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Lebensräume: Parks

Lebensraum Lifestyle Inspiration

In unserer aktuellen Office.Info Serie suchen wir Räume mit besonderer Identität auf und fragen nach dem Wie ihrer Gestaltungs- und Wirkungsweisen. Diesmal widmen wir uns den Erlebnisräumen im Freien, den Oasen in der Stadtwildnis, den planvermessenen Begegnungszonen urbaner „Zwischenräume“: den Parks.

Es heißt nicht umsonst: Räume haben Charakter. Ganz gleich ob wir darin arbeiten, lernen, lehren, kommunizieren, uns unterhalten oder entspannen möchten – der dafür "erschaffene" Raum nimmt auf die Besonderheiten von Nutzern und Tätigkeiten in der Regel eindeutig Bezug. Ob er allerdings "funktioniert", ist eine andere Frage und hängt ganz davon ab, ob er uns auch emotional erreicht. Wirkung ist letztlich doch mehr als die Quadratwurzel aus Raumhöhe + Wandfarbe + Stellfläche.

Melanie liebt ihre Mittagspausen im Park. Hier kann sie kurz mal durchatmen, ein bisschen "runterkommen" von der Hektik im Office. Einfach Abstand nehmen, ohne schlechtes Gewissen kurz das Handy auf lautlos stellen, die Mails lassen sich im ´worst case´ ja ohnehin verfolgen. Die gepflegte Wiese wird für die nächsten 30 Minuten zur Privatsphäre. Was sie am liebsten tut: die letzten Seiten im Buch lesen, den Kopf leer bekommen, Leute beobachten, vielleicht ein kurzes Power Nap. Ob sie es sich nur einbildet, aber hier kommt ihr die Luft frischer vor als anderswo in der Stadt. Wie herrlich, wenn man solch eine Gelegenheit vor der Haustüre hat. Das nächste Mal wird sie wohl Slacklinen probieren – da kann man sicher gut abschalten...
 

Ordnung muss sein

… das dachten sich wohl die Architekten der französischen Schlossparks im ausgehenden 17. Jahrhundert. Die großzügigen Parkanlagen des Barock waren keine öffentlichen städtischen Bereiche, sondern Teile von Herrschaftssitzen. Deshalb war ihre Architektur oftmals eng an jene des Schlosses angelehnt – nicht selten wurden sie direkt von oder in Zusammenarbeit mit dem Gebäudearchitekten entworfen. Der Park war somit Teil eines Gesamtkonzeptes. Er diente, wie das Schloss, in erster Linie repräsentativen Zwecken und brachte Macht, Wohlstand und die Herrschaft über die Natur zum Ausdruck. Der Barockgarten war demgemäß äußerst artifiziell gestaltet und übertraf darin sogar die italienischen Gärten der Renaissance.


Stilbildend für diese Gärten war die Anlage des Schlosses Vaux-le-Vicomte in Maincy, 50 km vor Paris, die in den Jahren 1656-1661 nach Plänen des Gartenarchitekten André Le Nôtre entstand: streng geometrisch, symmetrisch, hierarchisch.

Die Nutzung der Parkanlagen blieb lange Zeit den jeweiligen adeligen Besitzern und ihren Gästen vorbehalten. Doch Zeiten und politische Verhältnisse ändern sich - heute sind die aufwendig gestalteten Grünflächen von Einheimischen und Touristen gleichermaßen erobert – wie jener von Versailles oder, bereits seit 1779, der des Schlosses Schönbrunn in Wien.
 

