Personalities

EOOS, Zelinkagasse 2, Wien

Design Arbeitswelten Design Inspiration

Martin Bergmann wurde 1963 in Lienz/Osttirol, Gernot Bohmann 1968 in Krieglach/Steiermark und Harald Gründl 1967 in Wien geboren. Nach ihrem Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien gründeten sie EOOS im Jahr 1995.

EOOS arbeitet in den Bereichen Furniture Design, Product Design und Brand Spaces für Kunden wie Adidas, Alessi, Armani, Bene, Bulthaup, Dedon, Duravit, MatteoGrassi, Walter Knoll oder Zumtobel. Im Rahmen der Poetischen Analyse werden Rituale, Mythen und intuitive Bilder als Ausgangspunkt für Entwurfsprozesse erforscht.

EOOS betrachtet Design als poetische Disziplin, die sich im Spannungsfeld zwischen Archaik und High-Tech bewegt.

Bis heute erhielt EOOS mehr als 60 internationale Auszeichnungen, darunter 2004 den renommierten italienischen Designpreis Compasso d’Oro. 2010 wurde EOOS für die mobile Werkstattküche b2, produziert von Bulthaup, der Designpreis der Bundesrepublik Deutschland in Gold verliehen. In London ging soeben der Design Week Award, Kategorie Möbel, für Filo Table an EOOS.


Man darf annehmen, dass jemand wie Sie, der als Gestalter tätig ist, das persönliche Arbeitsumfeld sehr bewusst wählt. Welche Bedeutung messen Sie Ihrem Büro als Ort tatsächlich bei?
Martin Bergmann: Eine sehr große Bedeutung, schließlich verbringt man hier sehr viel Zeit! Was ich aber sagen muss ist, dass sich das Büro bei mir auch oft an andere Orte verlagert, einfach weil ich häufig unterwegs bin. So können auch Auto, S-Bahn, Zug, Flugzeug, Gate oder Airport Lounge zum EOOS-Büro werden. Skizzen entstehen gar nicht so selten unterwegs, besonders auf Langstreckenflügen zeichnen wir oft.


Wenn das so ist, welche Funktion übernimmt Ihr Büro hauptsächlich? Was macht es einzigartig oder besonders im Vergleich zu den anderen Orten des Arbeitens?
Bergmann: Ich vergleiche das EOOS-Studio gern mit einem Skulpturengarten, in dem man von einem Projekt zum nächsten wandert – wobei sich die Projekte nie in den gleichen Entwicklungsstadien befinden. Das eine sieht man heute an und schüttelt vielleicht ratlos den Kopf, für das nächste findet man plötzlich die zündende Idee. Und morgen sieht alles wieder ganz anders aus.

Doch am Abend, wenn ich das Büro verlasse, bin ich immer wieder von Neuem überrascht über die verblüffenden Resultate des vergangenen Arbeitstages. Es sind immer Resultate, die keiner von uns imstande gewesen wäre alleine zu erdenken.


Was mögen Sie an Ihrem Büro?
Bergmann: Ganz besonders gern mag ich die Geschichte unseres Studios in der Wiener Zelinkagasse, in das wir 2005 eingezogen sind. Dieser Ort hat schon einiges erlebt. Vor EOOS waren dort nämlich bereits Helmut Lang, Coop Himmelb(l)au und das Wahlkampfteam von Heinz Fischer beheimatet (Anm. d. Red.: Helmut Lang – österreichischer Modedesigner, ging nach New York; Coop Himmelb(l)au – Wiener Architekturbüro mit Weltkarriere; Heinz Fischer – österreichischer Bundespräsident). Helmut Lang hat einst den Betonboden initiiert, die Raumeinteilung durch transparente Glaselemente geht auf die Kappe von Coop Himmelb(l)au. Beides haben wir gerne beibehalten. Überhaupt hat auch die architektonische Gestaltung dieses Gründerzeithauses ihren ganz besonderen Reiz – beispielsweise durch die rhythmische Wiederholung der großen Kassettenfenster, die auch unseren Büroräumen Struktur geben.


