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Personalities

SOLID architecture, Wiedner Hauptstraße 108, Top 5

Arbeitswelten Architektur Interview

Christine Horner, geboren 1972 in Salzburg, und Christoph Hinterreitner, geboren 1970 in Wien, gründeten im Jahr 2000 gemeinsam das Architekturbüro SOLID architecture in Wien.
Christine Horner studierte Architektur an der TU Wien und der Ecole de la Villette, sammelte Praxis in Architekturbüros in Washington DC und Darmstadt und in Architekturbüros in Paris.
Christoph Hinterreitner studierte Architektur an der TU Wien, TU Graz und RWTH Aachen, arbeitete in Architekturbüros in Wien, Köln und in Paris bei Feichtinger Architectes.

Ausgangspunkt der Entwürfe von SOLID architecture sind die Bedürfnisse des Auftraggebers und der zur Verfügung stehende Ort. Darauf aufbauend entstehen Lösungen, die mit den vorhandenen Ressourcen ein Optimum an Funktionalität und architektonischer Qualität bieten, getragen von einem klaren, räumlichen Konzept. Der österreichische Pavillon der Expo Zaragoza 2007, die Brücke Rennweg in Wien 2009 oder zuletzt die Innenarchitektur des neuen Bene Schauraums in der Neutorgasse in 1010 Wien sind nur einige gebaute Beispiele.


Das Büro als Ort: Welche Bedeutung messen Sie ihm bei?
Christoph Hinterreitner (CHI): Das Büro ist für uns in erster Linie ein Treffpunkt, ein Ort, an dem wir gemeinsam an Projekten arbeiten können.
So einen Ort zu haben war und ist für uns sehr wichtig. Der Hauptgrund, in Wien unser Büro zu eröffnen war, dass hier Raum und auch Büroraum im Verhältnis zu anderen europäischen Städten sehr preiswert ist und die Stadt generell sehr viel Platz bietet – Paris hat, kurz geschätzt, die dreifache Dichte von Wien.


Arbeiten Sie gerne kontinuierlich an ein und demselben Ort oder wechseln sie lieber die "Szenerie"?
Christine Horner (CHO): In den Anfängen war unser Büro sehr flexibel, nicht ortsgebunden. Wir studierten und arbeiteten einige Jahre im Ausland, die meiste Zeit davon in Paris. Diese Internationalität wollten wir auch nach der Gründung unseres Büros in Wien beibehalten. In den ersten Jahren verlegten wir zum Beispiel einmal unser Büro für drei Monate nach Rotterdam, oder wir bildeten Arbeitsgemeinschaften mit ehemaligen Arbeitskollegen aus Italien und Belgien.

CHI: Die Zusammenarbeit von verschiedenen Orten aus an einem Projekt rein über digitale Medien hat für uns auf Dauer aber nicht funktioniert. Als Architekt europaweit tätig zu sein und zu bauen erfordert zusätzlich sehr viel Know-how über die Baukultur der jeweiligen Länder. Eine Erfahrung, die wir beim Bau des Österreichischen Pavillon für die Expo in Zaragoza (2007) gemacht haben. Dieses Projekt wickelten wir gemeinsam mit zwei Partnern aus Wien zur Gänze ab, einschließlich Baugenehmigung etc. Hier standen wir öfters vor Hürden, die wir ohne die Beratung von Freunden aus Spanien nicht nehmen hätten können.

Inzwischen schätzen wir es, an einem Ort fix zu arbeiten; wir schätzen die dadurch entstehende Kontinuität und die Erfahrungen, auf denen wir aufbauen können.


Sie erwähnten Paris als "dichte Stadt". Wirkt sich diese Knappheit des Raumes auf die Arbeitsweise in den Pariser Büros aus?
CHO: Diese Dichte der Stadt Paris schlägt sich nicht nur in den Mietpreisen und der engen Belegung der Büros nieder, auch in gewissen Ritualen. Zum Beispiel wird das Mittagessen oft ins Restaurant ausgelagert. Von den Büros aus ist eine Vielzahl von Restaurants in kurzer Zeit erreichbar. Diese "Bistro-Kultur" wird sogar von der öffentlichen Hand gefördert, indem ein Teil des Lohnes in Gutscheinen für Restaurants ausbezahlt wird. Das gemeinsame Mittagessen mit den Kollegen ist somit ein fixer Bestandteil des Arbeitslebens.


Welche Unterschiede zwischen Wien und Paris fielen Ihnen im Arbeitsalltag noch auf?
CHO: In den Büros, in denen wir arbeiteten, war Büro- und private Zeit nicht sehr stark abgegrenzt. Das Arbeiten bis in den Abend ging oft unmittelbar in ein gemeinsames Abendessen über, bei dem das aktuelle Projekt natürlich wieder Thema war.

