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Vom Beamen träumen

„Talk to the Future of Work“ – junge Menschen reden im Bene Idea Lab über die Zukunft der Arbeit

Neun Frauen und Männer unter oder zumindest um die Dreißig sitzen an einem heißen Sommerabend im klimatisierten Wiener Bene Idea Lab auf Holzhockern im Kreis und sprechen gemeinsam über die Zukunft der Arbeit. Gründer und Gründerinnen, Influencer, Managerinnen, alle bereits so erfahren im Arbeitsleben, dass sie wissen, wie es läuft, wie es laufen sollte und zumindest eine Ahnung davon haben, wie die (Arbeits-)Welt in zehn, zwanzig Jahren ausschauen könnte. Künstliche Intelligenz, Roboter, Dynamik, unstetes Arbeitsleben, veränderte Ansprüche an Führungspersonen oder an sich selbst, sowie Sinn und Zweck der Arbeit, zusammengefasst mit Purpose, Berufung, sind so die Themen des Zwei-Stunden-Talks. Empathie ebenfalls.
Sie alle kennen die Strukturen des Arbeitsmarkts. Soziale Gerechtigkeit ist ihnen wichtig. Und das bedeutet nicht bloß Mitleid mit dem Uber-Fahrer, der gerade eine Teilnehmerin zu der Veranstaltung gebracht hat. Oder den Kollegen im Warenlager.

„Die schwere Arbeit werden künftig Roboter machen“, sagt Sophie Breuer, die bei Nespresso im Bereich Logistik viel Verantwortung hat, in der ersten Aufwärmrunde. „Bandscheibenprobleme wird es dann weniger geben. Auch die Zustellung wird eines Tages autonom erfolgen.“
„Gerade die Logistik ist ein klassischer Bereich, den wir durch Roboter leicht automatisieren können“, pflichtet Max Mariel, Co-Gründer der Softdrink-Marke Hakuma, ihr bei. Künstliche Intelligenz werde in der Verwaltung eine immer wichtigere Rolle spielen. Allerdings ist das nicht so einfach wie oft angenommen. Virginia Ghobrial von influence.vision erzählt, dass die Plattform, die Influencer mit Unternehmen zusammenführt, ursprünglich als kompletter Selbstläufer gedacht war, bei der alles automatisch funktioniert. „Es hat sich aber gezeigt, dass die persönliche Komponente sehr wichtig ist“, sagt Ghobrial. „Und die kann ein Roboter nicht lernen.“
Das Menschliche scheint überhaupt ein großes Thema zu sein, wenn es um die Zukunft der Arbeit geht. Cozyo, das Unternehmen, das Matthias Urschler gegründet hat, arbeitet daran, Visualisierungen und Renderings zu automatisieren. „Ich glaube aber, dass das nicht komplett automatisch ablaufen wird“, sagt Urschler. „Was macht man mit den Leuten, deren Job es heute noch ist, Visualisierungen zu erstellen?“ Wichtig für ihn ist, Leute anzustellen, die besser seien als man selbst. „Mit denen kann man echt etwas aufbauen.“

Der Mensch zeichnet sich durch seine Vielseitigkeit aus. Eine Maschine kann immer nur spezielle Aufgaben erfüllen.

Lukas Holter vom Campaigning Bureau  

 

Das gelte natürlich auch für Führungsqualitäten: „Es ist wichtig zu wissen, wer die Entscheidungen trifft, wer die Verantwortung trägt. Es wird immer Menschen brauchen, die ganz klar in der Führungsverantwortung sind. Vielleicht bin ich naiv und träume immer noch vom Beamen. Aber es wird immer einen Raum brauchen, wo Menschen physisch zusammenkommen.“

„Jede Struktur ist besser als gar keine Struktur“, sagt Pierre Haarfeld von der B2B-Plattform nuucon„Bei meiner ersten Gründung hatte ich noch die naive Vorstellung, ich würde immer derjenige sein, der die Entscheidungen trifft.“
„Hierarchien wird es weiter geben, irgendwer muss Entscheidungen treffen“, sagt Svenja Schröder, die in einigen Unternehmen Erfahrung gesammelt hat, bevor sie 2017 die Kaffeedrink-Firma Kaffeetschi gegründet hat. „Aber das muss nicht zwangsläufig immer dieselbe Person sein. Hier wird es mehr Flexibilität geben. Die Ausbildung, das Alter, wie lange jemand schon im Unternehmen ist, das ist alles nicht mehr so wichtig.“

Gefragt nach dem Sinn der Arbeit ist sich die Runde schnell einig: „Purpose und gute Kollegen“, fasst es Anne Juliane Wirth von Kununu zusammen. Der Blogger und Influencer Manuel Vogelsberger (meanwhileinawesometown) merkt immer mehr, dass ihm im Home Office der persönliche Austausch abgeht, das Ideen austauschen, gemeinsame Überlegen, die soziale Komponente. „Podcasts zu hören, während ich Bilder bearbeite, ersetzt das nicht. In Zukunft mag ich vielleicht wieder mehr mit Leuten arbeiten. Wertschätzung ist das Um und Auf.“

 

Weitere Informationen: futureofwork.bene.com

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Matthias Urschler, Cozyo


Sophie Breuer, Nespresso Österreich


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