Longwood Gardens

Architektur & Design

Frühlingsgefühle im Büro: Ab in die Vertikale

Green Office Lifestyle Bürotrends

Ausgedehnte Grünflächen sind in Büros Mangelware, denn sie benötigen nicht nur Licht und Pflege, sondern auch Platz. Die Lösung liegt, wie so oft, in der Änderung des Blickwinkels: „nicht horizontal, sondern vertikal“ ist das zeitgemäße Motto großflächiger Innenraumbegrünung.

Als Erfinder des Vertical Gardens gilt der französische Botaniker und Gartenkünstler Patrick Blanc. Bereits 1982 schuf er seine erste private, im Jahr 1986 die erste öffentliche "Mur Végétal". Seinen Durchbruch feierte das Konzept dann 2001 – mit der von Blanc im Pariser Luxushotel Perishing Hall realisierten grünen Wand im Innenhof. Ganze dreißig Meter hoch ist das lebende Kunstwerk, das damit erstmals architektonische Ausmaße annahm. Noch heute ist es zu bestaunen.

Von da an belebte und begrünte Blanc unzählige Wände in aller Welt. Ob es eine Innenwand des Marithé+Francois Girbaud Stores in New York (2003), die äußere Fassade des Musée du Quai Branly in Paris (2005), die Eingangshalle der Siam Paragon Shopping Mall in Bangkok (2005) oder die Qantas Lounge in Sydney (2007) ist - Blanc ist im Trend, der Vertical Garden ebenso.
 

Outdoor & Indoor

Beides kennen wir bereits: die Innenraumbegrünung mittels Topfpflanzen bzw. kleinen Grünflächen, beispielsweise in der Lounge, und die Fassadenbegrünung von Bauwerken. Der Vertical Garden, auch Green Wall, Plantwall oder Living Wall genannt, erweitert die bisherigen Konzepte um einen entscheidenden Schritt.

Lassen Sie uns einmal an ein Haus mit begrünter Fassade denken. Wie sieht es aus? Welche Pflanzen bedecken die Mauer? Wie mag es so geworden sein, wie es sich heute präsentiert? Nun, vermutlich haben wir ein Bild von Efeuranken, Wildem Wein oder Mauerkatzen vor uns, die sich direkt an der Wand hochgearbeitet haben. Vielleicht auch von Clematis, Glyzinien oder auch Rosen, die eine Kletterhilfe wie Draht oder Gitter benötigen, um empor zu klimmen. Allen gemein ist, dass sie erst den Weg nach oben finden müssen, bis das lebendige Grün die gesamte Fassade bedeckt. Und manche Pflanzen erreichen dieses Ziel nie, da ihre Wachstumshöhe begrenzt ist.

Im Unterschied dazu bieten Green Walls von Beginn an eine vollflächige Bepflanzung. Ein bepflanzbarer Boden ist nicht notwendig, denn die Pflanzen wachsen horizontal aus der vertikalen Wand. Diese besteht zumeist aus einem der Mauer geringfügig vorgelagerten Stahlgerüst, das entweder mit Pflanzenschalen, Schaumpaneelen oder Filzmatten bestückt ist. Die Rückwand ist natürlich mit einer wasserdichten Schicht versehen. Eine automatische vertikale Tröpfchenbewässerung, eventuell in Kombination mit Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren, sowie eine integrierte Versorgung mit Mineralstoffen machen die Wand pflegeleicht und auch für Innenräume ideal geeignet.
 

Living Wall – Living Environment

So eine Living Wall bringt’s innen wie außen. An der Fassade vermindert sie durch Beschattung und Verdunstung das Aufheizen der Mauer im Sommer und wirkt auch im Winter isolierend. Außerdem bietet sie eine natürliche Schutzhülle gegen Schlagregen und UV-Strahlung. Und dem Wort "living" in ihrem Namen kommt hier eine doppelte Bedeutung zu: Nicht nur die Wand selbst lebt, sondern sie bietet auch Lebensraum für Tiere in der Stadt, zumindest im Außenbereich.

Weitere Vorzüge zeigen sich outdoor wie indoor: Living Walls schlucken Schallwellen und tragen damit zu einer akustisch angenehmeren Atmosphäre bei. Sie wirken als natürliche Luftreinigungsanlage, reduzieren die Schadstoffbelastung, binden Staub und wandeln CO² in Sauerstoff um. Außerdem sorgen Living Walls im Office mit ihrer Luft befeuchtenden Wirkung für ein gesünderes Raumklima – was sich besonders in der Heizperiode positiv bemerkbar macht.

Aber abgesehen von all diesen Vorteilen: Es ist einfach ein tolles Gefühl, im Büro vor einer Wand aus echten Pflanzen zu sitzen und in entspannter Atmosphäre miteinander zu diskutieren oder zu relaxen. Es ist ungemein wohltuend und zugleich belebend. In ihrer Üppigkeit ist die Living Wall ein überraschendes Highlight in jedem Office – für Mitarbeiter und Kunden gleichermaßen. Auch aus ästhetischer Sicht. Ob die Pflanzen nach Farben und Arten zu einem bestimmten "Muster" zusammengestellt sind oder einen "wilden" Dschungel darstellen, die Living Wall spricht uns emotional an und beeindruckt immer wieder aufs Neue durch ihre Lebendigkeit.

Sieht ganz so aus, als ob der Trend noch eine Weile anhielte. Immerhin wurden in den letzten zehn Jahren zahlreiche Living Wall Projekte realisiert: in Privathäusern, Schulen, Restaurants, Stores und Shopping Malls, Hotels, Museen, Botschaften, Flughäfen, auf Messen oder sogar in Parkhäusern – und natürlich auch in Büros.
 

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