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New Working Environments: Arbeiten in der Cloud – Arbeiten auf Wolke 7?

New Working Environments Cloud Bürotrends

Manchmal muss man einen Weg zurückgehen, um vorwärts zu kommen. Für unser Thema "New Working Environment" beginnen wir deshalb am abstraktesten und zumindest technisch innovativsten Ende moderner Arbeitsumgebungen – in der Hoffnung, letztendlich bei ganz konkreten, optimierten Räumen zu landen. Vom Virtuellen zum Physischen also. Hinein in die Cloud und wieder retour.
 

Aus alt mach neu

So banal es auch scheinen mag – die Wortkreation "Cloud Computing" leitet sich aus früheren IT-Konzept-Zeichnungen ab. Dort wurde das im jeweiligen Zusammenhang Wesentliche (z.B. ein Rechner) detailliert dargestellt, das Unwesentliche bzw. Nicht-näher-Ausgeführte (z.B. Rechnernetze) als Wolke, die sozusagen für alles " Restliche" stand, was außerhalb des eigenen PCs an Digitalem herumgeisterte.

So unbedeutend am Beginn, so hartnäckig hat sich das Wolkensymbol etabliert. Schließlich sehnt man sich als IT-Halbkundiger nach Vereinfachungen im ohnehin komplizierten IT-Bereich... Die dahinterliegende Idee ist eigentlich ziemlich alt und stammt noch aus jener Zeit, bevor der PC so flächendeckend Einzug in Unternehmen und Haushalte fand. Im Wesentlichen ging es schon in den 1960ern darum, dass nicht jedes Unternehmen teure Hard- und Software sowie spezialisierte Mitarbeiter zur Verfügung hatte, sondern Daten zur Verarbeitung an einen Dienstleister übermittelte, der über Infrastruktur und Know-how verfügte – kurz gesagt: Outsourcing an ein Rechenzentrum.

In neuerer Zeit ist diese alte Idee im Wesentlichen gleich geblieben: ein Teil der IT (Hardware ebenso wie Software) wird nicht mehr vom End-User vor Ort betrieben, sondern bei einem oder mehreren Anbietern als Dienst gemietet. Der Zugang erfolgt meist über das Internet, Software und Daten befinden sich nicht mehr auf lokalen Rechnern, sondern in geografisch entfernten Rechenzentren. Der Unterschied heute ist ein operativer: Denn die von Playern wie Microsoft, Amazon, IBM, Google, Apple und vielen anderen angebotenen Services punkten durch hohe Performance, vergleichbar geringe Kosten, flexible Skalierbarkeit entsprechend den jeweils aktuellen Anforderungen, beachtliche Usability und damit steigende Akzeptanz sowohl im Privat- wie im Business-Bereich.
 

Die Cloud ist mobil – was sonst.

Auf der Spur nach neuen Arbeitstrends wird es jetzt endlich "heiß", denn Cloud Services sind natürlich ein ganz großes Thema im Zusammenhang mit der steigenden Mobilität unseres Arbeitslebens. Die Entwicklung mobiler Endgeräte wie Laptop, Tablet oder Smartphone ließ bei den Usern das Bedürfnis entstehen, von mehreren Geräten und Orten auf ihre Daten zugreifen zu können. Cloud Computing macht´s möglich. Der Zugriff auf Software und Daten kann von nahezu überall erfolgen und ist weitgehend endgeräteunabhängig. Geht ein Endgerät verloren oder wird es beschädigt, so ist auch das kein wirkliches Problem mehr – die Daten bleiben ja vorhanden und jederzeit abrufbar.

Selbst der Begriff Teamwork bekommt eine neue Dimension, die die Ablaufprozesse wesentlich erleichtert. Da Anwendungen und Daten zentral gespeichert und von überall zugänglich sind, können – sofern gewünscht und freigegeben – mehrere Mitarbeiter darauf zurückgreifen und gemeinsam an Dokumenten arbeiten. Collaboration pur.
 

Sicher ist sicher?

Was auf der einen Seite so verlockend und grenzenlos einsetzbar klingt, lässt dennoch manche Fragen offen. Wie die nach der Datensicherheit zum Beispiel. Was manchen Usern echten Angstschweiß auf die Stirn treibt, nämlich dass sie ihre Dokumente nicht mehr "bei sich" und unter eigener Kontrolle haben, bewerten andere zuversichtlich als Stärke, besäßen doch gerade Anbieter von Cloud-Services die Ressourcen und das Know-how für Security-Profis sowie redundante Sicherungssysteme. Ein Argument, dem Skeptiker nicht folgen können. Sie sehen Probleme vor allem bei der Absicherung des Zugriffs auf Anwendungsdaten beim Transfer zwischen lokalem Client und entferntem Server. Auch der Wechsel zu einem anderen Anbieter bzw. ein möglicher Verkauf des Anbieters ist nicht unproblematisch hinsichtlich fehlender Kontrollierbarkeit von Daten auf fremden Speichermedien.
 

