Personalities

Peter Stöger, Franz-Kremer-Allee, Köln

Team Teamwork Teambuilding

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit. In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal begeben wir uns auf ein Spielfeld, wo die Arbeit mit und an einem Team die Kernaufgabe ist – auf den Fußballplatz. FC Köln Trainer Peter Stöger, der seine Mannschaft binnen kürzester Zeit auf die Erfolgsspur gesetzt hat, spricht mit Désirée Schellerer über sein „Programm“.

Der gebürtige Wiener Peter Stöger begann seine erste Karriere als Fußballspieler bei österreichischen Vereinen. Mehrere Meistertitel – dreimal mit Austria Wien, einmal mit Rapid – und drei Cupsiege zählen zu seinen größten Erfolgen. 65 Mal spielte er im österreichischen Nationalteam. Im Jahr 2004 beendete er seine aktive Laufbahn als Fußballer. Im selben Jahr startete Peter Stöger seine zweite Karriere als Trainer. Mehrfach führte er die Wiener Austria zu Cupsieg und Meistertitel, zuletzt im Juni 2013. Seit Juli dieses Jahres ist Peter Stöger Trainer des 1. FC Köln – mit rasantem Erfolg: binnen kürzester Zeit übernahmen die Kölner in der 2. Fußball-Bundesliga die Führung.


Herr Stöger, gibt es für Sie einen Hauptarbeitsplatz oder gleich zwei – einen draußen am Fußballplatz und einen drinnen im Büro?
Ja, ich habe zwei Arbeitsplätze: mein Büro, das ich mit drei Kollegen teile, im Klubhaus direkt auf dem Trainingsgelände am Stadtrand von Köln. Und den Sportplatz. Unser Büro ist mit vier Schreibtischen mit PCs für unsere organisatorische Arbeit ausgestattet. Wichtig sind auch TV-Geräte, um Videoaufzeichnungen von Spielen ansehen und analysieren zu können. Hier im Büro finden auch unsere Trainerbesprechungen statt. Um strategische Überlegungen aufzuzeichnen, verwenden wir ein Flip Chart. Ich benutze es gerne auch als Reminder, damit ich wichtige Dinge am nächsten Morgen nicht vergesse.


Was schätzen Sie an diesen Arbeitsplätzen?
Im Büro das Tageslicht; am Sportplatz, dass er gepflegt ist.


Wie dürfen wir uns einen typischen Arbeitstag im Leben eines Fußballtrainers vorstellen?
Unterschiedlich. Es hängt davon ab, in welcher Phase des Jahres wir uns gerade befinden, ob Meisterschaft gespielt wird oder Vorbereitungszeit ist. Aber etwa so: Zwischen 8 und 8.30 Uhr komme ich in mein Büro. Wir besprechen die Trainingsvorbereitungen. 10 Uhr: Trainingsbeginn für die Mannschaft, technisches Training für ein bis eineinhalb Stunden. Danach Mittagessen mit der gesamten Mannschaft. Anschließend gibt es im Büro eine Besprechung in der Trainerrunde mit Feedback. Um ca. 15 Uhr dann eine zweite Trainingseinheit bis 16.30 Uhr. Um 17.30 Uhr Nachbesprechung. Abends habe ich oft Termine, um Nachwuchsspieler oder nächste Gegner zu beobachten.

Höhepunkt der Woche sind die Spiele am Wochenende. 2 bis 3 Stunden vor Spielbeginn findet meine "Strategie-Ausgabe" an die Mannschaft statt, wir essen gemeinsam und verbringen den ganzen Tag miteinander.


Mit wie vielen Leuten arbeiten Sie eng zusammen?
Es sind zirka 40 Personen: drei Trainer, 25 Spieler, fünf im Ärzte-/Physiotherapeuten-Team, fünf für Medien/Marketing und drei im Sport-/Finanzvorstand. Dazu kommen noch Journalisten.


Das aktuelle Thema unseres Magazins ist das Team: Wir fragen uns, warum jemand gern in oder mit einem Team arbeitet; welchen Reiz, aber auch welche besonderen Herausforderungen bedeutet es für Sie?
Die Arbeit mit Menschen muss Spaß machen. Jeder Tag ist eine Herausforderung: Mit 40 Personen zu tun zu haben, von denen jeder seinen eigenen Charakter hat und unterschiedliche Stimmungen – sie alle zusammenzubringen, auf sie einzuwirken und zu sehen, dass etwas greift, das ist etwas Besonderes und sehr reizvoll.


Sie sind erst seit ein paar Monaten Trainer beim FC Köln – und waren sofort sehr erfolgreich. Wie haben Sie sich auf Ihr Team eingestellt? Was meinen Sie braucht eine Mannschaft, um erfolgreich zu sein?
Die Kernaufgabe ist bei jeder Fußballmannschaft ziemlich ähnlich. Man hat mit jungen Menschen zu tun, die sportlich erfolgreich sein möchten und das Spiel gewinnen wollen. Ich selbst sehe mich nicht so sehr als Motivator. Die Motivation liegt bei jedem selbst. Ich versuche vielmehr klar zu machen, was es bedeutet, erfolgreich zu sein. Es geht um das sportliche Ziel, das man erreichen will. Das ist wichtiger als Geld und Anerkennung.


Wie schweißen Sie Ihr Team zusammen?
Zu Beginn der Saison ist es ganz wichtig, gemeinsam zu definieren, welches Ziel wir erreichen wollen. Für uns ist es der 1. Platz in der 2. Liga. Zu definieren ist auch der gemeinsame Umgang miteinander, und welche No Go´s es gibt. Niemand darf zum Beispiel sein Ego über die Mannschaft stellen. Oder: Internas bleiben in der Kabine.


Was zeichnet ein gutes Team aus?
Vertrauen, Respekt, Verantwortung. Vertrauen in sich selbst, in die Mannschaft und das Trainer-Team. Respekt – ein wertschätzenden Umgang miteinander. Verantwortung für sich selbst und in meinem Fall für den gesamten FC Köln mit seinen an die 300 Angestellten.


Wie geht man mit "Stars" in einem Team am besten um?
Genau gleich wie mit allen anderen.


Verraten Sie uns, wie Sie Ihr Team in kritischen Situationen motivieren? Angenommen, es ist Halbzeit-Pause und der FC Köln im Rückstand?
Dafür gibt´s kein Patentrezept. Es kommt ganz darauf an, wie die Stimmung ist. Manchmal muss man negativ kritisch sein oder lauter werden; manchmal Mut zusprechen und ruhig, wie ein väterlicher Freund auf die Spieler einwirken. Die Sachlichkeit sollte man jedoch nie verlieren.


Eine der größten Herausforderungen für einen Fußball-Trainer?
Zeit als fast nicht vorhandener Faktor. Jede Woche ist Bilanz: Haben wir gewonnen oder verloren? In dieser Realität ist es schwierig, langfristig zu planen.


Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?
Fußballschuhe. Davon habe ich immer nur ein Lieblingspaar, das ich solange trage, bis es auseinanderfällt.


Ihre liebste Tätigkeit in Zusammenhang mit der Arbeit?
Das Training am Platz.


Viel Erfolg und vielen Dank für das Interview.

Autor

Désirée Schellerer

Public Relations Manager

×

×
×