine Einheit bilden, verbinde ich damit eher Ruhe. Klingt seltsam, wenn man sich vor Augen hält, dass der Stress – vor allem in der Vorweihnachtszeit - beängstigend hoch ist. Aber es sind die Kleinigkeiten, die immer wieder für Entspannung sorgen: Sehr viel Holz und Naturmaterialien, mein PARCS Wing Chair – eine Spezialanfertigung für mein, nun ja, eher breites Hinterteil [lacht]. Und die vorgewärmten Hausschuhe! Ohne die könnte ich nicht arbeiten. Was ich hingegen gar nicht mag, ist der Trainingskamin, zu dem mich Mrs. Kringle vor ein paar Jahren verdonnert hat. Aber das gehört nun mal dazu.


Gibt es Orte oder Plätze, an denen Sie besonders gerne arbeiten?
Na ja, zwar haben wir im Laufe der Zeit Werkhallen und Fabriksteile angebaut, aber am liebsten arbeite ich immer noch an der Werkbank und drechsle selbst…

Der Stoff, aus dem die Räume sind

Textiles hält Einzug in die Büros. Die Ära glatter, kühler Werkstoffe in Reinkultur scheint passé. Denn heutzutage sind Arbeitsumgebungen gefragt, die Emotionales zulassen und Atmosphäre schaffen – mit Stoffen und Farben. Und deshalb ziehen sich die Büros jetzt warm an.
Jahrzehntelang spielte Stoff in Büroräumlichkeiten eine untergeordnete Rolle. Sicherlich, der eine oder andere Spannteppich als Fußbodenbelag und die gelegentliche Gardine des Typs 08/15 waren anzutreffen, aber man wollte praktisch sein, nicht anheimelnd. Wer sich modern und zeitgeistig gab, brachte sein Savoir-Vivre durch Glas und Metall zum Ausdruck: "Ästhetisch, aber kühl" war die Maxime. Melamin repräsentierte die Werkstoff gewordene Botschaft einer Ära: hart, glatt, kühl – und abwaschbar.

Freilich, dieser funktionalistische Zugang zur Ausstattung von Bürointerieurs und Möbeln hat eindeutige und bewährte Vorzüge. Alles wirkt stets sauber, neu. Kein Kaffeehäferl hinterlässt nachhaltig Spuren auf der spiegelnden Schreibtischoberfläche. Weniger optische Ablenkungen lassen den Benutzer sich auf das Wesentliche konzentrieren. Vermittelt wird Seriosität und Kompetenz.

So musste sich in den letzten 50 Jahren auch Holz, wenn vorhanden, dem Diktat der polierten Funktionalität unterordnen. Bei Sitzmöbeln spielten Textilien eine untergeordnete Rolle: Wo harte Materialien nicht gefragt waren, dominerte – ebenfalls glatt – Leder.


Shift happens

Aber jetzt birgt die aktuelle Umdefinition klassischer Büroarbeit und die damit einhergehende Neudefinition klassischer Büroräume die Chance, einen frischen Blick auf die Werkstoffe zu werfen. Enter: Textil!

Petra Jenner, Am Euro Platz 3, 1120 Wien

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren – und kaum jemand war mit solchen in den letzten Monaten derart massiv konfrontiert wie Microsoft-Managerin Petra Jenner. Für Nicole Kolisch der richtige Zeitpunkt, ihre Fragen an Petra Jenner zu formulieren.

"Wie gut, dass ich bei meinem Vorstellungsgespräch für Microsoft Österreich unser Büro nicht gesehen habe. Das wäre vielleicht ein Grund gewesen, sich’s anders zu überlegen", sagt Petra Jenner. Tatsächlich boten die alten Büroräumlichkeiten des Software-Spezialisten zwar viel Platz, der war aber "mäßig ansprechend und nicht kreativ genutzt". Zeit, das zu ändern, befand die neue Chefin und führte ihre knapp über 300 Mitarbeiter in einen Umbau, der getrost als Pionierarbeit in Österreich gelten kann. Wenn sie nun, nach geglücktem Change-Management, zur Schweizer Niederlassung wechselt, hinterlässt sie vor allem eines: einen Vorzeige-Raum für Kommunikation und Kreativität.


Im Rahmen des Umbaus haben Sie selbst Ihren fixen Arbeitsplatz im Haus aufgegeben. Wo arbeiten Sie zurzeit?
Ehrlich gesagt überall und nirgendwo. Ich hab mein Office da, wo ich halt bin. Also im wahrsten Sinne des Wortes "my office is where I am".


