Personalities

Hartmut Esslinger, Los Gatos, Silicon Valley

Design Design Inspiration Lifestyle

Hartmut Esslinger ist Designer. Der Gründer der Design- und Strategieagentur frog design mit Sitz in San Francisco und Büros auf allen Kontinenten arbeitet seit 40 Jahren mit Firmen wie Sony, Apple, Louis Vuitton, SAP, Siemens oder Lufthansa zusammen. Nach seiner Tätigkeit als Professor für Industriedesign (ID2) an der Universität für angewandte Kunst in Wien ist er seit 2011 DeTao Master für Strategisches Design am Shanghai Institute of Visual Art in Shanghai.


Gibt es für Sie so etwas wie einen "Hauptarbeitsplatz" – und wenn ja, wo befindet er sich?
Gerade arbeite ich in meinem Home-Office, welches Silicon-Valley-gerecht "connected" ist. In Shanghai teile ich ein gläsernes Büro mit meinem Assistenten-Team mit Blick zu den StudentInnen. Ich habe übrigens auch als Co-CEO von frog design immer inmitten meines Teams gearbeitet. Da sieht man gleich was läuft und ist immer leicht zugänglich.


Das Büro als Ort: welche Bedeutung messen Sie ihm bei?
Für mich ist das "Büro" ein interaktiver Space. An meinem Platz sind viele Bücher, Magazine, Skizzen und Gadgets – über Macs, iPads und iPhones hinaus. Ich liebe smarte Technik. Ich mag es einfach, und da ich viel unterwegs bin, räume ich das Büro fast immer gut auf. Ich mag auch sehr gute, ergonomische, weiße Möbel, weiße Wände und Raum, da können die Gedanken frei fliegen.


Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Büro etwas über Sie aussagt?
Als Nomade sammelt man und schafft man Spuren. Wenn ich zurückkomme von einer Reise, geht es einige Tage chaotisch zu. Meine Arbeitsplätze signalisieren meine Freude am Tun – hoffe ich zumindest.


Gibt es Orte oder Plätze, an denen Sie besonders gerne arbeiten?
Für mich hat immer eine interessante und wichtige Aufgabe große Bedeutung. Mein erstes "Büro" war eine Garage mit allerdings tollen Maschinen. Bei Sony habe ich am Anfang nur einen winzigen Tisch zwischen Bergen von Schachteln gehabt, und mein amerikanisches Studio neben Apple waren geliehene Möbel von absoluter Hässlichkeit. Die Ergebnisse wurden davon nicht beeinträchtigt.


Gibt es Orte, an denen Sie besonders gerne arbeiten würden?
Ich kann mich mit Los Gatos, San Francisco, Shanghai usw. nicht beklagen. Wenn es aber zu schön ist, ist es auch nichts – ich bin da schon etwas puritanisch. Habe es in Hawaii versucht, und habe dann doch lieber einen Surfkurs genommen.


Gibt es Orte, an denen Sie arbeiten müssen, die Sie aber lieber meiden würden?
Meeting-Räume, wo geschmackloses Prestige über feinen Sinn geht. Amerika ist leider voll davon. Ach ja: Meetings in Silicon-Valley-Hotels sind für mich ein ästhetischer Albtraum.


Sind Sie lieber alleine in Ihrem Büro oder gemeinsam mit anderen?
Alleine passiert schon auch, aber oder zu zweit oder zu mehreren macht es mehr Spaß. Auch im Büro sind wir zuallererst gesellige Menschen.


Ist das Büro für Sie ein Ort der Inspiration, der Kreativität? Falls ja, warum?
Ich liebe Teamwork, und das "ping-pong" des kreativen Austausches ist mir fast schon heilig. Aber dann habe ich auch Ideen am Strand, beim Autofahren, im Flugzeug oder wo immer.


Gibt es Rituale, die in Ihrem Arbeitsalltag wichtig sind für Sie?
Zuerst eMail beim Morgenkaffee im Bett, dann müssen meine Schreibwerkzeuge fit und angespitzt sein: Lamy Ballpoint, Palomino Blackwing (früher Faber) und Tombow Mono 100 Bleistifte.


Welche Veränderungen während Ihres gesamten "Büro-Lebens" würden Sie als ein-schneidend bezeichnen?
Mein Motto ist "Change is Fun" – davon lebe ich ja auch. Was mir bei meinem Home-Office Spaß macht, ist der Bösendorfer. Das ist in einem professionellen Büro schwierig…


Möchten Sie uns ein "WOW"-Erlebnis verraten, das Sie in / mit einem Büro hatten?
Immer wenn mir meine Kinder ein neues Feature eines Softwareprogramms beibringen müssen.


Der wichtigste Gegenstand im Büro?
Für mich der Bürostuhl und ein guter Tisch.


Welcher ist der für Sie wichtigste Gegenstand in Ihrem Büro?
Computer und mein Roll-On-Case, der schon x-mal um die Welt flog.


Und welcher wäre der persönlichste?
Da fragen Sie mich zuviel…


Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?
Mein Kopf und meine Hände.


Ihre liebste Tätigkeit im Zusammenhang mit dem Arbeiten?
Kann man zwei Dinge zur gleichen Zeit gut machen? Ich kann nur eines.


Ihr größter Wunsch an ein Büro?
Generisch gedacht: dass die Menschen Freude an ihrer sinnvollen Arbeit haben. Das heißt auch möglichst wenige Schreibtische und mehr Zonen der Begegnung. Ich finde auch breite und offene Gänge (Hallways) wichtig. Menschen sind viel kreativer, wenn sie aus ihrem "Revier" rauskommen und von dem starren Blick in den Computer erlöst werden.


Wie viele Stunden pro Tag verbringen Sie im Büro?
Dies ist flexibel und hängt von der Arbeit ab. eMail ist super-effektiv, aber braucht auch Zeit. Dann bin ich auch kein Zahlenmensch: Ich arbeite immer solange, bis ich ein gesetztes Ziel bzw. eine Benchmark für den Tag erreicht habe.


Vielen Dank für das Interview.

Autor

Désirée Schellerer

Public Relations Manager

×

×
×