Personalities

Marie Ringler, Schottenring 25, Wien

CSR Arbeitswelten Interview

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal befragen wir Marie Ringler, die lange in der Politik tätig war und nun die österreichische Niederlassung von Ashoka leitet. Im Gespräch mit Angelika Molk und Désirée Schellerer spricht sie über soziales Engagement, unternehmerischen Geist und Yoga im Büro.

Marie Ringler war zehn Jahre lang für die Grünen als Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin tätig. Seit Januar 2011 leitet sie die österreichische Niederlassung von Ashoka, der weltweit führenden Organisation zur Förderung von SozialunternehmerInnen, die mit innovativen Konzepten, Kreativität und unternehmerischem Geist gesellschaftliche Probleme nachhaltig und großflächig lösen wollen. Ziel von Ashoka ist es, aus den lokalen Ansätzen der Social Entrepreneurs internationale Erfolgsmodelle zu machen, Ressourcen in der Gesellschaft zu mobilisieren und so Wandel zu initiieren. Neben der finanziellen Unterstützung bietet Ashoka seinen Fellows Beratung, Sichtbarkeit und ein globales Netzwerk. Das Wiener Kernteam von Ashoka besteht aus fünf Leuten und drei regionalen Mitarbeitern.


Wird es in Zukunft Ihrer Meinung nach für Unternehmen wichtiger werden, sich sozial zu engagieren?
Ich glaube, dass es für ein Unternehmen unabdingbar ist, gesellschaftliche Verantwortung zu tragen, und zwar nicht nur, um sich selbst besser zu fühlen, sondern auch, weil die Konsumenten anspruchsvoller werden, mehr hinterfragen. Der Trend zu regionalen, biologischen Nahrungsmitteln ist schließlich kein Zufall, sondern nur die Speerspitze einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung. Für Unternehmen wird es immer schwieriger, Mitarbeiter zu binden, wenn diese sozialen Verantwortung nicht gelebt wird. Viele wünschen sich mehr Sinn im Job, wollen auch gesellschaftlichen Nutzen stiften und soziale Innovation vorantreiben. Das lässt sich nicht nur bei jungen Leuten beobachten, sondern auch bei Menschen, die schon sehr lange im Berufsleben stehen und sich irgendwann einmal fragen, wofür hab ich eigentlich Karriere gemacht?

Sie haben lange in der Politik gearbeitet, jetzt leiten Sie die Österreich-Niederlassung von Ashoka. Wie unterscheidet sich politische Arbeit von einer Tätigkeit im Bereich des Social Entrepreneurship?
Es ist schwer, die Bereiche Politik und Social Entrepreneurship zu vergleichen. Einerseits ist die Politik sehr selbstbestimmt: Ich kann selbst wählen, welchen Themen ich mich widmen möchte, welche Termine ich wahrnehme und welche nicht. Anderseits ist Politik aber auch stark fremdbestimmt, dauernd wird Reaktion auf etwas gefordert. Bei Ashoka haben wir die Möglichkeit, längerfristiger zu planen, in Partnerschaften wirklich zu investieren und Projekte zu entwickeln, und das ist auch wichtig und zentral. Soziale Kollaborationen können nicht über Nacht geplant und umgesetzt werden, dahinter stecken viel harte Arbeit und jede Menge Gespräche mit Investoren und Mitstreiterinnen, die ja erst gefunden werden wollen. Eine Gemeinsamkeit in beiden Bereichen besteht darin, Menschen von einer Idee, einer Vision zu begeistern.


Würden Sie sagen, dass sich Ihr persönlicher Führungsstil geändert hat?
Ashoka ist eine eher ungewöhnliche Organisation – wir verstehen uns als eine Organisation von, für und mit Social Entrepreneurs. Ein Social Entrepreneur muss eine unternehmerische Persönlichkeit sein, wobei das jetzt nicht heißt, dass jemand eine Bilanz lesen kann. Vielmehr meinen wir einen Unternehmer im Schumpeterschen Sinn, also eine Persönlichkeit, die etwas unternimmt, Leidenschaft zeigt, Risiken eingeht, aber auch die Möglichkeiten erkennt und Hürden überwindet, um ein Projekt durchzusetzen. Weil auch unsere Mitarbeiter alle Entrepreneurs sind, muss ich mich auch als Führungskraft laufend fragen, wie ich diese unternehmerischen Menschen um mich herum unterstützen kann, damit sie ihre Ideen rund um die strategischen Leitlinien, die es natürlich auch gibt, weiterentwickeln können.


