Architektur & Design

Von R2-D2, C-3PO – und warum Star Wars bis heute fasziniert

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Haben Sie auch schon mal Darth Vader imitiert? Oder einen Kampf mit Lichtschwertern simuliert? Keine Angst, sie sind nicht allein: Star Wars hat Generationen von Menschen inspiriert und ist zu einem festen Bestandteil unseres kulturellen Referenzsystems geworden. In diesem Artikel versuchen wir, dem Design der Saga auf die Spur zu kommen.

Wohl kaum ein Film hat Generationen von Menschen so fasziniert wie die Star Wars Saga von George Lucas. Sowohl visuelle, als auch sprachliche Referenzen sind feste Bestandteile unseres kulturellen Codes geworden, für manche scheinen die Filme sogar die Grenzen zwischen Fiktion und Realität zu sprengen: Wie sonst ist es zu erklären, dass bei einer Volkszählung in Großbritannien im Jahr 2011 fast 300.000 mündige Bürger unter Religion "Jedi" angaben? Oder dass 30.000 Unterzeichner die US-Regierung 2012 in einer Petition dazu aufforderten, einen "Todesstern" zu bauen? (Keine Angst, die Anfrage wurde von der Administration mit Humor und augenscheinlich tiefgehender Kenntnis des Star Wars Referenzsystems offiziell abgelehnt). Vielleicht liegt der Grund für den Erfolg von Star Wars in seiner spannenden, wenn auch reichlich trivialen Geschichte, in der gute Helden, ein sehr böser Imperator, eine Prinzessin und ein goldener Bikini eine tragende Rolle spielen. Vielleicht kommt der Erfolg daher, dass wir im Grunde unseres Herzens alle gerne Jediritter wären (Stichwort Lichtschwert!). Eventuell ist der Schlüssel für die anhaltende Faszination aber auch im Design der Sage zu finden. Und diesem Ansatz wollen wir im Folgenden auf den Grund gehen.


"That’s no moon. It’s a space station" Obi-Wan

Wie jedes Werk der Science Fiction will auch Star Wars ein möglichst überzeugendes und in sich schlüssiges Universum erschaffen und benötigt für dessen Beschreibung eine Menge unterschiedlicher visueller Codes. Diese Vielfalt der Darstellungsformen ist bereits ein zentrales Element im Design der Saga: keineswegs ist das gesamte von Lucas entworfene Universum eine homogene, hochtechnologische, silberglänzende Zukunftsvision. Vielmehr werden von archaischen, kriegerischen Stämmen über funktionelle Roboter bis hin zu einer Stadt in den Wolken die unterschiedlichsten Welten und deren Bewohner imaginiert.

Zu den architektonischen Highlights des Epos gehört sicherlich Coruscant: Die Hauptstadt der Alten Republik wirkt wie eine Mischung aus New York, Kuala Lumpur und Kairo. Zudem ist Coruscant eine Metropole ohne Grenzen, sie umspannt den gesamten Planeten. Die gesamte Welt als Stadt: eine Idee, die sich schon in den 1960er Jahren beim griechischen Städteplaner Konstantin Doxiadis, aber auch bei dem Science Fiction Autor Isaac Asimov findet und von George Lucas visuell umgesetzt wurde.

Ein ebenso beeindruckender Entwurf sind die Sandkriecher der Jawas. Die riesigen, rostigen Vehikel ziehen über die ewigen Wüsten des Planeten Tatooine und haben auch in der Architekturgeschichte bereits ihre Spuren hinterlassen. Die polygonale Fassade der von Rem Kohlhaas entworfenen "Casa de Musica" erinnert ebenso an die Sandcrawler wie ein Hotelkomplex in Tunesien.

Star Wars-Kompetenz bewies Rem Kohlhaas auch mit einem Entwurf für die "Waterfront City" in Dubai. Eines der Elemente des Ensembles in Form einer enormen Kugel könnte nämlich eine Referenz an den so genannten Todesstern sein, der in Star Wars als Zentrum und gleichzeitig Symbol des Imperiums fungiert (und natürlich seinerseits Anleihen an der utopischen Revolutionsarchitektur von Étienne-Louis Boullée oder Claude-Nicolas Ledoux aus dem 18. Jahrhundert nimmt.

