Architektur & Design

Mailand Revisited

Design Design Trends Milan

Eine ganze Stadt im Zeichen des Designs: Der Mailänder Salone Internazionale del Mobile, die größte Möbelmesse der Welt, zeigte auch dieses Jahr jede Menge Neuheiten. Spannendes Design gab es nicht nur am Messegelände zu sehen: Im Rahmen des SaloneFuori lockten unzählige Ausstellungen in die verschiedenen Stadtviertel Mailands. Auch RIYA, der neue Drehstuhl von Bene, wurde auf der Design Week erstmals präsentiert.
 

Alles Retro

Während in den letzten Jahren die großen Trends und extravaganten Präsentationen eher im Stadtzentrum aufzuspüren waren, konzentrierten sich 2013 viele der großen Namen wieder auf ihren Messeauftritt: Mehr als 2.500 Aussteller präsentierten auf über 200.000m² Neuheiten aus dem Wohn- und Büromöbelbereich sowie Lichtdesign. Viele der Aussteller, wie Vitra, Cappellini oder Kartell setzten ihre Messestände gleich Bühnenbildern in Szene. Als ganz großer Trend kristallisierte sich das Spiel mit der Natur heraus, sei es in Material (Kork, Filz, Marmor und sogar Papier waren zu sehen), Struktur und Textur oder Inszenierung des Designs. Dazu passend auch die Farbtrends: neben einem breiten Spektrum an Pastell dominierten natürliche Farbtöne wie Nude, Terracotta oder Gelb. Ebenfalls en vogue: Retrofarben wie blasses Altrosa, dunkles Petrol und Brauntöne.

Neue Produkte und überarbeitete Klassiker gab es bei Vitra zu bestaunen: Neben dem von der niederländischen Designerin Hella Jongerius entworfenen Polsterhocker Mochi wurde Alcove Plume präsentiert, ein bodennahes, gemütliches Sofa, das die Alcove-Familie der Bouroullec Brüder ergänzt. Aufgefrischt wurden außerdem viele der "good old classics": Wire Chair, Storage Unit, Plastic Chair und Hang it All aus der Feder von Ray&Charles Eames sind nun in neuen Farbkombinationen erhältlich, auch mehrere der von Jean Prouvé entworfenen Design-Highlights wurden mit viel Fingerspitzengefühl der Gegenwart angepasst. Diese Rückbesinnung auf Designklassiker kann als Trend der Messe ausgemacht werden, fand man sie doch auch anderorts: Bei Howe wird der Tongue Chair (1951) von Arne Jacobson wieder aufgelegt, und Arper interpretiert den Bardi Bowl Chair von Lina Bo Bardi neu.
 

Design, aufs Wesentliche reduziert

Stark präsent natürlich auch die tonangebenden Namen des Gegenwartsdesigns der letzten Jahre: Konstantin Grcic entwarf den Messestand von Magis und stellte ebendort die Sitzmöbelserie "Traffic" vor. Ein lackiertes Drahtgestell und Polsterung bilden ein simples, überzeugendes geometrisches Ganzes – Design, aufs Wesentliche reduziert. Auch Stefan Diez, einst Schüler Grcics, betont in seinen Entwürfen gerne das Essenzielle: Hinter dem Namen "THIS THAT OTHER" (benannt nach einem berühmten Kartentrick) verbergen sich ein Stuhl, ein kleiner Sessel und ein Hocker, die runde Formen mit modernem, jugendlichem Zeitgeist und rationalen Details verbinden. Einiges an Extravaganz gab es bei Moroso zu entdecken: Die "Bikini Island" Kollektion von Werner Aisslinger beispielsweise vereint eine Reihe von farbenfrohen modularen Sofas und Tischen, die sich zu einem jeweils individuellen Wohnraum konfigurieren lassen. Das zum Fernsehbildschirm hin ausgerichtete Sofa gehöre, so Aisslinger, der Vergangenheit an. Vielmehr müsse sich das moderne Sofa der neuen Wohn- und Lebenskultur anpassen und Platz für die unterschiedlichsten Aktivitäten wie Lesen, Meditieren oder E-mail Schreiben dienen.
 

