Trends

KMU: Innovation guaranteed

KMU Unternehmenskultur Innovation

Wer in eine Marktnische passen will, muss schlank und beweglich bleiben. Und wer einmal drinnen ist, sollte sie möglichst ganz ausfüllen. Das scheint das Erfolgsrezept jener Klein- und Mittelunternehmen zu sein, die als sogenannte Hidden Champions weltweite Erfolge verbuchen – und dabei der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt bleiben.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es etwa 1500 solcher Branchen-Kaiser. Allein in Österreich erfüllen 190 Unternehmen die Kriterien, die Georg Jungwirth von der FH Campus 02 erstellt hat: Sie zählen in ihrem Marktsegment weltweit zu den Top Drei oder sind zumindest in Europa Marktführer; ihr Jahresumsatz beträgt nicht mehr als 200 Millionen Euro; und sie haben ihren Firmenhauptsitz "im Lande".
 

Erkennen, was gebraucht wird

Die Vielfalt der Produkte, mit denen diese Unternehmen Spitzenpositionen erreichen, ist verblüffend: So ist die Wiener Traditionsfirma Thomastik-Infeld Weltmarktführer in der Herstellung von Saiten für Streichinstrumente. Bereits vor Beginn des Ersten Weltkrieges erforschten die Firmengründer Materialien, die für die Entwicklung in Frage kamen. Heute sind Streichinstrumente-Saiten wahre High-Tech-Produkte, die auf Kunststoffen aus der Weltraumtechnik oder auf biokompatiblen Werkstoffen wie Titanium basieren. Grundlagenforschung, ein eigenes Entwicklungslabor und ein Team hoch spezialisierter Techniker sind notwendig, um diese einzigartigen Spezialprodukte herzustellen, die von Musikern in der ganzen Welt buchstäblich in höchsten Tönen gelobt werden.

Angesichts des Musiklands Österreich mag diese Produktschiene ja gar nicht so erstaunen. Weniger vermutet man da schon das Betätigungsfeld der Welser Firmengruppe Teufelberger. Sie produzieren Taue und Seile für Extrembelastungen in Industrie, Transport und Schifffahrt. Vielleicht haben Sie gerade den Start der Extreme Sailing Series 2014 in Singapur verfolgt? Das Red Bull Sailing Team kam bei der ersten Etappe zwar nicht aufs Podest – könnte im Rahmen der Trophy aber sicher noch Furore machen, sofern nicht alle Stricke reißen....
 

Fokussieren statt diversifizieren

Absolut fokussiert hat sich das Unternehmen M+C Schiffer aus Neustadt bei Köln. Es ist der größte konzernunabhängige Zahnbürstenhersteller der Welt. Über eine Million Zahnbürsten werden pro Tag in drei Schichten, sieben Tage die Woche auf voll automatisierten Produktionsstraßen für den Weltmarkt produziert.

Oder die Firma Poly-Clip System: die Gründerfamilie des Frankfurter Unternehmens hatte in den 1950ern als erste die Idee, Würste mittels Metallclip zu verschließen. Nach einer langen Reihe von Innovationen und Patenten gehört Poly-Clip System mit seinen Verpackungsmaschinen und Verschlusstechniken für Lebensmittel bereits seit Jahren zu den deutschen Weltmarktführern.
 

Weltweit und trotzdem leise unterwegs

Ein echter "Geheimtipp" sind die Erzeugnisse der mehr als 400 Jahre alten Innsbrucker Gießerei Grassmayr, die dennoch weltweit in über 100 Ländern den Glockenton angeben. Sie stellt Glocken und Kunstwerke aus Bronze her. Das Geheimnis ihrer Glockenberechnungen wird sorgfältig gehütet, durch Forschungen laufend weiterentwickelt und immer wieder vom Vater auf den Sohn vererbt – seit 14 Generationen.

Buchstäblich hoch hinaus kommt das Schweizer Textilunternehmen Lantal, das seit 1954 Stoffe für Flugzeugsitze liefert. Eine der jüngeren Innovationen sind pneumatische (Luftkissen-) Sitze, womit Airlines ihren Passagieren sowohl hohen Komfort bieten als auch Gewicht reduzieren können. Tausende sind weltweit bereits im Einsatz.

Unglaublich klingt auch die Geschichte der Firma Schiebel Elektronische Geräte GmbH. Sie begann 1951 in Wien mit der Herstellung von Mikroschaltern für Waschmaschinen. Heute ist sie Weltmarkt-führer im Bereich Minensuchgeräte und entwickelt international gefragte Überwachungsdrohnen.

Nach eigenen Aussagen "jedes Theater mit" macht die deutsche Firma Gerriets aus Umkirch bei Freiburg. Sie hat sich auf Textilien für den Theater- und Bühnenbedarf spezialisiert, die mittlerweile in allen großen Opernhäusern der Welt hängen. Ob Mailänder Scala, New York Metropolitan Opera oder das Royal Opera House in London – überall geht der Vorhang mit Gerriets auf.
 

Erfolgsrezepte

In Zeiten wirtschaftlicher Engpässe und Rückzugsgefechte wecken solche Erfolgsgeschichten natürlich Neugier. Und Experten wie der deutsche Strategieberater Hermann Simon haben – bei aller Unterschiedlichkeit der Produkte – doch deutliche Gemeinsamkeiten festgestellt.