Back to the roots

… lautete Mitte des 18. Jahrhunderts das ganz konträre Motto im englischen Landschaftspark. Er bildete einen deutlichen Kontrast zur geometrischen Strenge der Barockgärten. Man versuchte nicht mehr, die Natur in ein enges Korsett zu zwängen, sondern fragte sich zuerst: Was bietet die Landschaft von sich aus an? Natürlich wurden auch hier bewusst Eingriffe gemacht, doch ohne mathematische Radikalität. Was man erhalten bzw. schaffen wollte, waren schöne Ausblicke, die dem Betrachter Vergnügen bereiteten, und sanfte naturnahe Landschaften, die man wie ein Gemälde auf geschwungenen Wegen durchwandern konnte. Blumenbeete und Sichtachsen wurden durch ein abwechslungsreiches Landschaftsbild aus Wald, einzelnen Bäumen und Baumgruppen, weitläufigen Rasenflächen, gewundenen Flüssen, Teichen und Hügeln ersetzt. Oft "versenkte" man die begrenzenden Mauern oder Gräben unauffällig in die Landschaft, so dass der Park mit der umgebenden Landschaft zu verschmelzen schien. Als Akzente und Blickfänge am Horizont errichtete man kleine Tempel oder künstliche Ruinen. Zu den bedeutendsten Landschaftsarchitekten dieses Stils zählten William Kent und Lancelot "Capability" Brown.

In jedem Fall war der Ansatz schon damals sehr modern: Nicht mehr die Repräsentationsfunktion stand im Vordergrund, sondern die Freude an der Natur sowie Erholung und Entspannung.
 

Into the City

Wer meint, dass innerstädtische Parks sich zeitlich gesehen ausschließlich nach den Schlossparks entwickelten, der irrt. Eine der bekanntesten urbanen Grünanlagen wurde bereits im Jahr 1000 schriftlich erwähnt und (dann doch erst) 1637 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht: der Londoner Hyde Park. So vielfältig wie seine Geschichte zeigt sich auch seine Nutzung. Wurden vom 16. bis 18. Jahrhundert im Parkgelände Hofjagden veranstaltet, fanden im 18. Jahrhundert glanzvolle Kutschenkorsos, aber auch zahlreiche Duelle statt. Der Ort Tyburn an der nordöstlichen Ecke des Parks war vom 12. bis 18. Jahrhundert der öffentliche Galgenplatz der Stadt. Rund ein Jahrhundert später wurde in der Nähe der früheren Hinrichtungsstätte der berühmte Speaker’s Corner ins Leben gerufen. Jeder kann dort - bis heute - ohne Voranmeldung eine Rede zu einem beliebigen Thema halten, vorausgesetzt es betrifft nicht die königliche Familie. 1851 fand im Hyde Park die Great Exhibition, die erste (Industrie-)Weltausstellung statt. Wenige Jahre später demonstrierten hier rund 150.000 Personen gegen hohe Lebensmittelpreise.

Heute ist der Park ein zentraler Lebensmittelpunkt der rund 3 Millionen Einwohner von Inner London. Ob Relaxen, Lesen, Treffen, Picknicken, Schwimmen, Joggen, Radfahren, Rudern und (mit Erlaubnis) Fischen am über 11 Hektar großen Serpentine See, hier zeigen die Briten ihre Naturverbundenheit. Am Sports Field wird unter anderem Fußball und Rugby Cricket gespielt. Reiter sind ebenso willkommen.

Ganz abgesehen von den groß angelegten Kulturevents. Wer noch keine Konzerte im Hyde Park miterlebt hat, hat wirklich etwas versäumt. 2012 werden übrigens Triathlon und Langstreckenschwimmen im Serpentine Lake stattfinden.
 

Barfuß im Park

Der vielleicht bekannteste Park der Welt ist der New Yorker Central Park. Die Grüne Lunge der aufregenden Megacity, inmitten von Manhattans teuerstem Pflaster, zwischen Hudson und East River gelegen, ist der größte künstlich angelegte Park der Welt. Mit seiner Errichtung wurde im Jahr 1859 begonnen. Der Central Park umfasst rund 3,5 km² an Freizeitfläche und Erholungsgebiet für die Bevölkerung des Big Apple sowie interessierte Besucher. Unglaubliche 25 Millionen Menschen besuchen den Central Park jährlich. Kein Wunder – hier kann man tun, was immer keinen anderen stört. Baseball spielen, Langlaufen, Inline-skaten, Vögel beobachten und Pflanzen bestimmen sowie verschiedenen Events beiwohnen. Und, wenn man Glück hat, bei der jährlichen Green Card Lottery eine von 50.000 Green Cards gewinnen.
 