Was verbinden Sie mit dem Ausdruck "Neue Welt des Arbeitens"?
Also, ich könnte allein darüber schon eine halbe Stunde sprechen... Ich glaube, das Wichtigste, was mit der "Neuen Welt des Arbeitens" zu verbinden wäre ist, dass wir wirklich einen Platz der Begegnung schaffen, wo Menschen gerne hinkommen, um sich auszutauschen, miteinander produktiv zu arbeiten… und vor allen Dingen auch, dies nicht mehr als Pflichtübung ansehen. Ich gehe sozusagen zum Arbeiten, aber eben auch, um mich mit meinen Kollegen zu einem bestimmten Thema auszutauschen.

Von der Schreibmaschine zum Coffice – Ein paar Jahrzehnte Bürogeschichte

Büro ist mehr als nur der Sammelbegriff für Aktenordner, iMac und – mitunter – Rückenschmerzen. Es ist Spiegelbild eines im steten Wandel befindlichen Bewusstseins für den (Stellen-)Wert von Arbeit in unserer Gesellschaft. Wo sich dieses Bewusstsein in Architektur manifestiert, entstehen Räume. Sie prägen unser Denken und Handeln, nicht zuletzt, weil die meisten von uns gut 40 Stunden pro Woche darin verbringen. Anders gesagt: Das Konzept einer Work-Life-Balance, vielstrapaziert und aktuell sehr "in", kann einpacken, wenn es nicht auch Erlebnis-, Spiel- und Freiräume in unseren Büros in Betracht zieht. Vorausgesetzt, es gibt dort welche...

"Der Raum ist unser Produkt", weiß Manfred Bene. Bereits 1977 fand in seiner Firma der große Mindshift statt: Vom Einzelmöbel zum Raumkonzept. Denn wer die Wirkung von Räumen anerkennt, vermag den Spieß genussvoll umzudrehen: "Zuerst prägen wir den Raum, dann prägt der Raum uns".

Das hat etwas Trotziges, fast Aufmüpfiges. Der Mensch nicht als tumber Vollzugssklave einer arbeitsteiligen Gesellschaft, sondern als deren aktiver Gestalter. Jössas, Revolte! Sturm auf die Schreibtisch-Bastille! Besser schnell im Kleinkaro verstecken?

Oder – Alternativvorschlag - Sie kommen einfach mit auf unsere Reise: 70 Jahre Manfred Bene - ein paar Jahrzehnte Bürogeschichte.
 

50er Jahre: Knappheit, Netzstrümpfe und Jailhouse Rock

Die 1950er Jahre waren das Jahrzehnt der Hoffnung trotz Knappheit. Es war die Zeit des Wiederaufbaus und der großen Träume made in Hollywood. Marilyn lebte vor, wie schick es war, Sekretärin zu sein, und dass man mit keckem Zehnfingersystem gar bei Kalibern wie Cary Grant landen konnte.

Manfred Bene, Schwarzwiesenstraße 3

Manfred Bene

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Es liegt nahe, dass das Büro für jemanden wie Manfred Bene, der im familiären Büromöbelunternehmen groß geworden ist, eine bedeutende Rolle spielt im Leben. Beeindruckend ist jedoch, mit wie viel "Leidenschaft und Fantasie" der Vollblut-Unternehmer seine Vorstellungen entwickelt und umsetzt. Aus Anlass seines siebzigsten Geburtstags und fünfzig Jahre Tätigkeit im Unternehmen baten Nicole Kolisch und Désirée Schellerer Manfred Bene zum Interview.

Manfred Bene wurde im Jahr 1941 in Waidhofen/Ybbs in Niederösterreich geboren. Nach einer Ausbildung in Holzverarbeitung und Holztechnik in Hallstatt und Mödling trat er bereits 1961 ins elterliche Unternehmen ein. Zunächst war er als Betriebstechniker tätig. 1970 übernahm er die Geschäftsführung der Bene AG, im Jahr 2004 den Vorsitz des Vorstandes. Seit 2006 ist Manfred Bene Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bene AG. In seiner Ära führte er das Unternehmen zu internationalem Erfolg und etablierte es im Bereich Architektur und Design: in Kooperation mit bedeutenden ArchitektInnen und Designern weltweit entwickelt Bene neue Büro- und Arbeitswelten – und damit eine neue Qualität des Lebensraums Büro.
 

