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Endlich Pause bitte!

Pause Sabbatical Rekreation

In der Musik ist sie der Moment zwischen zwei Klängen. Ihre Bedeutung gewinnt sie aus dem, was vor und nach ihr geschieht. In der Rhetorik kann sie die Spannung erhöhen, Punkt, Gedankenstrich oder Fragezeichen sein. In der Schule fiebern die Schüler ihr entgegen, im Büro oft genauso. Was kann sie sonst noch, die Pause?
 

Taceo, Tacis, Tacet

Ein Musiker betritt die Bühne, verbeugt sich und setzt sich an das Klavier. Er schlägt das Notenheft auf. Danach passiert nicht mehr viel. In John Cages Performance 4´33‘‘ ist die einzige Anweisung an den Musiker, drei Sätze lang keinen Ton zu spielen. Obwohl keine Musik erklingt, ist es nicht still im Saal – man hört, wie sich die Zuschauer räuspern, unruhig werden. Stühle rücken, die Klimaanlage surrt, von der Straße dringen gedämpfte Geräusche in den Saal. 4‘33‘‘ ist Cages Aufforderung, der Stille zuzuhören, um zu erkennen, dass es sie gar nicht gibt: Die Stille ist voll von zufälligen Geräuschen, die wir nicht ausblenden können.

Auch wenn Cage Recht hat, und es vielleicht keine absolute Stille gibt – die Sehnsucht nach etwas Ruhe kennen wir alle. Manchmal ist nämlich einfach Schluss. Schluss mit der Konzentration, Schluss mit guten Ideen. Manchmal braucht man andere Gedanken, andere Themen, andere Gesichter. Anders gesagt: Manchmal braucht man einfach eine Pause.
 

Sendepausen

Wie wichtig es ist, während der Arbeit auch mal Pause zu machen, ist in vielen Studien bewiesen: Viele kleine Pausen während des Arbeitstages helfen, konzentrierter zu arbeiten und den Tag zu strukturieren. Dabei heißt “Pause machen” nicht unbedingt, gar nichts zu tun. In einer Pause sollte man einfach für Abwechslung sorgen, nach Möglichkeit den Ort wechseln und die Gedanken schweifen lassen. Danach wird das nächste Projekt mit neuer Energie gestartet, oder auch das alte aus einem neuen Blickwinkel wieder aufgenommen.

Für viele ist das Abschalten aber alles andere als einfach. Im Film “Modern Times” kann Charlie Chaplin auch nach dem Ende seiner Schicht nicht damit aufhören, die immer gleichen, monotonen Handgriffe seiner Fließbandarbeit zu wiederholen. Eine groteske Überzeichnung? Natürlich. Aber Nichtstun ist manchmal wirklich schwer. Man sehnt sich nach einer Pause - und wenn sie dann da ist, ist es kaum auszuhalten. Wenn es gar nichts zu tun gibt und absolute Stille herrscht, werden Menschen genauso nervös, wie wenn ein Klavierspieler die Bühne betritt ohne zu spielen.
 

Power Nap statt Nickerchen

Ein Resultat der Mediengesellschaft? Für den Kulturphilosophen Robert Pfaller steht in der digitalisierten Welt sogar die Erholung unter dem Druck des Leistungszwanges. Selbst im Genuss müssen wir “hart arbeiten” um uns wirklich substantiell zu erholen. Das gemütliche Nickerchen wird zum Power Nap, der freie Sonntag zur Gelegenheit, sportlich-soziale Höchstleistungen zu erbringen. Schon kleine Unterbrechungen wollen wir, so der Philosoph, effektiv nutzen  - und arbeiten brav immer dann, wenn die Medien es uns ermöglichen.

Dabei kommen uns gerade in den wirklichen Pausen die besten Ideen. Studien beweisen, dass die kreativsten Einfälle dann entstehen, wenn wir es selbst am wenigsten erwarten - in der Dusche, beim Spaziergang, am Mittagstisch.
 

Apropos Mittagstisch!

Wissensarbeit braucht Austausch und Kommunikation genauso wie Orte für Rückzug, Konzentration und Entspannung. Zu Mittag schnell ein Sandwich am Arbeitsplatz? Lieber nicht – ansprechende Räumlichkeiten für kleine und große Pausen sollten für ein Unternehmen, das seine Mitarbeiter wertschätzt, selbstverständlich sein. Mindestens eine längere Pause am Tag ist nicht nur gesetzlich vorgeschrieben – sie tut auch richtig gut. Den Ort wechseln, Energie tanken, die Arbeit mal kurz liegen lassen. Die Mittagspause ist nicht nur wichtig, um mal kurz durchzuatmen – wann sonst kann man sich in unbelasteter Atmosphäre austauschen und auch mal ganz locker mit Kollegen reden, mit denen man selbst nur selten zusammenkommt?

