Personalities

Der persönliche Raum: Max Hollein zum Thema Ausstellungsraum

Räume Kunst

Die Frage, ob ein Raum mit starker Eigensprachlichkeit ebenso zulässig für die Präsentation von Kunst ist wie der zurückhaltende White Cube, und was der Kontext von Kunstwerk und Raum ergibt, wird nach wie vor in Kunstkreisen unterschiedlich aufgefasst. Vorbei scheint jedenfalls die Zeit opulenter Museumsbauten nach dem Vorbild von Frank Gehrys Guggenheim Bilbao zu sein.

Max Hollein, 35-jähriger Leiter der Schirn Kunsthalle Frankfurt und Direktor des Städelmuseums und des Liebieghauses, gilt als wichtiger Protagonist einer neuen Generation in der Kunst- und Museumslandschaft.

Mit dem Programm der Schirn Kunsthalle erregte er internationales Aufsehen. Ausstellungen von "Shopping", in der etwa ein gesamter Supermarkt in den Museumsräumen gezeigt wurde, "Frequenzen", die sich experimenteller Gegenwartskunst widmete über Matisse Scherenschnitte bis hin zu einer Neubewertung der "Nazarener", einer religiös motivierten Künstlergruppe Anfang des 19. Jahrhunderts, bilden einen bewusst breiten Bogen von Themen.

Mit drei verschiedenen Häusern und ebenso verschiedenen Schwerpunkten deckt Max Hollein nun als Leiter in Personalunion eine kunsthistorische Bandbreite von Alten Meistern bis zu jüngsten Tendenzen der Gegenwartskunst ab.

Für Hollein ist "kein Raum neutral. In der Kunst ist Raum eine Behauptung. Seit Marcel Duchamp definiert der Kunstraum, der institutionelle Raum, was Kunst ist und was nicht. Spätestens seit den abstrakten Expressionisten versuchten Künstler dem institutionellen Raum zu entfliehen, die Museen aber waren mächtiger und gieriger. So sind immer größere Räume entstanden und so passierte es, dass gigantische Skulpturen wie die von Richard Serra in Museumsräumen untergebracht werden, die zwei Fußballfelder groß sind. Der Museumsraum als Fabrik."

Die Frage nach der Zukunft der Museen im Zeitalter der Virtualität und Reproduzierbarkeit beantwortet er ganz klar mit: "Eine Neudefinition führt nicht ins Virtuelle, alle Versuche digitaler Depots sind zum Scheitern verurteilt. Der Mensch, der Betrachter braucht immer noch die Aura des originalen Objekts, ein Stück von heiligem Kranz gewissermaßen."

  

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