Personalities

Der persönliche Raum: Laurids Ortner zum Thema expandierender Raum

Räume Architektur

Die Kunstszene der 60er Jahre in Wien war prägend, nicht nur für die kulturelle Entwicklung Österreichs, sondern auch von internationaler Bedeutung. In der Architektur wurde Neuland betreten, von dem aus man gerne auch ein wenig auf anderes neues Terrain schielte, das zu dieser Zeit zum ersten Mal betreten wurde, der Mond. Sci-Fi-Fantasien bestimmten die Ästhetik und brachten wieder so etwas wie Zukunftsgedanken, die weit jenseits der Gegenwart lagen, in die Architektur ein.

Laurids Ortner, Manfred Ortner und Günther Zamp Kelp dachten als Haus-Rucker-Co vor allem auch über gedankliche Räume nach.
"Der Mind-Expander, den wir als Haus-Rucker-Co Ende der 60-iger Jahre herstellten, war ein eher unförmiges Gerät. Eine Sitzschale für zwei Personen mit herunterklappbarer Haube. Die Basis dieser Haube bildete eine Plexiglaskuppel, über der sich ein luftgetragener Folienballon wölbte. Verschiedene Musterteile aus blauen und roten lichtreflektierenden Folien waren so auf die beiden Ebenen von Plexiglas und Folienhülle geklebt, dass sich für die zwei Personen beim Schauen ein überlappendes Muster ergab, das je nach Fokussierung vor und zurück sprang. In einer Zeit, in der das umfassende Experimentieren mit heißen halluzinogenen Drogen erst begann, wollten wir Apparate zur 'kalten' Bewusstseinserweiterung schaffen. Ein Pendant zur damals beginnenden Eroberung des Outer-Space: die Erschließung des Inner-Space der persönlichen Wahrnehmung durch technische Mittel."

Heute haben Laurids und Manfred Ortner mit ihrem Büro Ortner&Ortner Baukunst zu einigen wesentlichen Bauvorhaben beigetragen, die in Europa in den letzten Jahren realisiert wurden, etwa durch das von ihnen geplante Museumsquartier in Wien oder dem Shopping-Komplex "Alex Berlin". Zum rein pragmatischen Umsetzer von Großprojekten zu werden läuft Ortner dennoch nicht Gefahr: "Waren die Apparate, die wir damals konstruierten, auch optisch als utopische Objekte gedacht, so versuchen wir heute durch unsere Bauten eine Atmosphäre zu erzeugen, die die Stimmung seiner Nutzer subtil beeinflusst. Die Architektur sieht dabei fast normal aus, erweist sich aber in allem geringfügig verschoben zu bekannten Bildern. Dabei kann jener magische "Suspense" aufkommen, der den Betrachter in eine Zwischenschicht hineinzieht, die sich wegen ihrer fast unmerklichen Verschiebungen fremd und rätselhaft zeigt."

  

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