"Ashoka" sucht nach innovativen Lösungen für gesellschaftliche Probleme. Benötigen kreative Lösungen Ihrer Ansicht nach auch kreative Arbeits- oder Büroformen? Oder erfüllt immer noch das "klassische" Büro seinen Zweck am besten?
Ich denke, dass ein modernes Bürogebäude auch hilft, modern zu arbeiten. Viele dieser klassischen, historischen Bauwerke, von denen wir in Wien ja einige haben, sind bei aller Romantik unpraktisch. Gutes Design hilft Menschen, besser zu arbeiten. Gemeint ist nicht nur Licht, sondern zum Beispiel auch die Anordnung von Räumen, das Raumkonzept.


Moderne Technologien erlauben es uns zu arbeiten, wann und wo wir wollen. Nutzen Sie diese Möglichkeiten, oder gibt es für Sie dennoch so etwas wie einen "Hauptarbeitsplatz" – und wenn ja, wo befindet er sich?
Prinzipiell würde ich ja gerne am Sofa liegend mit dem Laptop arbeiten, aber wenn man ein Team hat, ist das am Ende des Tages keine so gute Idee. Wir sind alle viel unterwegs, und unser Büro ist ein Ort, an den man immer wieder gern zurückkehrt. Außerdem mag ich dieses Mittendrin sein, deshalb habe ich auch einen Schreibtisch in der Mitte des Büros. Unser Arbeitsplatz wurde so konzipiert, dass es viel Gemeinsames gibt, wir aber auch Rückzugsorte haben, wo man die Tür hinter sich zumachen kann, wenn man mal Ruhe braucht.


Wo arbeiten Sie selbst gerne, bzw. nicht so gerne?
Ich arbeite gerne im Zug. Vom Arbeiten am Strand halte ich nichts – da mache ich lieber Urlaub.


Wie würde Ihr Traumbüro aussehen?
Mein Traumbüro hat einen Ausblick über die Stadt und ist mitten im Zentrum - kurze Wege und das Mittendrin sein im Team sind mir wichtig. Eigentlich bin ich aber in unserem jetzigen Büro sehr glücklich, ein paar Sofas für kreatives Ideenspinnen wären aber nicht schlecht.


Ihr Büro ist für eine soziale Organisation eher ungewöhnlich – sehr groß, geräumig, hell, mitten im Zentrum von Wien.
Ja, mit diesem Büro haben wir wirklich Glück, es wird uns von Baker & McKenzie pro bono zur Verfügung gestellt. Wenn wir dafür zahlen müssten, würden wir uns diese wunderbaren Räume nicht leisten.


Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus? Gibt es viele persönliche, private Gegenstände oder ist Ihr Büro rein funktional?
Persönliche Gegenstände brauche ich eigentlich nicht. Ich führe einen täglichen Kampf mit dem Archiv, einem Papierstapel auf meinem Schreibtisch, deshalb bin ich ganz froh, wenn da nicht noch etwas liegt.


Ist das Büro für Sie ein Ort der Inspiration, der Kreativität?
Im Idealfall ist das Büro natürlich ein Ort, der inspiriert. In unseren Büroräumlichkeiten machen wir zusammen Yoga, außerdem haben wir auch einen Tischfußballtisch, der allerdings nicht sehr häufig verwendet wird. Ich glaube schon, dass Motivation am Arbeitsplatz auch etwas damit zu tun hat, dass man ein Stück Freiraum schafft und gleichzeitig Gemeinsames leistet. In unserem Team kochen wir reihum füreinander Mittagessen – beim Kochen und gemeinsamen Essen entsteht eine schöne Dynamik, die die Leute zusammenbringt und den Austausch fördert. All das ist wichtig und hilft, gut und gerne zusammenzuarbeiten.


Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?
Mein Laptop. In der Politik hätte ich noch mein Telefon genannt. Seit ich internationaler arbeite, hat der Computer noch einmal mehr Bedeutung bekommen.


Vielen Dank für das Gespräch!

Autor

Angelika Molk

Corporate Marketing Manager

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