Manfred Bene

Personalities

Manfred Bene, Schwarzwiesenstraße 3

Interview Bürowelten Geschichte des Büros

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Es liegt nahe, dass das Büro für jemanden wie Manfred Bene, der im familiären Büromöbelunternehmen groß geworden ist, eine bedeutende Rolle spielt im Leben. Beeindruckend ist jedoch, mit wie viel "Leidenschaft und Fantasie" der Vollblut-Unternehmer seine Vorstellungen entwickelt und umsetzt. Aus Anlass seines siebzigsten Geburtstags und fünfzig Jahre Tätigkeit im Unternehmen baten Nicole Kolisch und Désirée Schellerer Manfred Bene zum Interview.

Manfred Bene wurde im Jahr 1941 in Waidhofen/Ybbs in Niederösterreich geboren. Nach einer Ausbildung in Holzverarbeitung und Holztechnik in Hallstatt und Mödling trat er bereits 1961 ins elterliche Unternehmen ein. Zunächst war er als Betriebstechniker tätig. 1970 übernahm er die Geschäftsführung der Bene AG, im Jahr 2004 den Vorsitz des Vorstandes. Seit 2006 ist Manfred Bene Vorsitzender des Aufsichtsrates der Bene AG. In seiner Ära führte er das Unternehmen zu internationalem Erfolg und etablierte es im Bereich Architektur und Design: in Kooperation mit bedeutenden ArchitektInnen und Designern weltweit entwickelt Bene neue Büro- und Arbeitswelten – und damit eine neue Qualität des Lebensraums Büro.
 

Angenommen, Herr Bene, Sie würden sich heute in Ihrem Unternehmen ein Büro einrichten. Wie würde das aussehen? Wäre das ähnlich dem Jetzigen, also ein Einzelbüro, oder ein offener Raum?
Ich bin sicher für jede Form von Büroeinrichtung offen. Im bestehenden Fall gibt es aber nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, das Bürohaus ist ja wie ein Schiff, in dem ich ganze vorne sitze: Mein Büro besteht aus nur einer Wand, rundherum sind 80 Prozent Fensterfläche. Das ist ein Raum, den man nicht wirklich einrichten kann.
 

Gibt es dennoch so etwas wie Ihr liebstes Einrichtungsstück in diesem Büro?
Das wäre der Besprechungstisch. Als ich vor 23 Jahren eingezogen bin, hatte ich wie jeder andere Manager einen schönen großen dicken Schreibtisch und ein Kasterl daneben – und auf der anderen Seite des Raumes war dann der Besprechungstisch.

Nachdem ich aber praktisch zwei Drittel meines Lebens in Gesprächen verbracht habe, fand ich das eigentlich total unpraktisch. Immer aufstehen, rübergehen, sich hinsetzen, das Zeug mit hinüber tragen… Deshalb hab ich den quadratischen Tisch erfunden, der Besprechungstisch und Schreibtisch in einem sein kann. Es gab zu dieser Zeit keine Tische in diesem Format. Das war 1988.

Ich hab alles, was in dem Raum stand, hinausgeschmissen und stattdessen meinen quadratischen Tisch dort hineingestellt: An der einen Seite sitze ich, das ist mein Arbeitsplatz, rundherum stehen sechs Stühle, und da wird besprochen. Die Größe hat den Vorteil, dass sechs Leute bequem herum sitzen können; dabei ist er aber nicht so groß wie diese Riesenkonferenztische. Man kann über den Tisch langen, man kann einander Bilder zeigen, man kann noch ganz normal miteinander reden und kommunizieren. Das war eigentlich die wichtigste Erfindung zum Thema "eigenes Büro" – und heute verkaufen wir wahrscheinlich den Großteil unserer Managementtische nicht mehr im klassischen Format 2,5x1 Meter, sondern 160x160 cm.
 

Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Büro etwas über Sie aussagt? Möchten Sie überhaupt mit Ihrem Büro etwas über sich aussagen?
Naja, bei mir schaut‘s ziemlich aus im Büro...Ich bekomme Briefe, Informationen, Broschüren oder was auch immer, schaue es an und leg‘s hin, bis ich irgendwann umgeben bin von Papierstapeln.Mein Arbeitsplatz ist bestimmt von lauter Zeugs: Kataloge von der Konkurrenz oder irgendein Geschenk von unserem japanischen Partner. Dahinter steht noch ein Kastl, wo alles angeräumt ist – und hinter dem Kastl stehen ein paar alte Aktenkoffer, ein Schaukelpferd und solche Dinge. Mein Büro ist in keiner Weise vorbildlich oder typisch. Was man daraus ablesen kann: Das administrative Detail hat mich nie so interessiert.
 

Gut, das Administrative nicht. Was aber ist Ihre liebste Tätigkeit im Zusammenhang mit der Arbeit?
Meine Lieblingsbeschäftigung war und ist, ein Produkt zu kreieren oder mit einem Designer zu entwickeln – und dann dieses Produkt zu verkaufen. Natürlich hab´ ich fast alles gemacht, als ich im Unternehmen angefangen habe: vom Controlling über die Buchhaltung bis zur Arbeitsvorbereitung. Mein Motto, und bei Bene insgesamt, lautet aber "Fantasie und Leidenschaft". Und meine Leidenschaft galt immer dem Entwickeln, dem Gespräch mit Verkäufern, mit Kunden und Architekten.
 

Wie sieht das im Arbeitsalltag aus?
Entwickeln meint nicht nur das Design, sondern es geht darum, Produkte zu kreieren, die genau in den Markt passen, aber dabei zehn Prozent weiter sind als die aktuellen Produkte des Marktes. Nur so können sie letztendlich prägend für ihre Zeit sein. Daher trafen wir sehr früh die Entscheidung für den eigenen Verkauf, denn nur das, was ich herzeige, versteht der Kunde auch; nur das, kann ich richtig hinüberbringen. Das heißt aber auch: Wir alle müssen authentisch das leben, was wir verkaufen; das sein, was wir kreieren und dem Kunden vermitteln wollen.

All das gehört für mich letztlich in diesen Entwicklungsprozess. Das heißt, wenn man entwickelt, laufen immer parallel viele Filme mit: Kosten, Material, Herstellung, Wettbewerbsfähigkeit, Marktfähigkeit. Ist das Design "weit weg" oder ist es gerade der nächste Schritt in einer Entwicklung? Ist es ein fortschrittliches, aber dem Markt zumutbares Angebot? Kann der Kunde es nachvollziehen?

Deshalb ist das Markenbild für Bene sehr wichtig. Die Bekanntheit und Stärke der Marke gibt den Verkäufern und Kunden Sicherheit. Denn der Kunde ist meist kein Einrichtungsprofi. Er bewegt sich bei seinen (Kauf-)Entscheidungen auf unsicherem Terrain. Er weiß oft nicht, was er eigentlich will. Im Verkauf sind wir dafür zuständig, dass der Kunde sich etwas vorstellen kann.
 

Ich hab´ mich oft gefragt, wie das für Sie ist, wenn Sie in Ihrem Büro sitzen und ständig sehen, wie die Container mit dem Bene-Schriftzug, also mit Ihrem Namen vorbeifahren…
Das seh´ ich anders. Erstens schaue ich nicht in die Landschaft. Zweitens ist das nur zufällig, dass wir den gleichen Namen haben – die Firma und ich. Ich hab mich ja nie als der Eigentümer gesehen, ich hab versucht, mich wie ein Manager zu verhalten. Obwohl ich weiß, dass meine Entscheidungen die oberste Latte waren, hab ich‘s nie strapaziert. Ich hab mich immer bemüht die Firma im Team zu führen und zu entwickeln. Also, dass ich zufällig so heiße wie die Firma, ist eine Erfindung der Marketingabteilung.
 

