Artikel von: Barbara Jahn

Trends

Sympathie auf den ersten Blick

Materialien, die man auswählt für die Umgebung, in der man arbeitet und lebt, gelten als Spiegel der Seele. Die einen lassen völlig kalt und wirken unnahbar, halten auf Distanz und erzeugen klare Grenzen. Die anderen laden ein und strahlen Wärme aus, wollen berührt werden und bringen harmonische Ausgewogenheit in den Raum. Zu dieser zweiten Gattung gehört unbestritten der Werkstoff Holz, der mehr und mehr nachgefragt wird - sowohl im Privatbereich als auch im Office.
 

Magie der Faser

Was aber ist es eigentlich genau, was an Holz so faszinierend ist? Sicher nicht nur die Vielfalt der Natur, die mit ihren unterschiedlichen Maserungen, Wuchsformen und Holzarten eine schier unerschöpfliche Palette an Gestaltungsmöglichkeiten anbietet, sondern auch der Gedanke an Natürlichkeit und gewachsener Schönheit, wertvolle Ressourcen und gelebte Nachhaltigkeit sowie Geborgenheit und Solidität. All das vereint Holz in sich, ein nachwachsendes Wundermaterial, das nie aufhört lebendig zu sein und seinesgleichen sucht. Kein Wunder also, dass sich der Mensch seit der Erfindung des Sägeblattes mit natürlichen Elementen umgeben will. Die letzten Jahre richtete man sich eher „holzarm“ ein: Der Charme eines gemütlichen Zuhauses blieb vielerorts auf der Strecke, strengem Purismus weichend. Doch die Menschen haben genug von unverwüstlichen Kunststoffmöbel aus der Spritzgusspresse und dem dann doch gar nicht so umweltfreundlichen Aluminium - sie wollen wieder zurück zu den vertrauten Wurzeln. Ein Trend, der sich immer mehr auch in modernen Bürowelten widerspiegelt.
 

Historisch gewachsen

Holzmöbel, so sehr sie im Laufe der Jahrhunderte auch kunstvoll bearbeitet und inszeniert wurden, blieben lange Zeit eine starre und eher gewichtige Angelegenheit. Vom Bauernschrank bis zur barocken Kommode, vom vulgären Schemel bis zum prächtigen Thronsessel hinterließen sie alle den Eindruck der Schwere und Immobilität, die das Gefühl der absoluten Inflexibilität hervorrufen und damit die Freude über ein solches Möbelstück trüben konnten. Mit dieser gnadenlosen Unverrückbarkeit brach erst Michael Thonet, ein Tischlermeister mit erster eigener Werkstatt im deutschen Boppard am Rhein, der die Bugholztechnik erfand und sich damit einen Riesenerfolg an die Fahnen heften darf.

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