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ORGATEC 2012: Die neuen Arbeitswelten sind unter uns

Arbeitswelten Messetrends Orgatec Event

„Modern Office & Object“– unter diesem Motto fand von 23. bis 27. Oktober die international führende Büroeinrichtungsfachmesse „Orgatec“ in Köln statt. Rund 50.000 Besucher informierten sich bei mehr als 600 vertretenen Unternehmen über die neuen Trends moderner Arbeitswelten. Eindeutig im Mittelpunkt standen innovative Lösungen zu den Themen Kommunikation und Interaktion sowie – ganz neu –äußerst interessante Vorschläge für konzentriertes, separiertes Arbeiten.
 

Neue Arbeitswelten in Theorie und Praxis

Die Welt der Arbeit verändert sich: Wir sind stärker vernetzt und kommunizieren schneller, sozialer und transparenter. Wir werden mobiler und sind damit nicht mehr unbedingt an einen fixen Arbeitsplatz gebunden. Außerdem unterscheiden sich die Anforderungen an den eigenen Work Space je nach Tätigkeitsprofil: "Solution Worker" verbringen nur mehr einen geringen Anteil ihrer Zeit hinter ihrem eigenen Schreibtisch. Sie sind dauernd auf Achse, treffen Kunden, kommunizieren digital und benötigen das Büro vor allem als Ankerpunkt, für Meetings oder intensives, konzentriertes Arbeiten. Ideale Büros sind daher flächeneffizient und bieten sowohl Zonen für Kommunikation und Kollaboration, als auch Bereiche für Konzentration. Der Arbeitsplatz kann, so die Devise, je nach konkreter Aufgabe oder persönlicher Vorliebe frei gewählt werden. Der Work Space wird zum Ort des Dialogs und des Lernens, aber auch der Rekreation und Erholung.


Wie sich diese "New Ways of Working" in der Praxis darstellen, zeigte die Orgatec 2012 in den Bereichen Einrichtung, Licht, Akustik und Medientechnik. Omnipräsenter Messetrend waren Entwürfe für Kommunikations- und Kollaborationszonen. Kaum ein Aussteller, der nicht seine Version eines Bereichs für informelle, schnelle Meetings oder Brainstormings in gemütlichem Ambiente zeigte. Die ausgestellten Lösungen bewiesen deutlich, dass die Grenzen zwischen Wohn- und Objektdesign zunehmend verschwimmen. Das Büro wird als Stadtlandschaft inszeniert, als urbaner Lebensraum, in dem auch gemütliche Sofas und Lounge-Chairs in vielen Farben und unterschiedlichen Materialien gern gesehen sind. "Kommunikative" Möbel finden sich im Portfolio von Vitra und Bene , aber auch bei Anbietern wie Sedus, König+Neurath oder Nurus. Sein Programm enorm erweitert hat Haworth, dessen von den Designern Le Téo & Blet entworfene LTB-Serie eine flexible, versatile Lösung für modernes Arbeiten auch abseits des Schreibtisches darstellt.

Immer noch große Bedeutung hat der klassische Arbeitsplatz. Gefragt sind flächeneffiziente, vielseitige Systemmöbel, die dem Nutzer viel Komfort schenken. Bene stellte die neue Produktserie CUBE_S vor: stationäre Arbeitsplätze, die Arbeiten "wie im Cockpit" ermöglichen. Stauraum und Arbeitstisch werden platzsparend in vielfältigen Layouts kombiniert, passend zu den jeweiligen Anforderungen und Tätigkeiten der "Solution Worker".

 

"Stille und Stil" im Open Office

Kollaboration und Dialog in allen Ehren, aber auch das moderne Office braucht Zonen des Rückzugs, die konzentriertes Arbeiten abseits der lebhaften Kommunikation des Open Space ermöglichen. Einige der Aussteller haben diese Notwendigkeit erkannt und bieten Lösungsvorschläge für konzentriertes, separiertes Arbeiten. Work Spaces werden mit Wänden versehen, die sowohl akustisch, als auch visuell abschirmen sollen und geschützte "Buchten" schaffen, in die man sich temporär zurückziehen kann. Tonangebend hier vor allem Bene und Vitra: Bene präsentiert mit DOCKLANDS eine Produktfamilie, die aus verschiedenen, auch kombinierbaren Modulen besteht. Vom Londoner Designstudio PearsonLloyd entwickelt, gehören zu den DOCKLANDS die so genannten "Dock-In Bays", geschützte, aber nicht völlig abgeschlossene Einzelarbeitsplätze, ein praktischer Coat Rack, ein Service Dock für technisches Equipment und eine Phone Booth. Weiche, textile Filzwände balancieren die Akustik des Open Office aus und generieren einen kompakten Kokon für fokussiertes Arbeiten.