CHI: Meiner Erfahrung nach hat in Paris die Innovation einen sehr hohen Stellenwert, auch die Erfindung und das Design.
Allgemein steht die Persönlichkeit des Mitarbeiters mehr im Vordergrund als hierzulande. Das zeigt sich mitunter in der bewussten Selbstdarstellung mancher Personen, man erlaubt sich gerne gewisse Nachlässigkeiten oder Extravaganzen.


Da denke ich an Philippe Starck oder Jean Nouvel, Sie auch?
CHI/CHO lachen.


Haben Ihre Auslandserfahrungen Auswirkungen auf Ihre jetzige Arbeitssituation?
CHI: Das gemeinsame Kaffeetrinken und Mittagessen mit unseren Mitarbeitern ist ein fixer Bestandteil des Büroalltages, auch wenn wir dabei selten ins Restaurant gehen. Neben der beruflichen Zusammenarbeit schätzen wir unsere Mitarbeiter auch menschlich sehr.

CHO: Wir selbst behielten die "Dichte von Paris" in Wien insofern bei, als bei uns arbeiten und wohnen sehr eng miteinander verbunden sind: Beide Bereiche befinden sich in zwei übereinander liegenden Geschossen im selben Haus. Diese Nähe erlaubt viele Synergien – und jederzeit einen schnellen Zugriff auf die Infrastruktur des Büros.


Haben Sie das Gefühl, dass Ihr Büro etwas über Sie aussagt?
CHO: Ich denke, die Gestaltung des Büros gibt darüber Auskunft, wie und in welcher Atmosphäre man selbst arbeiten möchte. Für unser Büro war uns wichtig, eine freundliche, helle und geradlinige Atmosphäre zu schaffen – Eigenschaften, die wir auch in unseren Projekten umzusetzen versuchen.

CHI: Meiner Erfahrung nach sagt die Gestaltung eines Büros nichts über die Qualität der Arbeit aus, die darin geleistet wird. Die fantastischsten Dinge können auf einer Spanplatte, auf Bierkisten aufgelagert, entstehen.


Gibt es für Sie so etwas wie einen "Hauptarbeitsplatz" – falls ja, wo befindet er sich?
CHI: Unser Hauptarbeitsplatz ist der Schreibtisch in unserem Büro.

CHO: Unsere beiden Schreibtische liegen an den entgegengesetzten Enden des Büros – mit größtmöglichem Abstand zueinander. Zwischen diesen beiden Polen befinden sich die Zonen für Kommunikation, für die kreative Arbeit unseres Büros. Hier ist Platz für Besprechungen, den Austausch mit unseren Mitarbeitern usw. Der Schreibtisch ist der Ort für konzentriertes Arbeiten.


Sind Sie lieber alleine / zu zweit in Ihrem Büro oder gemeinsam mit anderen?
CHO: Das ist das Schöne an der Architekten-Arbeit: Die Phasen von konzentriertem Arbeiten und Teamarbeit wechseln einander ab.


Gibt es Orte oder Plätze, an denen Sie besonders gerne arbeiten?
CHO: Unser Büro und im Zug.


Gibt es Orte, an denen Sie besonders gerne arbeiten würden?
CHI: Im Panoramawagen der SBB von Wien nach Zürich.


Der wichtigste Gegenstand im Büro?
CHI: Der wichtigste Gegenstand in unserem Büro ist ganz pragmatisch der PC. Ohne Computer können wir nicht arbeiten.


Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?
CHO: Die Computermouse und die Tastatur.


Welches ist der persönlichste Gegenstand in ihrem Büro?
CHI: Für mich sind die bedeutsamsten Gegenstände Produktsamples und Muster von Projekten, die sich gerade im Bau befinden. Diese Muster sind die einzige materielle Verbindung von unserem Büro, in dem Dinge ausgedacht und zu Papier gebracht werden, zu jenem Ort – der Baustelle –, an dem unsere Konzepte gebaute Realität werden.


Ihre liebste Tätigkeit im Zusammenhang mit dem Arbeiten?
CHI: Anhand von Arbeitsmodellen entwerfen.

CHO: Das Entwerfen. Die Entwurfsphasen eines Projektes sind bei uns mitunter ziemlich emotionsgeladen – Architektur ist für uns ja auch eine Herzensangelegenheit. Der schönste Moment ist jener, in dem wir schließlich den gemeinsamen Weg gefunden haben, sich alle Probleme lösen und das Projekt ins Rollen kommt.


Wie viele Stunden verbringen Sie im Büro?
CHO, CHI: Büro und private Zeit lassen sich bei uns nicht so genau trennen.


Vielen Dank für das Gespräch.

  

Autor

Désirée Schellerer

Public Relations Manager

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