Die reduzierte, klare und primordiale Form des Death Stars vermittelt die unfassbare Größe und Macht der Raumstation, die strenge Symmetrie und die minimalistische Farbgebung des Kolosses unterstützen diese Absicht. Bei näherer Betrachtung offenbart sich eine zerklüftete Oberfläche mit scharfen, teils bröckelnden Kanten. Die rigorose Form und die Härte der Konstruktion suggerieren eine hermetisch abgeschlossene Welt, in der alles der Autorität der Macht untergeordnet ist: Am Todesstern ist kein Platz für persönlichen Raum oder Privates, hier herrscht ständige Kontrolle.


"She's the fastest hunk of junk in the galaxy!" Han Solo

Im Gegensatz dazu steht das Design des Millenium Falcon: Han Solos Raumschiff wirkt abgenutzt und heruntergekommen. Nicht alles funktioniert, das meiste ist rostig und improvisiert, und überhaupt wirkt es so, als wären die einzelnen Bestandteile aus den unterschiedlichen Ecken und Enden der Galaxie zusammengetragen (oder eher: gestohlen) worden.

Im Design des Millenium Falcon offenbart sich eine weitere Besonderheit des Universums von Lucas. In vielerlei Hinsicht wirkt die Zukunft, die der Regisseur entwirft, veraltet, ein wenig schäbig und irgendwie "von gestern". Staub, Rost und Ruß sind feste Bestandteile der Galaxie von Star Wars, genauso wie hier neben Helden und Imperatoren auch Schmuggler, Eremiten, Lumpensammler und andere marginale Gestalten ihren Platz finden. Durch dieses gekonnt inszenierte Durcheinander, in dem Alkohol, Glücksspiel, Flirt und Zank neben Heldenmut stehen und das Raumschiff auch mal fehlzündet, entsteht eine Welt, die zwar an allen Ecken und Enden rostet, aber gleichzeitig auf paradoxe Weise sympathisch ist.


"I am C-3PO, human-cyborg relations. And this is my counterpart R2-D2" C-3PO

Elementarer Bestandteil der Galaxien sind auch jene Maschinen, die in der menschlichen Vorstellungskraft schon seit dem frühen 20. Jahrhundert einen ganz besonderen Platz einnehmen: die Roboter. Die absoluten Favoriten vieler Fans sind der tonnenförmige R2-D2 und sein humanoider, goldener Freund C-3PO, die mittlerweile auch in der so genannten "Robot Hall of Fame" zu internationalen Ehren gekommen sind.

R2-D2 verfügt als Astromechdroide über sehr versierte Fähigkeiten, ist Mechaniker und Navigator, kann riesige Mengen an Daten speichern und verarbeiten, bei Bedarf fliegen, Hologramme wiedergeben, sich in fremde Computersysteme einloggen oder Feuer löschen. Sein Design ist vor allem funktional, er ist klein und kompakt, und die Metallhülle schützt seine vielfältigen Instrumente. Liebenswert macht ihn vor allem sein etwas unbeholfener Passgang und seine zwar kindlichen, aber durchaus expressiven Piepstöne.

C-3PO ist ganz nach menschlichem Vorbild gestaltet und verfügt auch über einen überaus humanoiden Charakter: Dem Protokolldroiden gehen Etikette und britische Höflichkeit über alles, er ist zwar ängstlich, penibel und affektiert, aber ein loyaler Freund. Auffallend an C-3PO ist eine gewisse Ungelenkheit, die in Hinblick auf seine überentwickelten intellektuellen Fähigkeiten – der Droide beherrscht über sechs Millionen Sprachen oder "Kommunikationsformen" – eigentlich überrascht: er kann seine Arme nicht ganz durchstrecken, sein Gang ist schwankend und die unvollkommene Metallhülle legt einen Teil seines Innenlebens bloß.

C-3PO und R2-D2 sind deshalb so populär, weil sie dem Bild entsprechen, das sich ein Mensch von einer automatisierten Maschine am liebsten macht: Sie sind dem Menschen ähnlich, ästhetisch ansprechend, kennen Emotionen und zeigen Loyalität. Ihr Aussehen ist nicht das von furchterregenden Maschinen, vielmehr sind sie Kopien von Menschen mit kleinen Unstimmigkeiten, die sie umso liebenswerter machen. Vielleicht die wichtigste Eigenschaft ist allerdings ihre Dienstbarkeit - nur zu gern helfen sie ihren menschlichen Erbauern.


