Personalities

Petra Jenner, Am Euro Platz 3, 1120 Wien

Arbeitswelten Bürotrends Interview New Working Environments

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren – und kaum jemand war mit solchen in den letzten Monaten derart massiv konfrontiert wie Microsoft-Managerin Petra Jenner. Für Nicole Kolisch der richtige Zeitpunkt, ihre Fragen an Petra Jenner zu formulieren.

"Wie gut, dass ich bei meinem Vorstellungsgespräch für Microsoft Österreich unser Büro nicht gesehen habe. Das wäre vielleicht ein Grund gewesen, sich’s anders zu überlegen", sagt Petra Jenner. Tatsächlich boten die alten Büroräumlichkeiten des Software-Spezialisten zwar viel Platz, der war aber "mäßig ansprechend und nicht kreativ genutzt". Zeit, das zu ändern, befand die neue Chefin und führte ihre knapp über 300 Mitarbeiter in einen Umbau, der getrost als Pionierarbeit in Österreich gelten kann. Wenn sie nun, nach geglücktem Change-Management, zur Schweizer Niederlassung wechselt, hinterlässt sie vor allem eines: einen Vorzeige-Raum für Kommunikation und Kreativität.


Im Rahmen des Umbaus haben Sie selbst Ihren fixen Arbeitsplatz im Haus aufgegeben. Wo arbeiten Sie zurzeit?
Ehrlich gesagt überall und nirgendwo. Ich hab mein Office da, wo ich halt bin. Also im wahrsten Sinne des Wortes "my office is where I am".


Was verbinden Sie mit dem Ausdruck "Neue Welt des Arbeitens"?
Also, ich könnte allein darüber schon eine halbe Stunde sprechen... Ich glaube, das Wichtigste, was mit der "Neuen Welt des Arbeitens" zu verbinden wäre ist, dass wir wirklich einen Platz der Begegnung schaffen, wo Menschen gerne hinkommen, um sich auszutauschen, miteinander produktiv zu arbeiten… und vor allen Dingen auch, dies nicht mehr als Pflichtübung ansehen. Ich gehe sozusagen zum Arbeiten, aber eben auch, um mich mit meinen Kollegen zu einem bestimmten Thema auszutauschen.


Wie erleben Sie das persönlich?
Als Führungskraft stellt mich "Das neue Arbeiten" vor eine ganze Menge neuer Herausforderungen. Das ist etwas, was wir nun schon seit einigen Monaten live miterleben – für meinen gesamten Führungskreis und mich sicherlich das größte soziale Experiment, das wir je initiiert haben. Aber es ist schon derart in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich mir kaum noch vorstellen kann, dass das mal anders war. Das geht relativ schnell.


Sind physische Arbeitsräume eigentlich noch von Bedeutung?
Ich denke, die Mischung macht‘s. Es gibt viele Arbeiten, die kann man wunderbar virtuell erledigen. Das haben wir in den letzten Monaten in unseren Interims-Räumlichkeiten schon erprobt – andere Aufgaben bedingen ein eher fixes Umfeld. Was aber immer wieder hochkommt, ist einfach das Bedürfnis sich untereinander persönlich auszutauschen. Und am Ende des Tages sind wir eben keine Roboter, sondern Menschen. Und demzufolge wird der persönliche Austausch immer wichtig sein. Welche Räumlichkeiten man für diesen Zweck vorfindet, entscheidet sehr darüber, wie man einander begegnet.


Das neue Office wird mit sehr viel unterschiedlichen Themen und Themenbereichen ausgestattet sein. Haben Sie da einen Platz, an dem Sie sich vorstellen können, besonders gerne zu arbeiten?
Wer davon weiß, dass meine Vorliebe Asien gilt, der weiß natürlich, dass der "Zen"-Raum vermutlich jener ist, den ich mir als einen der ersten anschauen werde. Dennoch: Ich glaube, dass alle Räume ihren Reiz haben werden, eben weil sie so unterschiedlich sind, auf verschiedene Arbeitssituationen zugeschnitten sind bzw. einfach unterschiedlichen Austausch ermöglichen. Um die Vielfalt geht’s! Wir bieten daher eine gute Balance für die Anforderungen des Arbeitsalltages.


Gibt es – abgesehen von dem neuen Office – einen Ort, an dem Sie gerne einmal arbeiten würden?
Ja, ganz sicher. Da hab ich schon ein ganz klares Bild vor Augen. Das wäre in meinem Haus am Meer. Wo es ist, weiß ich nicht, aber definitiv mit Blick aufs Meer. Das wäre mein Traum.


WLAN gibt es überall, IT ermöglicht Zugriff auf alle relevanten Daten, von daher…
Fehlt nur noch das Haus!


Und im Gegensatz dazu: Wo würden Sie nicht arbeiten wollen?
Da gibt es einige Plätze. Basierend auf meiner eigenen Erfahrung, könnte ich mir zum Beispiel schwer vorstellen, derzeit in den USA zu arbeiten. Und ich möchte nie wieder in Silos arbeiten, wo eine Bürozelle neben der anderen ist. Da kann sich zwar jeder seinen Bereich persönlich gestalten, aber Kommunikation wird dadurch nicht gefördert. Letztlich sind wir alle Menschen, die gern miteinander kommunizieren. Nur als Team sind wir wirklich stark.


Das heißt, Sie arbeiten lieber gemeinsam als alleine?
Ja, ich arbeite lieber mit Menschen, denn sonst dürfte ich meinen Job auch gar nicht machen. Wie sagt man so schön in meinem Job: Wer die Menschen nicht liebt, sollte besser keine Führungskraft werden. Ich arbeite sehr selten alleine, und wenn ich es tue, dann muss ich wirklich absolute Ruhe haben. Das kann ich in der Regel am besten zu Hause.


Wie wichtig ist für Sie Design am Arbeitsplatz?
Es sollte eine ansprechende Arbeitsatmosphäre geben. Das ist wichtig. Ich bin ein Mensch, der sehr visuell lebt. Und eine ansprechende Arbeitsumgebung hilft mir, mich persönlich auf das Wesentliche zu konzentrieren.


Gibt es bestimmte Rituale, die für Sie bei der Arbeit wichtig sind?
Natürlich. Menschen werden von klein auf mit Ritualen groß gezogen, und das zieht sich dann durchs gesamte Berufsleben. Eines meiner Rituale kommt zum Tragen, wenn ich sehr viele Termine hintereinander habe. Da nutze ich jede freie Minute inklusive diverser Wegzeiten, um mich auf den anderen Gesprächspartner, der mir dann begegnen wird, einzustimmen. Das hab ich mir irgendwie angeeignet vor einigen Jahren – und bei meiner Aufgabe ist das sehr wichtig geworden.


Sie gehen in die Schweiz, werden das neue Office also selber gar nicht mehr lange nutzen können. Welche Erfahrung nehmen Sie mit? Was wünschen Sie sich?
Ich wünsche mir, dass dieses Office, welches alleine vom Team gestaltet und geschaffen wurde, für alle zu einem Ort der Begegnung werden wird ; und hoffentlich auch zum innovativsten Büro Österreichs. Das ist mein größter Wunsch. Dafür haben wir das Projekt initiiert.


Die Erfahrung, die ich mitnehme, ist vor allen Dingen, dass sich der Glaube ans Team für mich wieder einmal bestätigt hat. Das Team ist einfach schlauer als jeder einzelne es jemals sein kann, und das ist für mich das Schönste an diesem Projekt. Auch in der Schweiz wurde das Büro zeitgleich umgebaut – auch dort werden wir "das neue Arbeiten" leben.

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