Der kluge Schuster bleibt bei seinem Leisten: Hidden Champions konzentrieren sich auf ein – oft unscheinbares – Produkt, entwickeln es aber qualitativ bis zur Perfektion weiter und machen sich in ihrem Segment unersetzbar. Sie stecken bis zu fünf Mal mehr Geld in Forschung und Innovation als große Konzerne. Nicht immer handelt es sich um die Entwicklung brandneuer Technologien, sondern um die schlaue Adaptierung einer bestehenden, oder um neue Wege in Distribution und Marketing.

Globalisierung für sich nützen: Die Fokussierung verkleinert zwar ihren Markt, das gleichen die Unternehmen aber mit einem entschlossenen globalen Auftreten aus. Sie haben oft nur einige Dutzend Kunden, dabei handelt es sich aber um die wichtigsten Player weltweit. Diese können auch von relativ wenigen Mitarbeitern intensiv betreut werden.

Starke Führung: Bei Hidden Champions handelt es sich oft um Familienbetriebe, die in Generationen denken. Sie investieren vorsichtig und vorzugsweise aus eigenen Mitteln und setzen konsequent auf das Know-how loyaler Top-Mitarbeiter. Wachstum auf Pump und eine Hire-and-fire-Politik sind ihnen fremd. Die Kontinuität in der Führungsetage erleichtert es zudem, auch höchste Ambitionen zielgerichtet zu verfolgen.

Unter dem Radar bleiben: Nischen-Weltmarktführer richten sich meist nicht an Endkunden, sondern an andere Unternehmen. Bei denen bekannt zu sein, reicht ihnen völlig. Sie legen keinen Wert auf eine allzu große Öffentlichkeit, die womöglich das Begehren potenzieller Konkurrenten wecken könnte. Wer gut verdient, genießt und schweigt.

Schlanke Strukturen für schmale Nischen: Einem gut geführten KMU fällt es leichter, sich effizient und schlagkräftig zu organisieren und auf Aufgabenstellungen zu fokussieren.
 

Wirtschaftliche Champions League

Eines ist klar: Beispiele wie die oben genannten gehören zur wirtschaftliche Champions League. Den meisten KMU wird es schwerfallen, diese Erfolgsrezepte mit denselben Ergebnissen umzusetzen. Doch sie können schon gewinnen, wenn sie nur Teile davon realisieren: Mit viel Phantasie und Selbsteinschätzung der eigenen Kernkompetenzen eine Marktnische suchen; sich nicht verzetteln; Wege zur Internationalisierung wagen.

Insgesamt ist die Bedeutung der KMU für die Gesamtwirtschaft schlichtweg verblüffend. Entgegen dem Eindruck, den man leicht aus den Medien erhalten kann, die europäische Wirtschaft sei von großen, multinationalen Unternehmen beherrscht, sind in Wahrheit über 99 % aller europäischen Unternehmen KMU. "Sie schaffen zwei von drei Arbeitsplätzen in der Privatwirtschaft und sind für über die Hälfte der gesamten Wertschöpfung aller Unternehmen in der EU verantwortlich. Zudem ist der Mittelstand das wirkliche Rückgrat der europäischen Wirtschaft. Ihm ist Wohlstand und wirtschaftliches Wachstum zu verdanken, und er spielt eine Schlüsselrolle in den Bereichen Innovation, Forschung und Entwicklung."

"Noch verblüffender ist die Tatsache, dass es sich bei neun von zehn KMU eigentlich um Kleinstunternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten handelt. Die Hauptstützen der europäischen Wirtschaft sind somit Kleinstunternehmen, die durchschnittlich zwei Personen beschäftigen." 

Angesichts solcher Tatsachen ist natürlich jeder Entwicklungsschritt in diesem Sektor wichtig. Außerdem kann man ziemlich sicher sein, dass die nächste Generation Weltmarktführer vor allem dort heranwächst, wo sich neue Technologien durchsetzen: etwa im Bereich Software, im Maschinenbau, in der Sensorik, der Biotechnik oder selbst im Dienstleistungsbereich.
 

Umfeld schaffen

Apropos neue Technologien: Diese begründen auch für die Durst Phototechnik AG mit Sitz in Brixen und mehreren Niederlassungen ihren internationalen Erfolg. Das Unternehmen gehört bei der Herstellung von qualitativ hochwertigen Systemen zur Bildproduktion zu den weltweit führenden Anbietern. Als eines der ersten entwickelte es großformatigen Inkjetdruck für die Foto- und Grafikindustrie, heute ist es Inkjet-Spezialist für industrielle Anwendungen. In den eigenen Forschungszentren verfolgt Durst die Zielsetzung, Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Rentabilität seiner Kunden voranzutreiben.

Dass man außergewöhnliche Ziele nur mit einem außergewöhnlichen Team schaffen kann, gehört allerdings ebenso zum Credo. Soziale Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und das Bewusstsein, dass eine hochwertige Arbeitsumgebung positive Auswirkung auf Arbeitsergebnisse hat, ist gelebte Unternehmenskultur. Nicht umsonst konnte Bene bei der Gestaltung der Büros in der neuen Werkshalle in Lienz überzeugen. Mit einem Einrichtungskonzept, dessen Arbeitsplatzanordnung sich an den Fensterfronten orientiert und damit jedem Mitarbeiter Außensicht ermöglich, sowie u.a. mit den kompakten Workplace-Modulen von CUBE_S konnte die Vorstellung der Unternehmensführung nach inspirierenden und für jeden einzelnen Mitarbeiter angenehmen Arbeitsplatzsituationen realisiert werden. Womit sich einmal mehr zeigt: Auch intelligente Bürokonzepte sind entscheidende Zutaten für funktionierende Erfolgsrezepte…

 

×

×
×