Whatchado Office, Vienna

Personalities

Ali Mahlodji, Paulanergasse, Wien

Interview Start-Up Wien

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal befragen wir Ali Mahlodji, den Gründer und CEO der Online-Plattform WHATCHADO. Im Gespräch mit Angelika Molk erzählt er von seinem eigenen wilden Werdegang, den Zickzack-Lebensläufen und den Spielregeln im Start-Up Büro.

Bei WHATCHADO erzählen Leute von ihrer Arbeit. Ein Thema, das dem in Teheran geborenen CEO der Gruppe, Ali Mahlodji, augenscheinlich am Herzen liegt, hat er doch selbst schon praktisch überall gearbeitet: Nach einer Lehre zum Maurer und Zimmerer ließ er sich zum Softwareingenieur ausbilden und war als Berater für IT Großprojekte bei der Siemens AG tätig. Später baute Mahlodji das technische Sales-Team von Sun Microsystems auf und war beim Mikromischkonzern Super-Fi aktiv. Seit 2010 beschäftigt er sich mit WHATCHADO, einer Plattform, auf der den unterschiedlichsten Gesprächspartnern (unter denen sich der österreichische Bundespräsident genauso findet wie ein Konditorlehrling oder ein Glasharfenspieler) in Vier-Augen Interviews immer dieselben sieben Fragen zu ihrem Beruf und Werdegang gestellt werden. Diese Lebens- und Karrieregeschichten sollen jungen Menschen bei der Berufswahl helfen und Firmen nach außen präsentieren. Das Projekt wurde bereits mit mehreren internationalen Preisen ausgezeichnet.
 

Sie haben lange in der IT-Branche gearbeitet, jetzt sammeln Sie für WHATCHADO Lebensgeschichten – was ist das Interessante daran, von den "Big Names" ins Start-Up Business zu wechseln?
Bei großen Firmen ist es eher so, dass sich die Mitarbeiter an das Büro anpassen müssen. Beim Start-Up baut man das Büro um die Menschen herum: Ich bin von meinen Mitarbeitern abhängig, weiß, wie sie performen und wie sie am besten arbeiten. Für WHATCHADO hab ich aus all den Arbeitswelten, die ich kennengelernt habe, das Beste genommen, aber schon auch klare Spielregeln eingeführt. Zwischen 10 und 16 Uhr herrscht im Büro z.B. der "silent mode", d.h. wir halten den Lärmpegel so niedrig wie möglich und kommunizieren über den internen Chat. Was ich in der "alten Welt" sonst noch gelernt habe ist, dass man die besten Ergebnisse bekommt, wenn man den Leuten klare Ziele vorgibt und sie dann einfach machen lässt. Mitarbeiter kommen zu einem Start-Up, weil sie sich einbringen wollen, sie brauchen Spielraum, um sich zu entfalten und auszuleben.


Mittlerweile gibt es auf WHATCHADO mehr als 1000 Stories. Was sind so die klassischen Werdegänge der Leute? Gibt es überhaupt noch so etwas wie einen "klassischen" Werdegang?
Beim Werdegang hören wir sehr oft, dass die Leute das, was sie tun durch einen Zufall machen, d.h. ein paar Jahre vorher hätten sie sich das nie gedacht.

Die interessantesten Mitarbeiter in einem Unternehmen sind eigentlich immer diejenigen mit diesen "Zickzack"-Lebensläufen. Mittlerweile ist so etwas gang und gäbe, wird aber nach außen nicht kommuniziert. Natürlich gibt es Jobs, für die man einen Fachmann braucht, aber nicht jeder der Medizin studiert, muss auch Arzt werden. Das ist noch sehr stark in den Köpfen der Menschen. Sicher ist es nicht schlecht, eine spezielle Ausbildung zu haben, aber Studien zeigen, dass die Leute die Stelle heutzutage mehrmals wechseln, es bleibt ja oft nicht beim ursprünglich geplanten Job. Für viele neue Stellen gibt es ja noch nicht mal eine passende Ausbildung.


