Personalities

Marta Schreieck, henke und schreieck Architekten, Neubaugasse 2

Architektur Design Interview

Immer auf der Suche nach der Beschäftigung mit neuen Themen stellen sich die vielfach prämierten Projekte von henke und schreieck Architekten den unterschiedlichsten Anforderungen: ob Büro-, Verwaltungs- und Geschäftsgebäude wie jüngst der cityspace7 auf der Mariahilferstraße 37, das Borealis Innovation Headquarter in Linz, das Hochhaus "Hoch Zwei" im neuen Wiener Entwicklungsgebiet "Viertel Zwei" oder das innerstädtische k47; ob öffentliche und private Wohnbauprojekte wie die Frauenfelderstraße oder das EFH Hernals; ob Tourismusprojekte wie das Parkhotel Hall i. Tirol; oder öffentlicher Raum wie der Bahnhof Baden oder der Brückenbau Hackinger Steg; oder Schul- und Universitätsbauten.

Marta Schreieck, seit 2005 Mitglied der Akademie der Künste Berlin und seit 2009 Präsidentin der Zentralvereinigung der ArchitektInnen Österreichs, über Bildungsprojekte und den eigenen Arbeitsplatz im Gespräch mit Brigitte Schedl-Richter.


Frau Schreieck, henke und schreieck haben u.a. zahlreiche Projekte im Bildungsbereich umgesetzt: etwa die Sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Universität in Innsbruck, die FH Kufstein, die AHS Heustadlgasse in Wien, das EWZ in Hall oder die Bruno Kreisky Schule am Leberberg. Was muss denn eine "gute" Schule oder Universität "können"? Oder was kann Architektur dazu beitragen?
Nun, grundsätzlich ist natürlich die wichtigste Aufgabe, zu funktionierenden Rahmenbedingungen für Lernende und Studierende beizutragen. Die Schwierigkeit ist allerdings herauszufinden, was die optimalen Rahmenbedingungen für das jeweilige Projekt sind. Was hierzulande nämlich meist fehlt, ist die Einbeziehung der Nutzer in den Planungsprozess.
Ganz klar, dass sich die Pädagogik in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Da ist es nur logisch, dass sich auch bauliche und räumliche Anforderungen ändern. Aber "Wie?" ist die Frage! Wir Architekten sind in pädagogischer Hinsicht nur Laien und brauchen deshalb die intensive Auseinandersetzung mit Direktoren, Lehrern und Schülern, um das angestrebte Bildungskonzept zu verstehen und die dafür geeignete Umgebung zu erarbeiten. In Wirklichkeit diskutierten wir aber nicht Bildungskonzepte, sondern beschäftigen uns mit Achsmaßen und Raumprogrammen, die starr vorgegeben sind.


Wie löst man dieses Dilemma?
Das ist wirklich schwierig. In der Architektur geht es ja immer darum, einem konkreten Inhalt den optimalen Raum zu geben. Wenn ich also den Inhalt nicht gut genug kenne, dann werden unzufriedene Nutzer zurückbleiben. Deshalb ist die Hellerup-Schule in Kopenhagen auch so spannend und wegweisend. Hier hat ein intensiver Diskussionsprozess stattgefunden, der alle Beteiligten eingebunden hat. Dass dadurch ein völlig offenes und "klassenloses" Gebäude entstanden ist, ist zwar ein interessantes Ergebnis. Doch aus meiner Sicht ist die Entstehungsgeschichte das eigentlich Faszinierende daran. Und auch die Tatsache, dass nach der Fertigstellung dieser Diskurs und die Evaluierung der geschaffenen Strukturen unter Einbeziehung aller Standpunkte permanent weiter geht.


Das heißt, Sie wünschen sich eine solche Herangehensweise auch für Österreich?
Natürlich. Und ich würde mir außerdem wünschen, dass gerade im Rahmen dieser Thematik die übliche Vorgehensweise der Architekturwettbewerbe einmal ausgesetzt und ein Pilotprojekt gestartet wird, in dem Nutzer, Bauherrn und Architekten gemeinsam die optimale Bildungseinrichtung erarbeiten.
Obwohl ich doch positiv festhalten möchte, dass sich etwas bewegt. Etwa beim Bildungscampus am neuen Wiener Hauptbahnhof wurde beschrieben, welche Unterrichtskonzepte hier umgesetzt werden sollen. Trotzdem glaube ich, dass der Dialog noch viel intensiver werden muss und wir uns gerade in einer schwierigen Zwischenphase befinden, wo noch viel aneinander vorbei geredet wird. Gerade im Bildungsbereich sind aber Visionen notwendig, die ihr Äquivalent auch in der Architektur finden müssen.


