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Pro und Contra. Hausschuhe im Büro?

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Wer kennt diese Szene nicht: Sie suchen ein Amt auf, eine Kanzlei, ein Büro – und bemerken plötzlich, dass Ihr Vis-à-vis in Hausschuhen vor Ihnen steht oder sitzt. Wo bin ich hier, fragt man sich irritiert – doch etwa nicht im verlängerten Wohnzimmer dieser Dame, dieses Herren? Bequem oder unpassend: Welche Zeichen man mit dem Tragen von Hausschuhen im Büro setzt, verhandeln wir hier.
 

Das Pro.

Worüber sprechen wir, wenn wir von Schuhen reden? Ganz klar: Wir sprechen von Freiheit. Schuhe waren und sind seit Menschengedenken ein Symbol dafür. Das begann 800 vor Christi, als das Tragen von Schuhwerk ausschließlich den römischen Herren vorbehalten war (Sklaven mussten barfuß gehen) – und wird wohl noch eine ganze Weile so bleiben, denn wie wir wissen, ist es den Ferengi-Frauen im fernen Jahr 2375 immer noch verboten, Schuhe zu tragen und Handel zu treiben...

Der Schuh, der entscheidet also über Herrschaft oder Knechtschaft. Über die Möglichkeit, das Haus zu verlassen und einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, die einem selbst zugute kommt. Aber gerade hier hat sich die Wahrnehmung des Freiheitsbegriffs in unserem Kulturkreis sehr gewandelt. Wer empfindet es denn noch als Freiheit, als Privileg und Geschenk, arbeiten zu gehen? Die Wenigsten...

Eher hetzen wir – dem Schuhwerk sei Dank – den ganzen Tag wie aufgezogene Duracell-Häschen von einem Termin zum nächsten. Das wahre Freiheitsgefühl stellt sich erst ein, wenn wir sie dann ausziehen können, die drückenden High Heels, die Peeptoes (hinterlassen die Ihren eigentlich auch immer kleine Schürfwunden auf den Zehen?), die viel zu harten Budapester oder Oxfords. Allabendlich heißt’s deshalb: Raus aus dem strengen Leder und rein in den Kuschelplüsch! Oder wie auch immer Sie ihre Hausschuhe bevorzugen. Hauptsache wohlfühlen. Ohne Druckstellen.

Warum also nicht dieses Gefühl mitnehmen ins Büro? Warum nicht die kulturgeschichtliche "Freiheit durch Schuhe" auf eine neue Ebene heben? Es lebe die Schuhfreiheit!

Wo weltweit in Büros mehr und mehr nach dem Aufbrechen von Zwängen und überholten Strukturen gesucht wird, kann man ganz leicht an den eigenen Füßen fündig werden. Hausschuhe im Büro? Na klar.

Und dann sollte man sich noch vor Augen halten: Schuhe sind Statussymbole. Sie zeigen Einkommensverhältnisse – und nicht selten zementieren sie diese auch fest. Aber führen Sie mal mit ihrem Chef eine Gehaltsverhandlung, während beide Gesprächspartner in Bärchen-Ohren-Schlappen stecken. Da werden die Karten neu gemischt... Wetten?

Nicole Kolisch

 

Das Contra.

Manche gehen gerne ins Büro, weil es dort viel attraktiver zugeht als zuhause. Kein lasches Abhängen vor der Glotze, keine Nachlässigkeiten im Benehmen – "Hast Du mir heute eigentlich schon Guten Morgen gesagt, Schaaatz?" –, keine Respektlosigkeiten beim Bekleidungsstil wie raushängende Hemden, runterhängende Hosenböden oder spießige Hausanzüge für die Damen. Und vor allem: keine Pantoffel.

Studien belegen, dass man in einem korrekten Outfit, also Business-mäßig gekleidet, besser und erfolgreicher telefoniert als im Pyjama im Home Office. Sicherlich trifft dies auch aufs Schuhwerk zu. Wer Schlappen trägt, signalisiert: Ich richte es mir gemütlich ein, schlapfrig (schlapprig) ist auch mein Arbeitsgang. Zu Berühmtheit in Schlappen gebracht hat es ein Hauptdarsteller der österreichischen Fernsehserie "MA 2412" (MA ist die Abkürzung für ´Magistratsabteilung´), einer Satire auf das Bürokratentum, sprich: auf Arbeitsmuffel. Dass der Mann mit Toupet und Leidenschaften für Schwedenbomben und Modellautos – denen er freilich im Büro frönt – nicht gerade sexy wirkt, kann sich jede/r vorstellen. Da machen auch Argumente der Ergonomie für die Gesundheitssandale nichts wett…

Wechseln wir den Film, Schauplatz Manhattan. Toughe Business-Ladies in straighten Kostümen und Trenchcoats verlassen im Laufschritt die U-Bahn, um in die Büros zu strömen – an ihren Füßen tragen sie Sneakers, im Handgepäck die High Heels fürs Office. Das nennt man Urbanität!

Und genau darum geht es: Um ein Lebensgefühl der Professionalität, der Internationalität, das sich in den Metropolen entwickelt hat, und das sich in Pantoffeln schwer herstellen lässt – wie auch? In Schlappen, da sitzt einem doch gleich der Waldschrat im Nacken. Nehmen wir das Büro als das, was es ist: Bühne für den tagtäglichen Auftritt von Talenten und Kompetenzen, mitunter Laufsteg der Eitelkeiten und Raum für erotisches Knistern. Alles unvorstellbar in Pantoffeln.

PS oder Sidestep: It's the season's hottest trend - so when did pyjamas in public become acceptable?

Dora Marquard

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