Architektur & Design

Eine Stadt im Zeichen des Designs

Design Trends Messetrends Milan

Zur 53. Ausgabe des Salone Internazionale del Mobile strahlte Mailand mit der Sonne um die Wette. Bei herrlichem Frühlingswetter drängten über 355.000 Besucher in die lombardische Designmetropole und ließen sich von einem überbordenden Angebot inspirieren. Auffallend oft zu sehen: enorme Farbvielfalt, solides Handwerk und ausgesuchte Funktionalität. Tendenzen, denen auch TIMBA folgt: Der neue Tisch von Bene wurde in Mailand erstmals präsentiert.
 

Es ist nicht alles Gold…

In all der gebotenen Vielfalt war auf der diesjährigen Möbelmesse die Tendenz zur skandinavischen Moderne deutlich auszumachen. Holz war so präsent wie schon lange nicht mehr,  vor allem helle Eiche und vor allem massiv. Die sehr rustikale Holz-Optik, die oft durch ein gebürstetes Finish betont grob gehalten ist, wird mit glatten, edlen Materialien wie Glas und Hochglanzoberflächen spannend kontrastiert. Auch Vintage-Metalle werden mit Holz kombiniert – überhaupt ist Metall ein Must, sei es Gold, Messing oder Kupfer.

Manchmal ist das, was überzeugend nach Metall aussieht, allerdings Kunststoff. Das beweist Kartell in seinem komplett in Gold getauchten Stand unter dem Motto „Precious“ sehr eindrucksvoll. Auffällig ist auch die Rückkehr von Stein: Bei fast jedem Hersteller waren wieder Marmortische zu sehen, an die Spitze getrieben von Zaha Hadid für Citco. Überwiegend pastellig bleibt es hinsichtlich der Farben, neu ist ein knalliges Koralle als omnipräsenter Akzentton.
 

Rückbesinnung auf Design-Legenden

Vitra präsentierte die viel erwartete Neuauflage des „Landi“-Stuhls, den Hans Coray für die Schweizer Landesausstellung 1939 entworfen hatte. 75 Jahre nach seiner ersten Präsentation findet der wetterfeste Aluminiumstuhl bei Vitra seine neue Heimat. Die getreu dem Originalentwurf  gestanzten Löcher geben der Sitzschale ihr charakteristisches Aussehen.

Der Alu Chair  wurde um eine schlankere Version eines Dining Chairs erweitert. Hella Jongerius, Designerin und langjährige Farbspezialistin für Vitra und auch Artek, hat dies zum Anlass genommen um die Stoffkollektion Hopsak um gleich 28 Farben zu erweitern. Neben den neuen Hopsak Farben präsentierte Jongerius bei Vitra auch ihren neuen, farbenprächtigen East River Chair.

Gleich nebenan stellte Artek aus. Die Firma, die sich vor allem mit Möbelentwürfen von Arne Jacobsen und Yrjö Kukkapuro einen Namen gemacht hat, wurde im letzten Jahr von Vitra gekauft. Die Farbgestaltung von Hella Jongerius ließ auch hier so manchen historischen Entwurf in neuem und zeitgemäßem Licht glänzen.

Auch bei Fritz Hansen stand ein „neuer Klassiker“ im Zentrum. Nach über 50 Jahren erweitert der „Drop“ nun die Kollektion des dänischen Herstellers. „Drop“ wurde 1958 von Arne Jacobsen für das Radisson Blu Royal Hotel in Kopenhagen entworfen und war nie in die Standardproduktion aufgenommen worden. Jetzt gibt es den kleinen Stuhl mit der großen Persönlichkeit neben der gepolsterten Variante des ursprünglichen Designs auch mit einer modernen Kunststoff-Schale.
 

