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Atlas der abgelegenen Inseln

Kultur Lebensraum Literatur

Inseln üben seit jeher eine besondere Anziehungskraft auf den Menschen aus – ihre Abgelegenheit macht sie zur idealen Projektionsfläche für menschliche Sehnsüchte, ihre klar abgeschlossene Form zum perfekten Schauplatz für Utopien und zu einem lebenden Laboratorium der Naturwissenschaften. In ihrem "Atlas der abgelegenen Inseln" nimmt sich die Autorin und Typografin Judith Schalansky fünfzig Eilande vor, die sie selbst nur mit dem Finger auf der Landkarte besucht hat.

Wer glaubt, dass solche Geschichten von den Rändern der Welt ausschließlich von paradiesischen Stränden und poetischer Einsamkeit handeln, der irrt. "Das Paradies mag eine Insel sein. Die Hölle ist es auch" meint die Autorin, und nachdem man diese Geschichten gelesen hat, kann man ihr nur zustimmen.

Historische Begebenheiten und naturwissenschaftliche Berichte verknüpft Schalansky zu wundervoll merkwürdigen Miniaturen, die von verrückten Entdeckern, seltenen Tieren und bizarren Begebenheiten handeln. Da geht es um verlassene Forschungsstationen, Kannibalismus und selbsternannte Könige genauso wie um meuternde Matrosen und strafversetzte Beamte.

Ergänzt werden die Texte von kartographischen Darstellungen der Inseln, die sich die abgelegenen Gegenden auf genauso eigenwillige Art aneignen, wie es die Anekdoten tun.

Alles in allem ist dieses Buch ein weiterer Beweis dafür, dass die schönsten Reisen immer noch im Kopf stattfinden – und bietet perfekte Lektüre für müßige Stunden.

Autor: Judith Schalansky
Verlag: mare


  

  

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