Architektur & Design

Stockholm Furniture Fair

Design Trends Messetrends Event

Die Stockholm Furniture Fair überzeugte auch 2013 durch ein kleines, aber feines Angebot: neben Neuheiten aus der Bürowelt wurden Home- und Lichtdesign präsentiert. Überwiegend dominierten klare, reduzierte Linien und vielfältige Bezüge auf die Natur in Form, Farbe und Material. Nachwuchstalenten bot man im so genannten Greenhouse eine Ausstellungsplattform, Kunstinteressierte konnten sich an den Installationen renommierter Designer erfreuen, und wer des Laufens müde wurde, erfrischte sich in der von Daniel Rybakken gestalteten Design Bar.
 

Gelungene Premiere von Bene

Bene nahm erstmals an der Stockholm Furniture Fair teil, und zeigte einen durchdachten Smart Working Space - eine flexible Bürolandschaft, die auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Wissensarbeiter eingeht und differenzierte Raumlösungen bietet. Vor allem die Produktfamilien PARCS und DOCKLANDS stießen bei den Messebesuchern auf reges Interesse. Kein Wunder, sind sie doch multifunktionale, durchdachte Lösungen für den Workspace von heute, der sowohl konzentriertes Einzelarbeiten, als auch kommunikatives Teamwork ermöglicht. Ebenfalls präsentiert wurden die von Christian Horner entwickelten CUBE_S, Workplace Module, die Arbeits- und Stauraum kombinieren und ein "Arbeiten wie im Cockpit" möglich machen.

Bürodesign heute

Auch Anbieter wie Vitra, Kinnarps, Limbus oder Martela präsentierten in Stockholm ihre Bürokonzepte und bewiesen, dass eine intelligente Aufteilung in unterschiedliche Zonen sowohl für Kollaboration als auch Konzentration in modernen Work Spaces inzwischen zur gängigen Praxis geworden ist. Viele der ausgestellten Büromöbel besitzen (oft modulierbare) Wände, die störende Geräusche ausblenden und im Open Office für Ruhe und Konzentration sorgen sollen. Mit den neuen Konzepten ist endlich auch Farbe ins Büro gekommen: die Palette reicht von hellen Pastelltönen bis hin zu kräftigen, frischen Farben, die dem grauen Büroalltag den Kampf ansagen.

Verstärkt wird versucht, neue Technologien besser in die Möbel zu integrieren: Martela arbeitet beispielsweise an einem Konzept, das dem Benutzer ermöglichen soll, sich durch eine Check-In Karte Zugang zu seinen persönlichen Daten zu verschaffen, egal von welchem Arbeitsplatz aus. Dies soll neben der funktionalen Komponente vor allem helfen, den eigenen Arbeitsplatz personalisieren zu können, auch wenn dieser häufig gewechselt wird.
 

Skandinavische Highlights

Bene-Partner Offecct präsentiert mit dem Carry On und dem Cape gleich zwei Sitzgelegenheiten, die das Zeug zum Klassiker haben. Der Carry On ist, wie der Name schon verrät, ein tragbarer Hocker, der vor allem in flexiblen, aktiven Arbeitswelten seinen Platz finden wird. Elegant und mit einem Funken Ironie präsentiert sich "Cape" von Nendo, ein Stuhl, der so aussieht als hätte er einen Umhang an: funktional, einfach und freundlich soll Design laut Nendo sein, und diesen Kriterien entspricht das entwickelte Produkt perfekt.

Zu den Höhepunkten der Ausstellung zählte sicherlich der Auftritt des jungen dänischen Unternehmens Hay. 2002 gegründet, präsentierte man ein Jahr später bereits die erste Möbelkollektion auf der imm Cologne. Durch Kooperationen mit talentierten Designern will Hay an das innovative dänische Design der 1950er und 60er Jahre anschließen. In Stockholm zeigte man unkompliziertes, frisches Möbeldesign von Hee Welling oder Ronan und Erwan Bouroullec und stellte auch eine umfangreiche Accessoire-Kollektion vor: Mit viel Liebe zum Detail gestaltet, enthält diese neben Textilien auch Spiegel, bunte Boxen und sogar Zündholzschachteln.

Die schwedische Bla Station hat ebenfalls einige spannende Neuheiten im Programm: Auffallend anders ist vor allem der Dent Chair (Jon Lindström & Henrik Kjellberg), der mit unregelmäßigen Ausbuchtungen, Dellen und Falten eine "Antithese zum Perfekten" darstellt und das Glatte und klassisch Schöne herausfordert. Durchaus mit Erfolg, wie wir finden.