Eine Vielzahl an Produktneuheiten

Der „Analog Table“ für Fritz Hansen ist ein Entwurf von Jame Hayon, der darüber hinaus auch bei Cassina mit dem neuen Sofa „Vico“ prominent vertreten war. Konstantin Grcic war, so schien es zumindest, nahezu überall vertreten: Der „Rival Chair“, sein erster Entwurf für Artek, ist in der runden Formensprache fast untypisch für den bekannten Designer. Sein Lounge Chair „Medici“ für Mattiazzi ist da schon typischer, genauso wie der „360° Chair“, weder Hocker noch Stuhl, und der Freischwinger „Kyudo“, beide für Magis. Der innovative Freischwinger „Kyudo“ ist bis hin zum Gestell komplett aus Bugholz – jedoch werden im Gestell Holz- und Kohlenstofffaser-Folien kombiniert.  Ein weiteres Materialexperiment bei Magis stammt von Ronan & Erwan Bouroullec: In ihrer Tisch-Kollektion „Officina“ trägt ein schmiedeeisernes Gestell die Tischplatte.

Unter dem Motto „Work Life“ präsentiert Arper eine Reihe von Neuheiten und Produkterweiterungen, darunter das modulare Sofa-System "Zinta" vom Designtrio Lievore Altherr Molina. Tom Dixon stellte die Präsentation seiner neuen Möbel, Leuchten und Accessoires unter das Motto „Club“.
 

Confession of Design

Ein weiteres Motto: Confession of Design. Unter diesem klingenden Namen wurde in Mailand zeitgenössisches österreichisches Design präsentiert. Beeindruckender Schauplatz der Schau war die „Rotonda della Besana“, eine ehemalige Kirche aus dem 18. Jahrhundert im Zentrum der Stadt. Kuratiert vom Wiener Studio Vasko & Klug vermittelte die Ausstellung den internationalen Besuchern einen Einblick in aktuelle Designtrends aus Österreich. Unter den rund sechzig Ausstellern war neben Backhausen, Wittmann und Team 7 auch Bene mit einer Vorschau auf den neuen TIMBA Table aus der Designschmiede PearsonLloyd vertreten.
 

Neue Pfade

Abseits des Messegeländes wartete die ganze Stadt wieder mit jeder Menge Design-Hotspots auf. Brera, Zona Tortona,  Ventura Lambrate, Top-Designer und Nachwuchstalente, unzählige Showrooms, Pop-Up-Stores und Galerien lockten die Besucher in alle Winkel Mailands.

Neu einbezogen das Areal „Docet“ rund um die Via San Gregorio. Kvadrat feierte hier den 30. Geburtstag des Stoffklassikers „Divina“, ein durch seine gewalkte Struktur wie Filz wirkender Stoff, der 1984 vom dänischen Designer Finn Skjödt gestaltet wurde. Zum Jubiläuum hatte Kvadrat 24 Designer gebeten, den Besteller zu interpretieren – Ergebnis war eine imposante Ausstellung. Beeindruckend die Zahlen zum üppigen Exponat „Layer Cloud Chair“ von Richard Hutton: 840 Quadratmeter Stoff, 100 Farben, 545 Schichten, 300 Kilogramm.

Neben Kvadrat präsentierte in Docet auch Wallpaper seine fünfte „Handmade“-Kollektion: In der Design-Galerie Leclettico feiert das Londoner Lifestyle-Magazin erneut die Resultate der Zusammenarbeit von Designern, Handwerkern und Luxusherstellern.
Weniger Luxus und viel brachialer zeigte sich die 14-teilige Kollektion der britischen Künstlerin Sarah Lucas. Sie präsentiert Stühle, Bänke, Tische und Regale bestehend aus in MDF-Rahmen gegossenen Betonblöcken.

Unser Fazit des diesjährigen Mailand-Besuchs? Alles in allem war es eine inspirierende und spannende Leistungsschau der Designindustrie – Mailand sollte auf jeden Fall auch nächstes Jahr wieder eine Reise wert sein.

 

Autor

Rival Chair


The Drop


Kartell


Rotondo della Besana


Divina


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