Personalities

Der persönliche Raum: Claus J. Raidl zum Thema Verhandlungsraum

Management Interview Arbeitswelten

Lange Tische in Rechtsanwaltskanzleien illustrieren die Distanz zwischen zwei Parteien, das Hinterzimmer des italienischen Restaurants in Chicago lässt ahnen, dass da noch mehr im Verborgenen ruht, und Ken Adams´ Entwurf für die Kulisse des War Room in Stanley Kubricks Film "Dr. Strangelove" hat sich in den Köpfen der Menschen als Bild für einen Raum, in dem Entscheidungen fallen, die die ganze Welt betreffen, derartig festgesetzt, dass Ronald Reagan nachgesagt wurde, er wäre unmittelbar nach Amtsantritt auf der Suche nach diesem – nur als Kulisse existenten – Raum gewesen.

Claus J. Raidl braucht keine großen Inszenierungen für Verhandlungen, er ist auch so einer der erfolgreichsten Manager Österreichs.

Mit dem steirisch-schwedischen Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm, seit 10 Jahren börsennotiert und seit 2003 vollprivatisiert, wurde aus dem ehemaligen ÖIAG-Betrieb ein hochprofitables Vorzeigeunternehmen geschaffen.

Vorstandsvorsitzender Claus J. Raidl kann also meistens vergnügt mit attraktiven Zahlen aufwarten, wenn er sich in einen Verhandlungsraum begibt, dennoch gibt es eine Grundanforderung:
Nach Möglichkeit setzt man sich in einem Raum an einen Tisch, der nicht niederschmetternd oder deprimierend, schlecht beleuchtet oder gar mit braunen Tapeten ausgeschlagen ist.

Als seit 1981 in staatlichen und halbstaatlichen Unternehmen tätiger Vorstand hat er wohl so manches gesehen. Durch die internationale Tätigkeit des Konzerns finden Gespräche an verschiedensten Orten statt.

"Ein guter Raum ist ein gut erreichbarer Raum. Auf halber Strecke, etwa zwischen Brasilien und Europa, an einem reisetechnisch günstig gelegenen Ort, eventuell gleich am Flughafen.
Denn ich habe nichts vom tollsten Verhandlungsraum, wenn ich ihn nur umständlich und mit Zeitaufwand erreiche." Technische Facilitäten sind ihm wichtiger als ein "Feng Shui Brunnen und ein Pflanzerl".

Mitten in einer Metropole gelegen kann ein Raum eine willkommene Dynamik haben, aber ein Raum, da ist sich Raidl sicher, determiniert niemals das Verhandlungsergebnis.

Das Leben ist eben nie wie im Film.

  

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