Personalities

Der persönliche Raum: Martin Bergmann/EOOS zum Thema ‘Poetischer Raum’

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Insofern verwundert es wenig, wenn ein baumlanger, kräftiger Osttiroler wie Martin Bergmann davon spricht, dass Orte durch das Zelebrieren und die Durchführung von Ritualen poetisch aufgeladen werden und somit Räume durch eine steigende und sinkende Poesiekurve beschrieben werden können.

Die Stoffe, aus denen EOOS die nicht messbare Qualität von Poesie schaffen wollen, sind oft ebenso wenig greifbar.

Licht, mit dem man laut Bergmann arbeiten kann wie mit Wänden und dem Nebel, den EOOS für die a1 lounge auf der Wiener Mariahilferstraße eingesetzt haben, wo eine sequenziell von Nebelschwaden belebte Fassade das Gefühl von Transzendenz vermittelt.

Ein weiterer Faktor für die Poetisierung des Raumes ist die Transformation: "Verschiedene Aggregatszustände für verschiedene Bedürfnisse, ein Raum, der sich adäquat verändert, Räume sollten eine Qualität wie die Tag- und Nacht-Seite eines Objektes haben. Räume sind wie Werkzeuge, die der Mensch verwenden kann, um seine Bedürfnisse zu realisieren."

Räume mit dieser poetischen Kraft sind für ihn etwa die Kirchenschiffe des Stephansdoms in Wien, der Markuskirche in Venedig oder des Doms in Krakau. Nur bei dem, was dort traditionellerweise an Ritualen stattfindet sehen EOOS eine Wandlung: "Rituale werden zunehmend aus dem sakralen Kontext in die Konsumkultur verschoben. Das bedeutet eine neue Verantwortung für Designer und Unternehmer gegenüber der Gesellschaft."

Ein anderer Raum, der diese berührende Werkzeug-Qualität hat, ist für ihn der Aufzug und dabei fällt ihm die poetische Qualität der Lobbies in Ludwig Mies van der Rohes Chicagoer Hochhäusern ein. Weil die Aufzüge wirken, als würden sie den ganzen Turm tragen und gleichzeitig diese kleinen, sich bewegenden Räume sind.

Auf und ab auf der Poesiekurve.

  

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