Personalities

Johannes Knoll, Runtastic, Pasching und San Francisco

Start-Up Arbeitswelten Lifestyle

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit. In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal befragen wir Johannes Knoll über seine Arbeit als Head of Marketing beim äußerst erfolgreichen österreichischen Start-Up Runtastic. Er erzählt Angelika Molk, worauf es im Start-Up Business ankommt – und wie es so ist, mit richtig guten Freunden zu arbeiten.

Runtastic wurde 2009 gegründet und gilt heute mit über 60 Millionen Downloads und mehr als 25 Millionen Anwendern als Weltmarktführer bei mobilen Fitness-Apps. Firmenhauptsitz ist das oberösterreichische Pasching, 2013 hat man auch in San Francisco ein Büro eröffnet.

Mit Hilfe der Runtastic Anwendungen können sportliche Aktivitäten wie der morgendliche Lauf, eine Wanderung oder ein klassisches Workout getrackt, analysiert und auf Social Media Plattformen mit Freunden geteilt werden. Ebenfalls im Angebot: eine mobile Ernährungsberatung, eine App, die den Waschbrettbauch trainiert und "Story Running" Hörbücher, die Geschichten erzählen, die speziell auf das Lauftraining abgestimmt sind. Johannes Knoll hat Runtastic‘s Weg nach oben von Anfang an miterlebt. Mittlerweile koordiniert der Wirtschaftswissenschaftler das internationale Marketing des erfolgreichen Start-Ups.


Herr Knoll, Runtastic wurde 2009 als kleines Start-Up gegründet und ist mittlerweile zu einem international bekannten und erfolgreichen Unternehmen geworden. Können Sie uns kurz erzählen, wie Runtastic entstanden ist? Woher kam die Idee dazu?
Runtastic hat seinen Ursprung in einem Studentenprojekt der FH Hagenberg. Damals sollten Rallyeautos bzw. Segelboote getrackt werden. Als das Projekt beendet war, hat René Giretzlehner in der Idee Potenzial für ein eigenes Unternehmen gesehen. Mit Christian Kaar, Alfred Luger und Florian Gschwandtner hat er dann auch schnell drei Mitgründer gefunden. Zu dieser Zeit ist gerade das erste iPhone auf den Markt gekommen, das ein GPS Modul eingebaut hatte – genau hier sahen die vier Jungunternehmer ihre Chance.

Wie man heute, kaum vierJahre später, sieht, sind wir damals tatsächlich auf den richtigen Zug aufgesprungen.


Wie darf man sich ihr erstes Runtastic Büro vorstellen? Hatten Sie überhaupt ein Büro?
Nachdem tage- und nächtelang in den eigenen vier Wänden Vorarbeit geleistet wurde, haben wir schließlich ein erstes, sehr komfortables Runtastic Büro für ein Team aus 6-8 Leuten gefunden. Man kann sich das erste Büro definitiv im typischen "Start-Up Style" vorstellen: Da wurde "gecoded" und programmiert was das Zeug hält. Nachdem Runtastic dann sehr schnell gewachsen ist, platzte dieses erste Büro ziemlich schnell aus allen Nähten. Vor circa eineinhalb Jahren übersiedelte Runtastic dann in das Business Center der Plus City in Pasching, wo wir im Moment etwa drei Viertel des gesamten 5. Stocks einnehmen.


Und wie sieht dieses Büro aus?
Auf knapp 1000 qm Bürofläche arbeiten 75 Mitarbeiter an den verschiedensten Projekten. Wir versuchen das Büro so "heimelig" wie möglich zu gestalten. Denn wir setzen darauf, dass unsere Mitarbeiter die besten Leistungen erzielen, wenn sie gerne zur Arbeit kommen und sich wohlfühlen. Deshalb gestalten wir das Büro sehr farbenfroh, mit vielen Pflanzen, einem großen Gemeinschafts-/Essensraum, einer "Chill-out Area". Außerdem gibt es zum Beispiel gratis Fitnessstudio-Mitgliedschaften, damit die Mitarbeiter ins Studio gleich unterhalb des Runtastic Büros gehen können.


Haben die Mitarbeiter fest definierte Arbeitsplätze, oder arbeiten sie an verschiedenen Orten?
Nein, es gibt definitiv einen Hauptarbeitsplatz für jeden und das ist auch gut so. Bei uns kann sich jeder Mitarbeiter sein Umfeld so gestalten, wie er/sie sich am wohlsten fühlt.


Was sind die Herausforderungen im Start-Up Business? Was empfinden Sie persönlich als Vor- und was als Nachteil?
Ein großer Vorteil im Start-Up Business ist, dass man sehr flexibel agieren kann. Im Unternehmen sind noch keine starren Prozesse implementiert und ich denke, dass Individuen viel stärker gefördert werden können. Bei der Arbeit fühlt es sich so an, als ob man jeden Tag seine Freunde trifft. Und nicht so, als ob man am liebsten schon um 15:00 Uhr Feierabend hätte.