Vitra bietet mit den "Workbays" ebenfalls ein alternatives, modulierbares Arbeitsplatzangebot an. Auf der Basis der "Alcove-High-Back" von Ronan & Erwan Bouroullec entwickelt, eignen sich die Workbays für ungestörte Einzelarbeiten, sind aber auch für kleine Besprechungen oder als Leseraum nutzbar. Die mit Polyestermatten verkleideten Kabinen gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und Höhen, wahlweise mit oder ohne Tisch.
„Modern Office & Object“– unter diesem Motto fand von 23. bis 27. Oktober die international führende Büroeinrichtungsfachmesse „Orgatec“ in Köln statt. Rund 50.000 Besucher informierten sich bei mehr als 600 vertretenen Unternehmen über die neuen Trends moderner Arbeitswelten. Eindeutig im Mittelpunkt standen innovative Lösungen zu den Themen Kommunikation und Interaktion sowie – ganz neu –äußerst interessante Vorschläge für konzentriertes, separiertes Arbeiten.
Auch das belgische Unternehmen BuzziSpace greift die Forderung nach "Stille und Stil" im Open Office auf und präsentiert eine ausdifferenzierte Produktpalette: Die BuzziHub-Serie bietet in verschiedenen Kombinationen Möglichkeiten, sich informell, aber ungestört auszutauschen. Die ebenfalls durch Filzwände abgeschirmte BuzziBooth kann u.a. als Telefonzelle fungieren, und das BuzziCockpit präsentiert sich als eine Art Haube, die jeden beliebigen Arbeitsplatz kurzfristig in einen Ort der Ruhe verwandelt.

 

Alles so schön bunt hier

Unübersehbar war auch der neu entdeckte Mut zur Farbe: hier blitzte es grün, dort leuchtete es gelb, blau, lila, pink. Der Vorstellungskraft werden kaum Grenzen gesetzt, das Spektrum reichte von gedeckten, zarten Tönen bis hin zu satten, kräftigen Farben. Weiterhin aktuell bleibt natürlich das klassische Weiß, ebenso vertreten sind warme Grau- und Grüntöne sowie die neuen Akzentfarben cyan und gelb. Die textilen Materialien sind dicht und stark strukturiert und wirken warm und wohnlich. In Kombination oder mono bringen die lebhaften Farben Schwung ins Büro und können, als Akustikpaneele eingesetzt, Lärm und Schall dämmen.


Vorsichtig tauchen bei einigen Herstellern auch erstmals Muster auf, die sowohl weiches Textil als auch feste Materialien akzentuieren: "Greenwich", der von PearsonLloyd in Zusammenarbeit mit Kvadrat exklusiv für Bene entwickelte Stoff, setzt durch seine subtile Musterung feine, farbige Akzente in den DOCKLANDS und PARCS. Inspiriert vom Wegenetz des Londoner Greenwich Parks verleiht er den Möbeln Charakter und Originalität und lockert auch große Flächen subtil auf.
 

Sitzen in Bewegung

Viele Neuigkeiten gibt es auch im Seating Bereich: Die neuen Stuhltypologien laden nicht nur zum Verweilen ein, sondern auch zum Drehen, Wippen, Strecken und Recken. Viele der vorgestellten Modelle sind äußerst bewegungsfreundlich: dadurch wird einerseits die Konzentration unterstützt und der Müdigkeit vorgebeugt, anderseits tut man so auch der Gesundheit Gutes. Ein neuer, überraschender Trend sind Sitzhocker, die in vielen Farben und Formen bei zahlreichen Ausstellern vertreten waren - und sie sind ein weiterer Beweis dafür, wie sehr Büro- und Wohnraum sich einander annähern.

Bewegung kommt auch in den Management-Bereich: Walter Knoll präsentiert mit dem von EOOS entwickelten "Leadchair" eine würdigen Alternative zum Aluminium Chair von Charles und Ray Eames. Elegantes Understatement und zeitlose Modernität zeichnen den "Leadchair" ebenso aus wie Funktionalität und Komfort. Auch Wilkhahn zeigt mit dem "Graph" (Design Markus Jehs + Jürgen Laub) einen Konferenzstuhl, der durch seine leichten, klaren Linien überzeugt und die optimale Balance zwischen Ästhetik und überzeugendem Engineering findet.

Insgesamt bewies die Orgatec in diesem Jahr, dass Smart Working nicht mehr nur theoretisches Konzept, sondern schon längst Realität ist. Die meisten Hersteller haben auf die Herausforderungen der neuen Arbeitswelten reagiert und einige interessante Lösungsvarianten vorgestellt. Generell lässt sich konstatieren, dass auch in Zukunft die Bedeutung des Büros als Bezugsort, als "Ankerplatz" erhalten bleiben wird, während die Formen der Zusammenarbeit neu gestaltet werden.



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