Angenommen, Herr Bene, Sie würden sich heute in Ihrem Unternehmen ein Büro einrichten. Wie würde das aussehen? Wäre das ähnlich dem Jetzigen, also ein Einzelbüro, oder ein offener Raum?
Ich bin sicher für jede Form von Büroeinrichtung offen. Im bestehenden Fall gibt es aber nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, das Bürohaus ist ja wie ein Schiff, in dem ich ganze vorne sitze: Mein Büro besteht aus nur einer Wand, rundherum sind 80 Prozent Fensterfläche. Das ist ein Raum, den man nicht wirklich einrichten kann.
 

Gibt es dennoch so etwas wie Ihr liebstes Einrichtungsstück in diesem Büro?
Das wäre der Besprechungstisch. Als ich vor 23 Jahren eingezogen bin, hatte ich wie jeder andere Manager einen schönen großen dicken Schreibtisch und ein Kasterl daneben – und auf der anderen Seite des Raumes war dann der Besprechungstisch.

Nachdem ich aber praktisch zwei Drittel meines Lebens in Gesprächen verbracht habe, fand ich das eigentlich total unpraktisch. Immer aufstehen, rübergehen, sich hinsetzen, das Zeug mit hinüber tragen… Deshalb hab ich den quadratischen Tisch erfunden, der Besprechungstisch und Schreibtisch in einem sein kann. Es gab zu dieser Zeit keine Tische in diesem Format. Das war 1988.

Titi Laflora, Entwicklung von Foodkonzepten und Essprojekten, Baumgasse 52

Lebensräume Küchen: Titi Laflora

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal erzählt Titi Laflora, welche Bedeutung ihre Küche für sie hat: über ein Büro, das zur Küche wurde, über Inspiration durch Einfachheit und über die Sinnlichkeit eines perfekten Germteigs. Ein Küchengespräch mit Nicole Kolisch.

Titi Laflora alias Judith Holzer wurde 1968 in Brixen, Südtirol geboren, wovon ihre nach wie vor italienische Staatsbürgerschaft Zeugnis ablegt. Kochen und Kulinarik haben in Judiths Leben immer schon eine große Rolle gespielt: Die Großmutter hatte ein Gasthaus, in dem die Enkelkinder oft saßen und gerne mal aushalfen. Auch die italienische Mama kochte mit Leidenschaft für viele Gäste auf.

Die Äpfelin fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm; es nimmt also nicht Wunder, dass Judith nach der Matura erst mal eine Hotel- und Touristikmanagement-Ausbildung absolviert, samt einer Kochlehre nebenbei. Was folgt: Ein prägendes Jahr in der Küche eines kleinen Sterne-Lokals in Meran, das den kulinarischen Horizont in gleichem Maße erweitert, wie es auf seine Begrenzungen verweist. Judith spürt: Ihr Platz ist nicht im Restaurant.


Sie geht nach Wien und arbeitet zehn Jahre lang als Projektmanagerin und Event-Organisatorin für André Heller. Dabei setzt sich nach und nach der Wunsch durch, etwas ganz Eigenes zu machen, anstatt nur die Ideen anderer – und seien sie noch so kreativ – umzusetzen.
Gemeinsam mit ihrem Mann gründet Judith ein Büro für Kommunikation und Design, eine Erfahrung, die heute in ihre Foodkonzepte einfließt. Denn Nahrung – davon ist sie überzeugt – ist Wissenstransfer, ist Kommunikation und Interaktion zwischen Menschen. Das ist es auch, was sie in den letzten Jahren unter dem Künstlernamen Titi Laflora einem immer größer werdenden Kundenkreis anbietet: Kreative "Essprojekte", die Menschen verbinden. Wir treffen einander – wie könnte es anders sein? – zum Interview in ihrer Küche.

Titi Laflora, ist die eigene Küche so etwas wie ein persönliches Refugium?
Ja, sie ist ein Schutzraum. Wenn ich wirklich ganz persönlich koche, – das ist etwas sehr Intimes –, dann fühl´ ich mich hier am wohlsten, weil ich von meinen gewohnten Dingen umgeben bin. Das leistet auch der Spontaneität Vorschub, denn wenn ich schnell etwas brauche, wie Gewürze, Zutaten etc., dann ist halt alles da. In einer fremden Küche muss ich da vordenken, kann weniger spontan agieren.

×

×
×