Pausen haben immer auch etwas mit  Stille zu tun – das ist bei der Arbeit oft leichter gesagt, als getan. Oft ist das Großraumbüro ein Ort, an dem Konzentration nur schwer möglich ist. Die ständige Geschäftigkeit rundherum stört beim Nachdenken. Daher sind in einem intelligenten Büro auch Zonen für konzentrierte Arbeit und Rückzug gefragt.

 

Die etwas längere Auszeit

Immer öfter hört man in den letzten Jahren von einer ganz speziellen Form der Pause: vom Sabbatical, einer längeren, oft bezahlten Auszeit vom Beruf.

Ursprünglich stammt der Begriff Sabbatical aus der Thora: gemeint ist damit das siebente Jahr der Bewirtschaftung, in dem ein Feld nicht bebaut wird und sich vom Ackerbau erholt. In den USA haben Universitätsprofessoren dieses Modell der Zeiteinteilung übernommen. Alle paar Jahre gönnen sie sich ein Freisemester oder Sabbatical, in dem sie sich nur der Forschung widmen, um danach mit neuer Energie und frischem Wissen in den Lehrbetrieb zurückzukehren. Auch im Kreativbereich kennt man Sabbaticals: Der Grafikdesigner Stefan Sagmeister ließ sein New Yorker Büro bereits mehrmals für bis zu zwölf Monate schließen, um sich auf Reisen inspirieren zu lassen und abseits des alltäglichen geschäftlichen Wahnsinns an neuen Ideen zu arbeiten. Der Erfolg gibt ihm Recht: Weder seine Geschäftsbeziehungen noch seine Projekte haben an dieser Auszeit gelitten. Im Gegenteil.

Auch in größeren Unternehmen haben MitarbeiterInnen immer öfter die Möglichkeit, mal Pause zu machen. Firmen wie BMW, Siemens oder McDonalds bieten Sabbaticals in unterschiedlichen Formaten an. Genutzt werden diese meist für die persönliche oder professionelle Weiterbildung, für eine längere Reise oder auch soziale Projekte.
 

Pause, ganz individuell

Da eine umfassende Gesetzgebung zum Thema fehlt, werden die Sabbaticals oft angelehnt an Unternehmensrichtlinien individuell mit den Mitarbeitern ausgehandelt.

Bei McDonalds beispielsweise erhält jeder Angestellte alle zehn Jahre die Möglichkeit, ein Sabbatical zu absolvieren. „Dieses besteht aus vier Wochen Bildungsurlaub in Kombination mit zwei Wochen des Jahresurlaubs. Wenn sich die Mitarbeiter dazu entscheiden, diese Zeit für Weiterbildung in ihrem Fachbereich zu nützen, übernehmen wir die Kosten dafür bzw. einen Teil der Kosten“, erklärt Ursula Riegler, Pressesprecherin von McDonalds Österreich.

Eine weitere Möglichkeit der praktischen Umsetzung von Sabbaticals besteht darin, über einige Jahre nicht den gesamten Lohn ausbezahlt zu bekommen - der Überschuss wird dann im Rahmen eines bezahlten Freijahres genutzt. Oft spart der Mitarbeiter auch über längere Zeit Urlaubstage und Überstunden auf ein Zeitkonto an, die dann im Sabbatical „eingelöst“ werden.

Für Dr. Marita Roloff, Sprecherin der Allianz Gruppe in Österreich, ist die Tendenz der Aussteiger auf Zeit „steigend“. Sabbaticals dienen bei dem Versicherungsunternehmen nicht nur der Förderung der einzelnen Mitarbeiter, sondern spielen auch eine Rolle im Employer Branding: „Es geht um einen Interessenausgleich zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die Allianz ist ein leistungsorientiertes Unternehmen, in dem die MitarbeiterInnen gefördert werden. Durch ein breites Angebot an Gestaltungsmöglichkeiten, wie ein Sabbatical, steigt die Bindung ans Unternehmen.“

Auch Ursula Riegler betont, dass Sabbaticals den Mitarbeitern die Wertschätzung des Unternehmens vermitteln: „Ein Sabbatical soll die Möglichkeit bieten, sich über einen längeren Zeitraum aus dem Alltag rauszunehmen, zu erholen, eine Pause zu machen.“

Wer zwar gerne eine längere Auszeit hätte, es aber nicht wirklich wagt, der sollte zumindest die kleinen Pausen, die einem der Alltag bietet, nicht ungenutzt vorüberziehen lassen.

In diesem Sinne: Atmen Sie ein. Atmen Sie aus. Atmen Sie durch.

Autor

Angelika Molk

Corporate Marketing Manager

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