Wie haben Sie diese Schwierigkeiten bei Ihren eigenen Bildungsbauten gelöst? Die Heustadlgasse z.B. wird ja häufig als das fortschrittlichste Schulgebäude Österreichs bezeichnet....
Für mich war immer klar, dass Schule viele unterschiedliche Anwendungsmöglichkeiten anbieten muss. Es ist ein bisschen so wie an einem modernen Arbeitsplatz – man braucht Raum für konzentriertes Arbeiten, für Gruppendynamik, für Spiel- und Entspannungsphasen, Raum für administrative Tätigkeiten. Man braucht geschlossene wie offene Strukturen. Es geht dabei gar nicht so sehr um die Frage "Klassenzimmer ja oder nein?", sondern darum, dass der Raum genügend Flexibilität enthält, so dass diejenigen, die den Raum nützen, ihre Umgebung mitgestalten und auf den Raum reagieren können.

Daraus ergibt sich in weiterer Folge auch das Konzept der Mehrfachnutzung. Wenn man bedenkt, welch riesige umbaute Kubaturen Schulen und Universitäten darstellen, wäre es absolut widersinnig, diesen Raum nicht auch "auslastungstechnisch" optimal zu nutzen. Viele Bildungsgebäude haben große Aulen und Foyers – diese eignen sich hervorragend nicht nur als Veranstaltungs- und Erlebnisraum, man kann damit auch Öffentlichkeit einbeziehen. Die Schule oder der Campus wird damit vermehrt Teil des sozialen Lebens und zu einem kulturell wichtigen Bestandteil des lokalen Umfelds. In Kufstein oder in Hall z.B. funktioniert das hervorragend.


Also mit jedem Gebäude unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten anbieten...?
Ich sehe das Spannende an der Architektur nicht darin, möglichst viele gleichwertige Räume zu entwickeln. Für mich waren Hybrid-Gebäude immer schon interessanter, und wir haben immer versucht, die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten eines Objektes herauszuarbeiten. Viele Objekte sind heute nur deshalb erfolgreich, weil sie diese Diversität besitzen, die letztlich ja die Vielfalt ihrer Nutzer widerspiegelt. Das gilt für ein Geschäftshaus genauso wie für eine Universität. Übrigens: Schul- und Universitätsgebäude haben natürlich immer auch eine sehr schöne urbane, städtebauliche Dimension...


Abschließend noch eine persönliche Frage zu dem zuvor erwähnten Stichwort Arbeitsplatz – wie sieht eigentlich Ihr perfekter Arbeitsplatz aus?
Im Grunde kann ich gut überall arbeiten. Hier im Büro oder zu Hause – das macht nicht so viel Unterschied. Was mir allerdings wichtig ist, ist Platz. Ich brauche einfach einen gewissen Raum um mich. Der ist schon deshalb notwendig, weil wir hier ja manchmal wie in einer Werkstatt arbeiten.


Sie haben ein Einzelbüro – könnten Sie sich vorstellen, in einem Großraumbüro zu arbeiten?
Als wir hier eingezogen sind, haben wir zuerst einmal alle Wände herausgerissen und flexible Wände eingebaut. Mittlerweile platzen wir aus allen Nähten und haben nun auch ein zweites Geschoß dazugenommen. Allerdings – auch wenn das gerade der Trend ist, für mich wäre ein Großraumbüro nicht das Richtige. Ich schätze manchmal den Rückzug und ein gewisses Maß an Vertraulichkeit.


Sie haben keinen Laptop oder PC auf Ihrem Schreibtisch?
(lacht) Ich brauche keinen Laptop – mein Medium ist der Bleistift.


Frau Schreieck, vielen Dank für das Gespräch!

  

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