Office for Living

Neuheiten aus der Büromöbelbranche wurden im Salone Ufficio präsentiert. Im Rahmen der groß angelegten Installation "Office for living" imaginierte der französische Architekt Jean Nouvel die Arbeitsräume der Zukunft, die sich den klassischen, standardisierten Büroformen widersetzen. "Wir sollten unsere Büros genauso bewohnen können, wie wir unsere Häuser und Städte bewohnen", meint Nouvel. "Immerhin verbringen wir am Arbeitsplatz genauso viel Zeit wie in der Wohnung. Die Herausforderung liegt darin, neue Materialien und Technologien zu nutzen, um angenehme, benutzerfreundliche und nachhaltige Bürowelten zu entwerfen." Tatsächlich zeigt Nouvel Räume, in denen sich die Veränderungen, die die Arbeitswelt in den letzten Jahrzehnten durchlaufen hat, manifestieren. Wohnliches, warmes Design beweist, dass Büro auch wertvoller Lebensraum sein kann. Intelligente Beleuchtung und flexible, modulierbare Möbel ermöglichen einen Arbeitsplatz, der an die individuellen Bedürfnisse des Einzelnen angepassten ist - oder verwandeln bei Bedarf auch ein Appartement in Work Space.
 

Austrian Design DETAILS

Ein Besuch in Mailand ist nicht nur wegen der Messe lohnend, auch abseits locken unzählige Schauräume, Ausstellungen und Parties den Besucher in die Stadtviertel Zona Tortona, Brera, Duomo oder Ventura Lambrate.

Dass das Ganze mehr ist, als die Summe seiner Teile, bewiesen die Gestalter March Gut frei nach Aristoteles mit der "Austrian Design DETAILS" Ausstellung im Salone dei Tessuti, wo heimisches Design in all seinen Facetten präsentiert wurde. In einem visuell ansprechenden, gekonnt inszenierten Wechselspiel zwischen zweiter und dritter Dimension wurden neue Entwürfe von EOOS, Thomas Feichtner, Klemens Schillinger oder der Neuen Wiener Werkstätte. Das Augenmerk lag dabei auf den ungewöhnlichen Details, die die ausgewählten Arbeiten auszeichnen, seien diese ein spannendes Konzept, innovative Materialkombinationen oder eine außergewöhnliche Geschichte.

Auch Bene stellte im Rahmen der "Austrian Design DETAILS" mit DOCKLANDS und RIYA zwei Neuheiten aus dem Hause PearsonLloyd vor. Die Dock-In Bay, das zentrale Element der DOCKLANDS Serie, kann als temporärer, geschützter Arbeitsplatz verwendet werden. Dazu passt RIYA, der neue Drehstuhl mit "human touch", der in Mailand seine Premiere feierte und sich durch sympathisches, rundes Design sowie seine intelligente Funktionalität für alle Zonen und Bereiche des modernen Büros eignet. Auch bei RIYA spielen Details eine nicht unwesentliche Rolle – so werden die klar gestalteten, grafischen Einstelltasten und eine elegante Lordosestütze zum Blickfang.

 

Das "kleine Schwarze" oder: Möbel und Mode

Dass Möbel auch mit Mode gut zusammengehen, bewies Karl Lagerfeld mit gleich zwei Fotoausstellungen. Anlässlich des 85-jährigen Jubiläums von Cassina fotografierte der Modemacher die Klassiker aus dem Hause des italienischen Möbelherstellers und stellte das Ergebnis seiner Arbeit im Schauraum der Marke aus. Für Fans der Haute Couture gab es in der Rotonda della Besana außerdem Lagerfelds Hommage an Chanels "Little Black Jacket" zu sehen.
Auch im Museum MOST mixte man Fashion und Produktdesign: vor einer überwältigenden Kulisse von Schiffen und Dampflokomotiven aus war hier u.a. Tom Dixons Modekollektion für Adidas zu sehen, die sich als eine Art "Expeditionsausrüstung für Großstadtnomaden" entpuppt. Ob die von Ross Lovegrove entworfenen, neongelben Laufschuhe dazu passen, sei hier dahingestellt. Für den Messemarathon wären sie aber auf jeden Fall geeignet gewesen.

Autor

Angelika Molk

Corporate Marketing Manager

×

×
×