Was mögen Sie nicht?
Bergmann: Es gibt eigentlich nichts, was ich nicht mag … höchstens etwas, was ich mir zusätzlich wünschen würde: einen Ruheraum, in dem man sich zwischendurch mal zehn Minuten oder länger ungestört hinlegen kann.


Gibt es Orte oder Plätze, an denen Sie besonders gerne arbeiten?
Bergmann: Außer in unserem Studio arbeite ich irrsinnig gerne vor Ort bei unseren Kunden, beispielsweise in den Entwicklungsabteilungen oder Fabrikationsstätten der Produzenten. Für mich ist es ein sehr schönes Gefühl, direkt dort zu sein, wo ein Objekt, an dem man vielleicht mehrere Jahre lang gezeichnet und entwickelt hat, dann wirklich zusammengeschraubt wird.


Gibt es Orte, an denen Sie gerne arbeiten würden?
Bergmann: Es würde mich reizen, mehr auf anderen Kontinenten und mit fremden Kulturen zu arbeiten. Andererseits übt auch der alpine Raum, und dort die Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Holz, eine große Anziehungskraft auf mich aus.


Ist das Büro für Sie ein Ort der Inspiration, der Kreativität?
Bergmann: Ja, natürlich, denn hier sind meine Partner und mein Team. Hier kann man sich austauschen, hier wird teamorientiert weiterentwickelt – von der Idee zur Skizze, von der Skizze zum Modell. Wobei ich auch die Möglichkeit, mich zwischendurch mal in mein Zimmer einzusperren, quasi in Isolation zu gehen, nicht missen möchte. Zwar ist auch mein Zimmer teilweise durch Glaswände einsehbar, trotzdem kann ich mich dort auf meine eigenen Gedanken konzentrieren oder beispielsweise ungestört telefonieren – was übrigens auch für die Anderen angenehmer ist, da ich nicht gerade ein leiser Telefonierer bin …


Gibt es wichtige Rituale in Ihrem Büro-Alltag?
Bergmann: Ein Ritual, das wir – sofern wir alle drei in Wien sind – wirklich täglich verfolgen, ist unser gemeinsames Mittagessen in einem der Lokale rund um unser Studio. Es ist für uns sehr wichtig, dass wir uns diese Auszeit vom Arbeitsalltag ganz bewusst gönnen. Da sind wir dann auch mal telefonisch nicht erreichbar. Während des Mittagessens lassen sich viele Themen ansprechen, die sonst zu kurz kommen, auch privates und familiäres.
Ebenfalls schön ist es, mit dem ganzen Team gemeinsam zu essen. Das machen wir auch immer wieder.


Welche Veränderungen würden Sie als einschneidend während Ihres gesamten "Büro-Lebens" nennen?
Bergmann: Das einschneidendste Erlebnis war wohl der Umzug vom 18. Bezirk in unser jetziges Büro im Zentrum Wiens. Auch unser früheres Büro war schön, doch der Location-Wechsel in das Tuchviertel im ersten Bezirk hat eine gänzlich neue Lebensqualität mit sich gebracht. Wir haben schon früher immer davon geträumt, in dieser Gegend zu arbeiten. Es ist einfach ideal hier – für den ersten Bezirk nicht zu touristisch und relativ ruhig, trotzdem total zentral und mit jeder Menge tollen Lokalen in Gehweite. Wir laden gerne Kunden, Partner und Freunde zu uns ins Studio ein und gehen nachher im Umkreis gemeinsam essen. Auch für unsere Mitarbeiter ist es natürlich toll, mitten im Zentrum Wiens statt draußen in der Vorstadt zu arbeiten.


Der wichtigste Gegenstand im Büro?
Bergmann: Bei EOOS ist das wohl unsere Espresso-Maschine mit Faema-Kopf – wird von allen benutzt und von allen geliebt!


Und der persönlichste?
Bergmann: Ein Bild, das meine beiden Kinder in den Lienzer Dolomiten im Winter zeigt.


Das wichitgste Tool?
Bergmann: Mein Bleistift.


Ihr größter Wunsch an ein Büro?
Bergmann: Eine Küche, in der sich wirklich kochen lässt, und ein großer Tisch, rund um den man gemeinsam essen kann.


Vielen Dank für das Gespräch!

  

Autor

Désirée Schellerer

Public Relations Manager

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