Wenn man als Start-Up Erfolg hat und so schnell wächst wie Runtastic, muss man allerdings die Augen offen halten und darf nicht übersehen, dass man nun wirklich zu einem Unternehmen heranreift, in dem klare Prozesse und gewisse Richtlinien sehr wichtig sind. Das muss aber nicht heißen, dass das Unternehmen erstarrt und die Beweglichkeit eines Start-Ups verliert. Man muss einfach früh genug damit beginnen, an Prozessen, Organigrammen und dem "Big Picture" des Unternehmens zu arbeiten.


Ein Start-Up zu gründen ist nicht unbedingt einfach. Was würden Sie jemandem raten, der selbst vorhat, ein eigenes Business zu gründen? Worauf muss man im Start-Up Geschäft besonders achten?
Erstens sollte man sich nie von seinem Traum abbringen lassen. Auch Runtastic hatte zu Beginn mit einigen Skeptikern zu tun – wäre es nach ihnen gegangen, würden wir heute gar nicht existieren. Man muss mit 200 Prozent hinter seiner Idee stehen und darf nicht aufgeben. Das soll nicht heißen, dass man blind und stur voranschreiten soll. Nein, das heißt, dass man seine Idee pitchen sollte und Mentoren finden muss, die voll hinter einem stehen.

Speziell in Österreich gibt es viele Förderungsmöglichkeiten, die sich jeder Jungunternehmer vor der Gründung ansehen sollte. Nach der Gründung heißt es, von seinen Mentoren zu lernen, mit großem Einsatz und mit Herzblut seine Idee voranzutreiben und sich von kleinen Rückschlägen nicht stoppen zu lassen. Jeder macht Fehler, und auch Runtastic konnte nicht jede Idee sofort erfolgreich umsetzen. Jedoch haben wir einige "Guidelines" entwickelt. Eine davon lautet: "Einen Fehler zu machen ist ok, denselben Fehler ein zweites Mal zu machen ist reine Dummheit".


Was macht für Sie einen guten Arbeitsplatz aus?
Ein guter Arbeitsplatz ist ein Umfeld, wo man sich wohlfühlt, wo man Freunde findet und wo man Spaß haben kann. Speziell in der heutigen Zeit sollte man sich sicher fühlen und sich entfalten können (egal ob kreativ oder anderwärtig).


Gibt es bestimmte Rituale oder vielleicht Teamaktivitäten, die Sie immer wieder durchführen?
Definitiv, wir haben einige "Rituale", die für unser Team sehr wichtig sind. Zum einen organisieren wir einmal pro Monat den DONI. DONI steht für Day Of New Ideas. An diesem Tag arbeitet die gesamte Belegschaft, bunt durchgemischt aus den verschiedenen Abteilungen, komplett losgelöst vom Alltag, an neuen Ideen, die am Ende des Tages präsentiert werden. Die besten drei Projekte können sogar Preise gewinnen. Viele dieser Ideen waren schon Grundlage für neue Funktionen oder sogar komplett neue Runtastic Produkte wie etwa das kürzlich gelaunchte "Runtastic Story Running".

Ein anderes Ritual ist unser zweiwöchentliches Company Breakfast, bei dem alle Mitarbeiter zusammenkommen und Runtastic ein Frühstück mit allem Drum und Dran organisiert. Nach dem Frühstück folgt eine kleine Company-Update Präsentation mit dem Titel: We are awesome, how can we help you. Das soll allen Mitarbeitern zeigen, was rund um Runtastic so alles los ist und was das gesamte Team eigentlich leistet. Das ist sehr wichtig, vor allem für jene Mitarbeiter, die nicht so viel mit der Öffentlichkeit zu tun haben, dafür aber unsere Apps und Services programmieren. Diese Aktivitäten fördern den Teamgeist sehr. Außerdem freuen sich schon wieder alle auf den gemeinsamen Runtastic Ausflug, der einmal im Quartal stattfindet.


Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?
Definitiv der Laptop, ohne den geht gar nichts.


Was mögen Sie an Ihrer Arbeit am liebsten?
Dass jeder Tag eine neue, positive Herausforderung ist und jeder von uns täglich etwas dazulernen kann. Ich darf mit den Besten der Besten arbeiten, und es macht unglaublichen Spaß, mit innovativen Ideen und Produkten die Welt Schritt für Schritt gesünder und sportlicher zu machen. Jeder Mitarbeiter kann seine Ideen einbringen – und das Wichtigste daran: sie werden auch gehört und aufgegriffen. Das motiviert Menschen, und genau deshalb performen meine Kollegen auch so großartig. Einer der besten Punkte ist – auch wenn ich mich jetzt wiederhole –, dass man mit Menschen arbeitet, die zu Freunden geworden sind und immer am selben Strang ziehen.


Was würden Sie sich für Ihre Arbeit bzw. Ihren Arbeitsplatz wünschen?
Ehrlich gesagt wünsche ich mir nur, dass es so weitergeht wie bisher, dass wir voranschreiten, weiter wachsen, tolle Produkte auf den Markt bringen – und somit unsere Träume wahr machen können.


Vielen Dank für das Gespräch.


(c) Cover-Foto Daniel Schoenen / Photocase.com

Autor

Angelika Molk

Corporate Marketing Manager

×

×
×