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Büro für alle Sinne – über Kultbüros und etwas andere Begegnungsräume

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Stefan staunte nicht schlecht, als er das Büro des neuen Partner-Unternehmens betrat: Wie Brückenpfeiler sahen sie aus, die Säulen, die den grünen Plafond stützten, der sich ähnlich einem Blätterdach über den Raum wölbte. Sonnenstrahlen schienen zwischen Ästen hindurch zu leuchten. Stühle und Sofas im Foyer wiederholten die runde, organische Formensprache, ein Brunnen plätscherte am Rand leise vor sich hin. Und natürlich gab es jede Menge echter Pflanzen. "Das nenne ich einen überraschenden Empfang", dachte Stefan – und dachte unvermittelt an die ungewöhnlichen Produktlösungen, die hier oftmals geboren werden.
 

Kreative Arbeitsplätze – Arbeitsplätze für Kreative

Räume sind zweifellos gebündelte Energie, wirken auf unser Wohlbefinden, unsere Motivation und Leistungsfähigkeit. Ein inspirierendes Arbeitsumfeld gibt Kraft und Input für jede Art von Tätigkeit. Besonders dann, wenn es nicht nur einzigartig, sondern auch aussagekräftig ist – kurz gesagt: ein Kultbüro. Wenn man seinen Freunden begeistert Fotos von seinem Arbeitsplatz zeigt, als wäre es die neu eingerichtete Wohnung oder ein Urlaubshotel, ja dann ist das schon ein klares Kult-Indiz. Das Büro ist zur Stätte der Identifikation geworden. Hier liegt Potenzial!

Und das ist auch gut so – für den Einzelnen wie auch das Unternehmen. Motivierte Mitarbeiter sind die besten Mitarbeiter. Sie schaffen nicht nur gute Stimmung, sondern bringen auch großartige Leistungen. Und bleiben – bedingt – "treu". Auch das ist ein wichtiger Aspekt für ein Büro, denn in der globalisierten Welt sind die Optionen der Lebens- und Berufsgestaltung vielfältig und die Kreativen mobil.
 

Ästhetik und Emotional Design

Design ist heute keine Randerscheinung mehr, sondern beinahe jeden Bereich des Alltags vorgedrungen. Ob Telefon, Sessel, Mountainbike oder Verpackung – ästhetische Kriterien spielen bei jedem Produkt eine wichtige Rolle. Man kann somit durchaus von einer Ästhetisierung des Alltags sprechen.

Dabei wird Design manchmal auffällig in Szene gesetzt, oft wirkt es "nur" unbewusst. Auch beim Raumdesign: Eindrücke aus der Umgebung lösen Emotionen und Gedanken aus, die in uns wirken. "Emotional Design" ist der Terminus Technicus dafür.
 

Corporate Identity

"Nichts bleibt im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war", schreibt Hans Rudolf Jost im Buch "Unternehmenskultur". Das gilt gleichermaßen für Unternehmenswerte. Werden diese nur gelesen, nehmen sie viel weniger Gestalt an, als wenn sie im Büro auch sichtbar werden – in der Architektur, der Raumgestaltung und Möblierung. Zum Beispiel: Gehören zu den Werten eines Unternehmens etwa Qualität, Innovation und Spaß, so muss sich das auch in den Räumen abbilden: Hochwertige Ausstattung, neuartige, ungewöhnliche und humorvolle Gestaltung. Wäre dem nicht so, könnte man an der Glaubwürdigkeit der Werte und damit des Unternehmens zweifeln. Denn vom Raumauftritt schließt man gerne auf die Kultur des gesamten Unternehmens.

Das hat auch eine sehr positive Seite: Büros eignen sich optimal, um Werte und Unternehmenskultur unmittelbar erlebbar zu machen. Damit sind sie ein wesentlicher Bestandteil der Corporate Identity. Kultbüros spielen dabei eine überaus einprägsame Rolle.
 

Das Büro als Ort der Begegnung

Dass Zusammenarbeit und Vernetzung in der heutigen Wissensökonomie immer wichtiger werden, ist nicht nur persönliche Erfahrung, sondern auch Ergebnis von Studien z.B. der amerikanischen Berater Catlette und Hadden sowie von Rolf Berth aus Deutschland: Unternehmen, die Vernetzung und ergänzendes Aufeinanderzugehen forcieren sind deutlich erfolgreicher. Wer da noch auf egoistisches Gegeneinander zur Leistungssteigerung pocht, wird in Zukunft wohl das Nachsehen haben. Denn inzwischen ist klar: Teamperformance schlägt Einzelleistung.

Belegbar ist, dass die meisten Ideen von den Mitarbeitern des Unternehmens selbst generiert werden – laut einer Untersuchung von IBM sind es 41 Prozent. Nur 17 Prozent der Ideen kommen aus Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, zwölf Prozent von akademischen Einrichtungen. Das kreative Potenzial der eigenen Mitarbeiter ist somit enorm und verlangt geradezu nach Kommunikation und Austausch. Begegnungsräume fördern diese: frei zugängliche Sitzmöbel jeder Art, Pulte, Möbel zum Anlehnen oder gar ein installierter Swimmingpool! Obstkörbe oder eine gut platzierte Küche tun es natürlich auch.
 

Office-Diversity als Büro der Zukunft

Das Büro der Zukunft ist damit ein Ort der Begegnung, ein Ort des Miteinanders. Trotz oder gerade wegen einer virtueller und mobiler werdenden Arbeitswelt werden solche physischen Orte benötigt. Sie sind Schnittstellen von Wissen und Talent. Sie geben Halt, zeigen Werte, ermöglichen Begegnungen und persönliche Gespräche sowie Identifikation mit dem Unternehmen. Die Gestaltung des Büros wird damit zu einem zentralen Instrument für das Management von morgen. Ideal designte Arbeitsumgebungen, die auch Präsentations- und Informationstechnologien Raum geben, Spontaneität zulassen und Individualität als Teamstärke anerkennen, fördern Wohlbefinden und Produktivität. Das Büro der Zukunft ist vielfältig und ein attraktiver Ort der Begegnung und Zusammenarbeit.

Das denkt sich auch Stefan, der die Bilder vom Büro des Partner-Unternehmens immer noch im Kopf. In so einem Umfeld arbeiten, ja, das wär´ schon etwas Besonderes.
 

Autor

Brigitte Schedl-Richter

Texterin, freie Journalistin, www.argezeit.at

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