Personalities

Susie Wolff, Ermatingen und Oxford

Team Teamarbeit Karriere Spezialisierung

Arbeits- und Lebenswelten am Puls der Zeit: In Gesprächen mit Zeitgenossen überprüfen wir Behauptungen, Klischees oder Wunschbilder, die rund um Orte der Arbeit kursieren. Diesmal unterhielten wir uns mit Susie Wolff, Testfahrerin für das Williams Martini Racing Team.  Sie sprach mit uns über ihren Weg zum Erfolg, die Rolle von Teamarbeit in der Formel 1 und den täglichen Adrenalinstoß auf der Rennbahn.

Bereits in jungen Jahren entdeckte die in Schottland geborene Susie Wolff ihre Liebe zum Motorsport.  Nach 16 Jahren Rennerfahrung debütierte sie 2006 in der DTM, der Deutschen-Tourenwagen-Masters, wo sie professionelle Rennen für Mercedes Benz fuhr. 2012 wechselte die schnellste Frau der Welt in die Formel 1, wo sie seither als Testfahrerin für das Williams Martini Racing Team unterwegs ist. Wir nahmen Susie Wolffs Artikel in der Publikation „Glück Macht Erfolg“ zum Anlass, sie zum Interview zu bitten.


Frau Wolff, wie kann man sich einen typischen Arbeitstag in Ihrem Leben vorstellen? Oder gibt es so etwas nicht? 
Für mich ist jeder Tag anders, je nach Jahreszeit. Das passt mir ganz gut, da ich nicht jemand bin, der Routine mag. Sobald die Formel 1 Saison startet, sind wir etwa fünf Wochen unterwegs, da die ersten vier Rennen auswärts stattfinden. In der Mitte der Saison wird es etwas einfacher, weil die meisten Rennen in Europa sind, aber danach gibt es wieder viele im Ausland.

Im Winter konzentriere ich mich mehr auf das Fitnesstraining und die Arbeit im Simulator. Während der Saison bin ich häufiger unterwegs und mache auch PR und Marketing für das Team.


Würden Sie Ihr Auto als Ihren Arbeitsplatz bezeichnen? Welche Orte gehören zu Ihrem Arbeitsleben dazu?
Nachdem es in der Formel 1 nicht viele Testfahrten gibt, um Kosten zu sparen, habe ich nur sehr wenig Zeit auf der Bahn. In dieser Saison hatte ich einen Testtag in Barcelona und werde noch zwei Trainingssessions beim britischen und deutschen GP machen, daher würde ich sagen, dass wohl eher der Simulator in der Williams Formel 1 Factory mein Arbeitsplatz ist.

Wenn wir in Großbritannien sind, wohnen wir in Oxford. Das funktioniert wirklich gut, weil das Williams Formel 1 Team nur etwa eine halbe Stunde südlich davon zu Hause ist, und das Team meines Mannes, Mercedes GP, ebenfalls nur eine halbe Stunde nördlich davon liegt. Ansonsten lebe ich in der Schweiz. Hier trainiere ich, und von hier aus starte ich meine Reisen.


Könnten Sie sich vorstellen, den ganzen Tag in einem Büro zu arbeiten?
Ja, wenn ich einen Job hätte, den ich liebe und für den ich mich begeistern kann. Als Rennfahrerin hat man leider ein Ablaufdatum, und ich würde gerne auf die geschäftliche Seite der Formel 1 wechseln wenn meine Rennkarriere vorbei ist. Vielleicht melde ich mich dann ja nochmal bei Ihnen zur Büroberatung!


Welche Rolle spielt Ihr Team und Teamarbeit für Sie?
Obwohl in der Formel 1 natürlich der Fahrer den meisten Ruhm bekommt, ist er in Wirklichkeit nur das letzte Glied in einer langen Kollaborationskette. In der Williams Fabrik arbeiten über 500 Leute, und sie alle haben das Ziel, zwei Rennautos so schnell als möglich zu machen. Ganz schön unglaublich, wenn man darüber nachdenkt, wie diese unglaublich talentierten Ingenieure täglich die Grenzen etwas weiter pushen und die Technologie in der Autowelt vorantreiben. Ohne ein großartiges Team und die Arbeit jedes einzelnen in diesem Team hätte man in der Formel 1 keinen Erfolg.


Unterscheiden Sie zwischen Arbeit und Freizeit oder verschwimmen da die Grenzen?
Die Grenzen verschwimmen auf jeden Fall – ich liebe meinen Job und Rennfahren ist ohne Zweifel meine Leidenschaft. Mit acht Jahren habe ich mit dem Rennfahren begonnen – so lange bin ich schon im Motorsport. Mein Mann arbeitet im selben Bereich und es macht einfach einen großen Teil unseres Lebens aus. Trotzdem wissen wir auch, dass es ein Leben außerhalb des Motorsports gibt. 


Sie haben bereits in sehr jungen Jahren mit dem Rennfahren begonnen und haben es bis in die Formel 1 geschafft. Was denken Sie, was sind die ausschlaggebenden Faktoren, so eine Karriere hinzulegen und so lange durchzuhalten?
Ich hatte Glück, dass ich die Leidenschaft meines Lebens gefunden habe. Wenn man etwas entdeckt, das man wirklich gerne macht, kommt der Erfolg einfach ein wenig schneller und die schwierigen, enttäuschenden Tage sind leichter zu ertragen.

Was noch wichtig ist? Verwegen zu träumen! Man braucht Ziele im Leben und sollte wissen, was man erreichen möchte. Wenn man nur einen Traum hat und nicht weiß, wie man den verwirklichen könnte, dann ist das kein Traum sondern nur ein Wunsch.


Wie viel Glück braucht der Erfolg? Wann fühlen Sie sich glücklich?
Natürlich bringt Erfolg große Befriedigung. Der Adrenalinstoß, den man bekommt wenn man ein Formel 1 Auto fährt, ist fantastisch. Aber wirkliches Glück, das sind für mich viel einfachere Sachen: morgens neben meinem Mann aufzuwachen, beim Abendessen mit Familie und Freunden zu lachen.


Was mögen Sie an Ihrer Arbeit am liebsten?
Am liebsten mag ich an meiner Arbeit das Reisen. Neue Leute treffen und neue Kulturen erfahren zu können, das gefällt mir.


Gibt es bestimmte Rituale, die Sie für wichtig halten in Ihrem Arbeitsalltag?
Nein, aber ich denke, dass es sehr wichtig ist Bewegung zu haben und sich gesund zu ernähren. Das kann wirklich einen großen Unterschied machen. Ich bin froh, dass ich für meinen Job sehr fit sein muss, und ich fühle mich wirklich viel besser nach einem Workout und gutem Essen.


Ihr wichtigstes Tool für die Arbeit?
Bestimmtheit.


Was würden Sie sich für Ihre Arbeit wünschen? Welche Ziele haben Sie noch?
Ich will in der Formel 1 fahren. So einfach ist das.

Vielen Dank für das Gespräch! 

© Cover: Williams Martini Racing

  

Autor

Angelika Molk

Corporate Marketing Manager

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