Haben Sie eigentlich ein Home-Office?
Nein. Ich hab´ den Vorteil, dass ich in vier Minuten von zuhause in meinem Büro bin.
 

Sie gehen noch jeden Tag ins Büro?
Oft. Ich gehe gerne in die Firma. Auch wenn ich mich ins Geschehen nicht konkret einmische – das würde ich nie tun –, werde ich aber als so etwas wie ein kulturelles Denkmal gesehen.

Was ich aber tun konnte, ist die Haltung des Unternehmens zu Kreativität nachhaltig zu machen, eben die Einstellung zu "Fantasie und Leidenschaft". Die meisten Mitarbeiter haben schon diese Prägung, dieses Bewusstsein: Wir sind etwas Besonderes und wir müssen etwas Besseres machen.
 

Sie haben so viel Zeit in Büros verbracht. Gibt es ein Wow-Erlebnis, an das Sie sich im Zusammenhang mit Büros erinnern?
Grundsätzlich gibt es positive und negative Erfahrungen. Sehr prägend war ein Erlebnis in den 70er Jahren in Holland, die Besichtigung des Verwaltungsgebäudes der Centraal Beheer Versicherung in Apeldoorn, von Architekt Herman Hertzberger: ein Bürohaus für 2.000 Leute, das zwar gegliedert und in überschaubare Bereiche segmentiert, aber komplett offen war. Im ganzen Haus gab es keine Türe und keine Barriere. Das hat damals ein unglaubliches Maß an Freiheit im Denken signalisiert und auch in der Art, wie man miteinander umgeht.

Kennzeichnend war: Das Management hat den Mitarbeitern angeboten, sie dürfen sich ihren kleinen Bereich jeweils dekorieren, wie sie wollen. Kam man in eine Abteilung, in der Frauen tätig waren, war diese Dekoration schön, üppig, leidenschaftlich, positiv bis hin zum kleinen Vogelkäfig, mit Pflanzen geschmückt etc. – Und in den Männerabteilungen war alles genauso, wie man es ihnen ab Werk hingestellt hatte.

Diese Fähigkeit, die Umgebung zu gestalten, war bei den Frauen hoch entwickelt und bei den Männern viel weniger. Das war sicherlich ein Wow-Erlebnis. Deshalb wollte ich auch unbedingt eine Frau im Aufsichtsrat haben, aber das war gar nicht so leicht durchzubringen.
 

Was ist denn ein wichtiges Tool für die Arbeit?
Gerade weil ich kein Mann der Administration bin, muss ich da besonders diszipliniert sein. Mein wichtigstes Tool ist deshalb der Terminkalender, mit den ganzen Adressverzeichnissen drinnen. Ich schreibe mir ein, was ich am jeweiligen Tag zu erledigen habe – und streiche es aus, sobald es erledigt ist. Wenn ich es nicht erledigt habe, muss ich es auf ein neues Datum vortragen... So simpel – aber für mich sehr wichtig, weil ich sonst alles vergessen würde. Das ist kein "Tool". Das ist ein Hilfsmittel, ganz altmodisch und analog. Und das hat den Vorteil: Ich falte es auf und seh´ auf einen Blick, ob ein Termin geht oder nicht. Und jeder anderen muss erst umständlich herumtippen und verschiedene Programme öffnen...
 

Gibt es in Ihrem Büroalltag irgendein Ritual?
Das einzige Ritual ist vor 30 Jahren entstanden, aber ich weiß nicht, warum. Irgendwer hat in der Früh angenommen, dass ich einen Kaffee brauche. Und seither kommt spätestens nach sieben Minuten unsere Servicefrau und bringt mir einen doppelten Espresso mit einem Glas kalten Wasser. Das ist wirklich fast eine Zeremonie. Ich bekomme den Kaffee in mein Büro geliefert.
 

Und immer der Doppelte?
Ja immer. Ein kleiner Luxus. Das ist das einzige, was mir dazu einfällt.
 

Vielen Dank für das Gespräch.

×

×
×