Was denken Sie sind die wichtigsten Voraussetzungen, um den richtigen Beruf zu finden, und dann auch damit zufrieden zu sein?
Sich selbst fragen, was einem taugt und viel wichtiger, was einem nicht taugt. Ausprobieren, und nicht warten, bis der richtige Job kommt. Der Traumjob ist oft ein Beruf, den man als Jugendlicher noch gar nicht kannte, oder für den es noch gar keine Ausbildung gibt. Die Leute sollten mehr auf sich selbst hören, was ihnen Spaß macht, was ihnen als Kind Spaß gemacht hat. Und wenn einen etwas interessiert, sollte man sich nicht davon abschrecken lassen, dass man damit vielleicht "kein Geld verdienen" kann. Wir leben in einer Welt, in der alles möglich ist, nur weiß das keiner.


Was bedeutet "Büro" für Sie?
Ich glaube nicht, dass der Mensch dazu gemacht ist, von 8 bis 17 Uhr im Büro zu sitzen.Im Büro bist du nicht unbedingt produktiver, das bist du, wenn du dich bewegen kannst, herumrennst. Steve Jobs hatte seine besten Ideen auch beim Spaziergang mit den Top-Executives. Es gibt aber natürlich unterschiedliche Tätigkeiten, die Kopfarbeit, das eigentliche Tun, das Sachbearbeiten, und für viele dieser Arbeiten braucht man momentan noch ein Büro. Wichtig ist, dass dieses Büro unterschiedliche Arbeitsräume anbietet, Ruheräume, Stehplätze und so weiter.


Wie würde Ihr Traumbüro aussehen?
Ich brauche viel Bewegung und kann nicht immer am gleichen Platz sitzen, daher will ich ein flexibles Büro. Am besten wäre ein fahrbarer Untersatz, ein kleiner Minivan mit Lagerfläche, mit einem Tisch zum Rumsitzen und Diskutieren. Damit könnte ich dann immer dorthin fahren, wo ich gerade arbeiten will. Und das Dach sollte man aufmachen können, wenn die Sonne da ist, und wieder zumachen, wenn man in Ruhe arbeiten will.


Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus? Gibt es viele persönliche, private Gegenstände oder ist Ihr Büro rein funktional?
Unser Büro ist ein großer, langgezogener Raum mit Sitzinseln, Stehtischen, Rückzugsräumen und einer Dachterrasse. Persönliche Sachen hab ich keine da, eigentlich nur Sachen, die man zum Arbeiten braucht und dann noch ein persönliches Andenken. Wenn du in ein Büro reinkommst, darfst du nicht merken, wer der Chef ist – so ist es bei uns. Ich sitze genau gleich da, wie die anderen und behandle meine Leute wie sie sind, nämlich individuell anders.


Ist das Büro für Sie ein Ort der Inspiration, der Kreativität?
Wenn sich das Büro ab und zu verändert, und man sich selber auch, dann kann es schon ein Ort der Kreativität sein. Ich setze mich immer woanders hin, und das funktioniert für mich. Die meiste Inspiration hol ich mir aber außerhalb, wenn ich mit Leuten spreche, die gar nix von uns wissen oder wenn ich irgendwas sehe. Du kannst drei Rutschen ins Büro stellen und eine Schaukel, aber nach zwei Wochen bemerkt das sowieso keiner mehr. Die Besucher sehen das, die X-Box, die Hängematte, aber die Mitarbeiter sehen die "Spielzeuge" gar nicht mehr. Langfristig macht das keinen Spaß und bringt auch nichts.


Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?
Mein schwarzes Notizbuch. Da drin finde ich alles, was ich brauche, und da drin ist auch ein Foto von mir und meinem WHATCHADO-Partner als wir 15 waren.


Vielen Dank für das Gespräch!
 

 

 

Autor

Angelika Molk

Corporate Marketing Manager

Weitere Informationen

Ali Mahlodji, Whatchado


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