Yes, they can

Natürlich haben Parkanlagen auch immer mit Design zu tun. Zunächst einmal, weil Parks nicht einfach von selbst entstehen, sondern gründlich geplant werden wollen – und zwar als vielschichtig nutzbare Erlebnisräume. Gelungenes Beispiel etwa ist Chicagos großzügiger Millennium Park. Erst Ende der 1990er Jahre auf dem ehemaligen Areal des Bahnhofs der Illinois Central Railroad entstanden, wurde mit Unterstützung des Architekten Frank Gehry daraus eines der ehrgeizigsten Projekte in der Geschichte Chicagos. Auf 10 km² entstand in wenigen Jahren ein unglaublich lebendiges Areal aus Architektur, Landschaftsgestaltung, Kulturplätzen, Freiluftbühnen, von dem Einheimische und Gäste gleichermaßen angezogen werden. Hier finden Begegnung und Kommunikation eine perfekte Bühne, inspirierend und innovativ, liberal und intellektuell.
 

Urban Culture meets Design

Mitunter dürfen Parks sogar experimentell werden, wie etwa der Dongdaemun Design Plaza & Park, der – von Zaha Hadid entworfen – derzeit in Seoul errichtet wird. Das 85.000 m² umfassende, in seiner Gestaltung futuristisch anmutende Gesamtprojekt wendet sich an Designer und Bürger gleichermaßen. Es beinhaltet ein Design Museum, einen Mehrzweck-Park, eine Bibliothek und verschiedene Bildungseinrichtungen. Der darin gelegene 30.000m² große Park ist eine grüne Oase inmitten des dichten urbanen Umfelds. Er greift alle Elemente traditioneller koreanischer Gartenkunst auf und integriert Pools, Kiesbetten, Lotusteiche und Bambushaine.

Freude und Inspiration sollen Plaza und Park als kulturelle Knotenpunkte den Bewohnern der Stadt bringen, so das Ziel. Die fließenden Formen des Designs stehen für in Bewegung befindliche Gedanken, Interaktion aller Design-Disziplinen, Innovation und Grenzen überschreitendes Denken. Auch die historische Stadtmauer wurde in das Gesamtkonzept integriert. Plaza und Park werden zu einer ineinander übergehenden Landschaft, die die Grenzen von Architektur und Natur verschwimmen lässt.

Ähnlich ambitioniert gibt man sich auch in Miami. Der an der Küste gelegene Bicentennial Park erfährt gerade ein Redesign, das ihn zur attraktivsten Parkanlage Floridas machen soll. Dabei geht es nicht um Größe, sondern um Qualität – der Park soll 2013 zum "Museum Park Miami" mutieren und das Museum of Science sowie das Miami Art Museum mit einbinden.
 

Künstlerparks

Doch nicht erst heute werden Parks für künstlerische Installationen genutzt. Klassisches Beispiel: der Parc Güell in Barcelona, dessen Namensgeber die grüne Oase den katalanischen Bürgern Barcelonas spenden wollte. Antoni Gaudí erhielt den Auftrag zur architektonischen und künstlerischen Gestaltung. Seine geschwungenen Linien, seine organische Formsprache, seine Vorliebe für bunte Keramikfliesen und seine schrägen Pfeiler machten daraus ein Zeitdokument des spanischen Jugendstils und ein fantasievolles Rückzugsbiotop inmitten der lauten Stadt.

Szenenwechsel. "Gut, dass hier endlich ein Hotspot eingerichtet wurde", murmelt Melanie ihrem Banknachbar zu. Der Akku des Laptops wird schon reichen. "Mal sehen, wie lange die Witterung noch zulässt, im Freien zu sitzen."
Wie angenehm, dass PARCS von Bene, dieses multifunktionale Möbel-Ensemble, so witterungsunabhängig ist....;)

 

Autor

Brigitte Schedl-Richter

Texterin, freie Journalistin, www.argezeit.at

Dongdaemun Design Plaza and Park Zaha Hadid Architects

Dongdaemun Design Plaza and Park


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