"These are not the droids that you are looking for" Obi-Wan Kenobi

Filme wie Star Wars verwenden Elemente aus der Mythologie, Geschichte oder Kunst, die sie mit neuen Bausteinen kombinieren um ein eklektisches, aber dennoch innovatives Ganzes zu schaffen. Die Liste von visuellen, literarischen oder architektonischen Werken, die George Lucas als Inspiration für seine Saga dienten, ist lang und kann kaum vollständig erörtert werden. Neben Stanley Kubricks "2001 – A Space Odyssee" gehören sicher die Filme von Akira Kurosawa und Fritz Lang dazu. Urvarianten des surrenden Lichtschwerts kann man beim Science Fiction Autor Isaac Asimov, aber auch in der Star Trek Serie finden. Yoda erinnert ein wenig an Einstein, und Darth Vaders Kostüm vereint Elemente einer Samurairüstung mit solchen der berüchtigten SS-Uniform.

Star Wars hat aber auch umgekehrt unzählige Menschen inspiriert und wohl auch beim einen oder anderen Interesse an Technik und Gestaltung geweckt. Der Designer Johannes Scherr gesteht: "Grundsätzlich war für mich Sience Fiction generell und Star Wars im Speziellen der Impuls, Design zu studieren. Star Wars hat Dinge geschaffen, die es noch nicht gab, hat diese aber so inszeniert und visualisiert, dass sie in den Köpfen der Betrachter real wurden. Das ist ein Motor für Innovation."

Auch Generationen von Kindern hat Star Wars für Technik, Innovation und Robotik begeistert. Humanoide Roboter wie C-3PO sind in der Forschung zwar eher experimentelle Einzelstücke, mittlerweile können aber auch Industrieroboter bereits viel mehr als nur Fließbandarbeit leisten. Die Wiener Plattform Rob|Arch hat es sich beispielsweise zum Ziel gesetzt, den Austausch zwischen Architekten, Designern und der technischen Industrie zu fördern, und Robotertechnik auch der Kreativindustrie zugänglich zu machen. Industrieroboter helfen, so Johannes Braumann und Sigrid Brell-Cokcan, Produktionsprozesse effizienter und vor allem individueller zu gestalten und können sowohl Designern als auch Architekten einiges an Arbeit abnehmen. Zudem wird die Programmierung der Roboter zusehends einfacher und ihre Anwendungsgebiete breiter.

Trotzdem ist man in der "realen" Welt noch lange nicht bei der fast menschlichen Intelligenz der Star Wars-Roboter angelangt. Als Inspiration für die Robotik hat Star Wars übrigens kaum gedient, wenn auch einige Serviceroboter visuelle Anleihen an ihren Verwandten aus der Science-Fiction Saga nehmen: Allen voran der von Aldebaran entwickelte NAO Robot, der seine Wurzeln auch in einer beeindruckenden Star Wars Imitation beweist.


"Always in motion is the future" Yoda

Als Fazit weise Worte von Meister Yoda, vom Londoner Designer Luke Pearson, PearsonLloyd, leicht paraphrasiert: "Star Wars hat die Zukunft mit einer gewissen historischen und kulturellen Bedeutung versehen. Science Fiction war immer polarisiert, entweder ging es um utopische Ideale und technischen Fortschritt oder die Zerstörung von Zivilisationen. Star Wars hat diese Ansätze miteinander kombiniert. Die Maschinen waren nicht nur blank und glänzend, sondern auch kaputt, was das Ganze sehr glaubhaft gemacht hat. Einige Kulturen waren primitiv, haben aber mit höher entwickelten zusammen gelebt. Es war erdig und cool."

Tatsächlich weist das Design von Star Wars Unstimmigkeiten und kleine Fehler auf - warum sonst gibt es in diesen schnittigen Raumschiffen beispielsweise keine Sitzgurte? George Lucas hat aber eine Welt erschaffen, die vielleicht nicht die beste, glänzendste aller Welten ist, aber zumindest die beste, wenn auch staubige, aller möglichen (Parallel)welten.

Autor

Angelika Molk

Corporate Marketing Manager

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Claude-Nicolas Ledoux, 1789


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R2-D2 und C3PO goPARCS

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