Auf in die wolkenreiche Zukunft

Wenngleich sich solche Punkte nie völlig ausdiskutieren lassen, bleibt die Tatsache bestehen, dass Cloud Computing gerade richtig trendy wird, oder besser: schon ist. In unserem privaten Alltag verschicken wir bereits seit langem E-Mails über Webmail-Dienste, laden Urlaubsfotos in Online-Alben, Filme auf YouTube, doodlen für den nächsten Kinobesuch, verabreden uns auf Facebook, sharen Ordner über Dropbox und haben längst keine Ahnung mehr davon, wo all diese Informationen physisch liegen.

In Business-Anwendungen sieht der Trend ganz ähnlich aus. Cloudlösungen ergänzen zunehmend bestehende IT-Infrastrukturen, entweder als Public Cloud mit Zugang über das Internet (wobei "Public" natürlich nicht bedeutet, dass jeder auf die Daten und Anwendungen Zugriff hätte, sondern nur die befugten Personen) oder als Private Cloud, die über ein Intranet innerhalb eines Unternehmens oder einer Abteilung zugänglich ist bzw. als mixed Variante einer Hybrid Cloud?
 

Das neue Arbeiten?

Die eigentlich spannende Frage aber ist: Werden nun alle Knowledgeworker zu Cloudworkern? Wird der Workplace im Office abgelöst vom Workplace in der Cloud?

Immerhin stand im Spiegel kürzlich zu lesen, dass beispielsweise "IBM die Beziehungen zu Arbeitskräften konsequent und umfassend verändern will. So soll der Konzern künftig nur noch von einer kleinen Kernbelegschaft geführt werden. Spezialisten und Fachkräfte hingegen will IBM auf einer eigens gegründeten Internetplattform anwerben. Dort sollen freie Mitarbeiter aus der ganzen Welt präsentieren und nach bestimmten, von IBM entworfenen, Qualitätsmerkmalen zertifiziert werden. Analog dem sozialen Netzwerk Facebook könnten Arbeitnehmer in dem IBM-Modell Bewertungen und Zeugnisse der Arbeitgeber erhalten, die dann von anderen Unternehmen eingesehen werden. Die in einer "Cloud" (Wolke) organisierten Arbeitskräfte...würden internationale Arbeitsverträge erhalten... Außerdem sollen sie auch nur für die Länge der jeweiligen Projekte beschäftigt werden." Solche Modelle entsprächen durchaus dem Trend. "Nach bislang unveröffentlichten Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) sank die Zahl der unbefristeten Vollzeitjobs von 1999 bis 2009 um 18,5 Prozent. Mittlerweile sind nur noch etwas über die Hälfte aller Arbeitnehmer so beschäftigt. Zugleich stieg die Zahl der atypischen Erwerbsformen, etwa Leiharbeit oder Solo-Selbständigkeit, um fast 79 Prozent an", so der Spiegel.

Womit einmal mehr belegt wird, was ohnehin schon lange sichtbar ist: Der 9-to-5 genutzte Schreibtisch im Büro hat ausgedient, der Arbeitsplatz wird virtualisiert. An die Notwendigkeit der zeitweisen Face-to-Face-Kommunikation wollen Arbeitstheoretiker trotzdem glauben. Wo immer sie auch stattfindet. Wird es doch in Zukunft verstärkt darauf ankommen zu lernen, mit den Möglichkeiten von Mobilität, Cloudworking und 24h-Erreichbarkeit sinnvoll umzugehen und Grenzen zu ziehen. Klare Übereinkünfte innerhalb des Unternehmens bzw. mit Partnern und Kunden sind notwendig, sonst müssen wir uns darauf gefasst machen, dass sich der Chef, Kollege oder Kunde selbst im Urlaub meldet und meint, etwas müsste dringend erledigt werden – schließlich kann man das ja jetzt von überall aus. Mal sehen, ob wir dann stark genug sind zu sagen: Nein, jetzt nicht! Die Antwort steht – noch – in den Wolken… nein… Sternen.

  

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