Als beeindruckender Blickfang präsentierte sich der Stand von Kvadrat, der vom Londoner Designerduo Raw-Edges gestaltet wurde: die Besucher fanden sich unter einem gewaltigen, aus Textilien "gewebten" Blätterdach wieder, das von einer baumähnlichen Holzkonstruktion getragen wurde.

Nach neuen Perspektiven sucht auch Muuto in Kooperation mit einer Reihe talentierter Designer aus dem skandinavischen Raum. In der "New Nordic" Kollektion dominieren schlichte, klare Linien und frische Farben, gerne bezieht man sich auch mit einem Augenzwinkern auf Designklassiker. Gut gelungen: der Nerd Chair (David Geckeler) und die Leaf Lamp (Mats Broberg und Johan Ridderstrale). Die Leuchte kombiniert Aluminium, Stahl und Messing und gleicht in ihrer Form einem einzelnen Blatt mit Stiel.
 

Everything is illuminated

Als besonders erhellend erwiesen sich die minimalistischen Kreationen von Daniel Rybakken, der dieses Jahr auch eingeladen wurde, die Design Bar der Messe zu gestalten. In Rybakkens Arbeiten soll eine totale Reduktion der Formen Raum für Konzentration auf Qualität und Textur des Lichts schaffen. Realisiert hat der junge Norweger diesen konzeptuellen Ansatz mit "Counterbalance": die für Luceplan entworfene Lampe besticht durch ihren langen, extrem beweglichen Arm, der durch ein rundes, an der Wand montiertes Gegengewicht in Balance gehalten wird.

Wästberg präsentierte auf der Stockholm Furniture Fair die von Claesson Koivisto Rune entworfene W131. Die sehr kompakte, in freundlichen Farben gehaltene Hängeleuchte wird im Sandguss-Verfahren entwickelt – die kleinen Unebenheiten der Aluminium-Oberfläche sind beabsichtigt und verleihen dem Objekt besondere taktile Qualität.

Rustikaleres Design findet man bei Northern Lighting: Die von Frida Ottemo Fröberg und Marie-Luise Gustaffson gestaltete "Plank" besteht aus rauem, unbearbeiteten Holz und regelbaren LEDs und weckt Assoziationen zu stürmischen Nächten auf See.
 

Junges Design im Greenhouse

Nachwuchsdesigner und Designschulen bekommen in Stockholm die Möglichkeit, ihre Arbeiten im so genannten "Greenhouse" zu präsentieren. Das Greenhouse dient als Plattform, die es jungen Talenten ermöglicht, Kontakte zu knüpfen und ihre Arbeiten einem breiteren Publikum zu präsentieren. Dass das Konzept Früchte trägt, beweist zum Beispiel Oki Sato, der vor mittlerweile zehn Jahren ebendort ausstellte. Dieses Jahr wurde er als "Guest of Honour" geladen, um den Eingangs- und Loungebereich der Messe zu gestalten. Der Gründer des Designstudios Nendo formte unzählige, aus Schaumplatten geschnittene und zu Schleifen geformte Elemente zu einer weißen Landschaft, die Assoziationen mit einem schneebedeckten Gebirge hervorruft. Innerhalb der fragilen Strukturen boten ebenfalls weiße Nendo-Stühle die Möglichkeit, sich vom Messetrubel zu erholen und verwandelten so die Installation in einen lebendigen Organismus. Für Sato sind die "80 sheets of mountain" Symbol des Designprozesses an sich, da sie den Weg von der Geburt einer Idee bis hin zu ihrer tatsächlichen Manifestation nachzeichnen.
 

Hello! The Anatomy of Communication

Wer sich nach all den visuellen Erfahrungen nach sprachlichem Austausch sehnte, bekam in der als Talk Show und Installation konzipierten "Hello Show" die Möglichkeit dazu. Bereits zum dritten Mal in Folge bot "Hello!" die Möglichkeit, aktuelle Themen aus der Welt des Designs mit Spezialisten zu diskutieren. In diesem Jahr entwarfen der finnische Illustrator Kustaa Saksi und Architekt Gert Wingardh einen von einem gewaltigen Blätterdach umspannten Raum, in dem regelmäßig als Talk Shows inszenierte Diskussionspanels stattfanden. Zentrales Thema der "Hello Show": Kommunikation als Ausgangspunkt der (Design)arbeit. Es beginnt schließlich alles mit einem "Hello". Oder einem schwedischen "Hej".
 

Weitere Fotos

Autor

Angelika Molk

Corporate Marketing Manager

Snow Mountains by Nendo

Snow Mountains by Nendo


Carry On by Offecct

Carry On by Offecct


Dent by Bla Station

Dent by Bla Station


w131 by Waestberg

w131 by Waestberg


Hay

Hay


kvadrat

kvadrat


Muuto

Muuto


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