Nimbus Group, Stutttgart

Personalities

Dietrich F. Brennenstuhl, Nimbus Group, Stuttgart

Innovation Licht Interview

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit. In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal befragen wir Dietrich F. Brennenstuhl, Architekten, Gründer und Geschäftsführer der Nimbus Group. Mit Angelika Molk sprach er über echte Innovation, gute Arbeitsplätze und die wilden Kerle der Nimbus-Truppe.


Nach einer Ausbildung zum Feinmechaniker absolvierte Dietrich F. Brennenstuhl ein Architekturstudium an der Universität Stuttgart. Die 1988 von ihm gegründete Nimbus Design GmbH wurde 2008 zur Nimbus Group und gilt als Innovationsführer der LED-Technologie. Die Leuchten, die in Stuttgart entwickelt, produziert und vertrieben werden, vereinen puristisches Design mit technischer Raffinesse und haben sowohl in gestalterischer als auch technologischer Hinsicht neue Maßstäbe gesetzt. Innovativ ist nicht nur das, was produziert wird – auch in der Firmenkultur hat sich die Nimbus Group das "Anders-Sein" auf die Fahnen geschrieben. So fördert man regionale Sozialprojekte, liefert mit Solarfahrzeugen aus und frühstückt jeden Morgen gemeinsam in der Firmenkantine. Als gelernter Werkzeugmacher und Architekt mit Liebe zum Design verkörpert Brennenstuhl gleichzeitig den gestalterischen, technologischen und visionären Anspruch des Unternehmens.


Herr Brennenstuhl, die Nimbus Group ist anders, und sie sind der "Erste Anders-Macher" dort. Im Firmenportrait beschreiben Sie Ihre Mitarbeiter als "wilde kantige Typen, die Spaß an Ihrer Arbeit haben." Wie kann man sich einen typischen Arbeitstag inmitten einer solchen wilden Truppe vorstellen?
Ich mag keine "Ja-Sager", keine angepassten Menschen. Wir pflegen hier eine offene Gesprächskultur, in der man sagen kann, was man denkt. Meist ist das sehr konstruktiv, da sich keine Emotionen anstauen – das Maß an Loyalität und Kollegialität ist sehr hoch. Wild und kantig muss nicht heißen, Tattoos vom Scheitel bis zur Sohle zu tragen. Kann es aber.


Wo verbringen Sie den größten Teil ihres Arbeitstages?
Wenn ich nicht unterwegs bei Kunden bin, bewege ich mich viel in der ganzen Firma. Ich habe zwei sehr transparente kleine Büros, eines im Bereich der Montage und eines in der Entwicklungsabteilung. Bei uns wird aber mehr gelaufen und gestanden als gesessen.


Das aktuelle Thema unseres Magazins ist Innovation – wir fragen uns, wie Innovation entsteht und wie sie gefördert werden kann. Nimbus gilt als Innovationsträger der Lichtentwicklung, als LED-Pionier und Innovations-Treiber. Daher die Frage an Sie: Was ist überhaupt Innovation? Und was braucht es, um innovativ zu arbeiten?
In der Kantine, die auch oben am Foto zu sehen ist, haben wir einen Leitspruch von Pablo Picasso als 4x3 Meter großes Bild montiert: "Ich suche nicht - Ich finde. (...)".

Meiner Erfahrung nach ist das Suchen eine verkrampfte Variante der Innovationsfindung. Brainstorming ist bei uns ein Unwort. Ich kann mich nur mit ein, zwei Menschen sinnvoll im Gespräch so ergänzen, dass dabei ein Mehr entsteht, etwas Neues. Innovation sollte möglichst kein Selbstzweck werden, idealerweise dem schonenden Verbrauch der Ressourcen dienen und der Nachhaltigkeit.

Innovation kann nur aus freien Stücken entstehen, wird aber oft mit Evolution verwechselt. Evolution passiert von alleine, einfach durch den Wandel der Zeit. Echte Innovation hingegen überrascht, oft auch ganz subtil.


Gibt es Ihrer Meinung nach spezielle "Regeln", die eingehalten werden müssen, damit wirkliche Innovation entstehen kann?
Ich weiß in etwa, wie Innovation nicht entsteht. Wenn ich für die Entstehung ein Regelwerk aufstellen könnte, wäre ich ein gemachter Mann.


Wie wichtig ist für innovatives Arbeiten der tatsächliche menschliche Kontakt? Denken Sie, dass es einen Unterschied macht, ob man räumlich nah zusammenarbeitet, oder sich nur "virtuell" austauscht?
Das kommt ganz auf den Menschen an. Da ist jeder anders und jeder Tag ist anders. Man sollte die Möglichkeit zum Rückzug haben, wenn man etwa morgens mit dem "falschen Fuß" aufgestanden ist, oder die Möglichkeit im Open Space zu arbeiten, wenn man Lust auf Austausch und Miteinander hat. Beides kann sehr zielführend sein.


Was macht für Sie einen guten Arbeitsplatz aus?
Die im vorigen Satz beschriebene Anpassung an meine Tagesform. Mein Arbeitstisch sieht manchmal aus wie bei Hempels - und ich fühle mich wohl dabei, bis ich das nicht mehr sehen kann und alles aufräume. Würde ich natürlich bei den Kollegen so nie durchgehen lassen...


Gibt es bestimmte Rituale, die Sie für wichtig halten in Ihrem Arbeitsalltag?
Morgens, mittags und abends mit meinen Hunden - die immer mit dabei sind - spazieren zu gehen. Oder einfach mal durch die Produktion laufen und mir die Montage einer Leuchte genau erklären zu lassen. Auch das macht den Kopf frei. Oder ich setze mich auf einen Kaffee in unseren Mock-Up, unseren Ausstellungsraum, der per se schon ein Quell der Inspiration und Energie ist.


Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?
Kaffee und iPhone.


Ihre liebste Tätigkeit in Zusammenhang mit der Arbeit?
Austausch mit den "kantigen, wilden" Kollegen. Überrascht zu werden von neuen Ideen - fremden oder eigenen.


Was wünschen Sie sich für Ihre Arbeit bzw. Ihren Arbeitsplatz?
Für die Arbeit nichts anders. Wenn ich es anders wollte, würde ich es anders machen. Das gleiche gilt für meinen Arbeitsplatz.


Vielen Dank für das Gespräch!

Autor

Angelika Molk

Corporate Marketing Manager

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